„Kindergeburtstag – und wieder macht mein Ex es sich zu einfach.“

Während Lia den sechsten Geburtstag ihrer Tochter plant, lebt ihr Vater sein Leben weiter. Kuchen, Einladungen, Deko, Organisation – all das bleibt an ihr hängen. Diese Geschichte handelt von mentaler Last, einer Trennung, die befreiend war, und davon, was Lia ihrer Tochter mitgeben möchte.

„Wenn ich morgens das Brot für meine Tochter schmiere, denke ich manchmal daran, wie selbstverständlich es für ihren Vater ist, einfach sein Leben zu leben. Und wie selbstverständlich es für mich geworden ist, alles andere zu tragen. Planung, Verantwortung, Organisation. Vor allem jetzt, da ihr sechster Geburtstag bevorsteht.

Unsere Tochter war ein absolutes Wunschkind.

Zwar früher als geplant, aber von Anfang an begleitet von vielen Gesprächen darüber, wie wir Arbeit, Kind, Hobbys und Verpflichtungen miteinander vereinbaren wollen. Am Anfang hat das auch funktioniert. Wir haben geredet, abgestimmt, gemeinsam getragen.

Verändert hat sich alles, als ich nach der Elternzeit wieder angefangen habe zu arbeiten und er einen neuen Job hatte. Unsere Tochter war etwa zweieinhalb Jahre alt, als ich gemerkt habe, wie die Last sich langsam, aber spürbar verschob. Er ging weiterhin seinen Hobbys nach, ich steckte zurück. Ich organisierte den Alltag, kümmerte mich um Termine, Haushalt, Kind. Er half weder im Haushalt noch bei der Care-Arbeit. Kein Abwasch, keine Wäsche, kein Putzen. Und abends sollte ich trotzdem noch die perfekte Partnerin sein.

Ich war einfach nur noch erschöpft.

Kurz vor dem dritten Geburtstag unserer Tochter habe ich gesagt: Feierabend. So geht es nicht weiter. Doch statt Veränderung wurde er distanziert. Viel am Handy, viel unterwegs, keine Gespräche mehr. Drei Tage vor dem Geburtstag unserer Tochter habe ich mich getrennt. Ausgezogen ist er allerdings erst ein halbes Jahr später – eine Zeit, die alles noch schwerer gemacht hat.

Als ich das erste Mal nach seinem Auszug nach Hause kam, fühlte ich mich unglaublich frei. Erleichtert. Natürlich kamen auch Zweifel. Momente, in denen ich mich fragte, wie ich das alles alleine schaffen soll. Heute frage ich mich eher, wie ich es damals mit ihm geschafft habe.

Unsere Tochter ist jetzt sechs Jahre alt.

Wir meistern unseren Alltag gut. Sie ist jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa – zumindest theoretisch. Oft möchte sie lieber bei mir bleiben. Außerhalb dieser Wochenenden meldet er sich kaum.

Gerade stecke ich mitten in der Planung ihres Geburtstags. Zwei Tage. Ein Tag Familie, ein Tag Freunde. Kuchen, Deko, Spiele, Einladungen. Als ich ihn darauf angesprochen habe, kam nur der Satz: ‚Wenn du Hilfe brauchst, musst du halt was sagen.‘ Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hätte. Ich werde ihn nicht um Hilfe bitten.

Besonders nicht, nachdem er den Geburtstag seiner Tochter schlicht vergessen hat.

Während ich also plane, backe, einpacke und ein aufgeregtes Kind um mich herum hüpft, wird er am Geburtstag vorbeikommen, Kuchen essen und wieder gehen. Am liebsten würde ich ihm die Tür vor der Nase zuschlagen. Aber meiner Tochter zuliebe tue ich es nicht. Ich ziehe es durch. Weil sie einen schönen Geburtstag verdient. Einen, an den sie sich erinnern wird.

Es ist egal, ob der Kuchen gekauft oder gebacken ist. Ob die Einladungen gebastelt oder gedruckt sind. Ob die Wohnung danach aussieht, als wäre eine Horde Elefanten durchgezogen. Ich gebe alles, damit sie sich geliebt fühlt.

Ich kann nicht Mama und Papa gleichzeitig sein.

Aber ich kann eine Mama sein, die da ist. Die arbeitet, den Haushalt stemmt, sich kümmert und trotzdem noch versucht, Kraft zu finden. Ich tanke sie bei meinem Pferd, das auch meine Tochter liebt. Bei meinem neuen Partner, der mich unterstützt. Bei Freundinnen, mit denen ich sprechen kann.

Ich will meiner Tochter vor allem eines zeigen: Egal wie ungerecht manches ist, egal wie schwer es wird – ich bin da. Geburtstage sind wichtig. Der sechste ganz besonders. Und auch wenn ich mich selbst nicht gerne lobe: Ich bin stark. Für meine Tochter. Und für mich.”


Liebe Lia, vielen Dank, dass wir deine ehrliche Geschichte erzählen durften. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

Wer plant bei euch den Kindergeburtstag? Habt ihr eigene Erfahrungen, die denen von Lia ähneln? Lasst uns gerne einen Kommentar da!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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