„Es ist doch nicht meine Aufgabe, meinen faulen Mann zu erziehen“

„Hi, ich bin Sina, 30 Jahre alt und seit ungefähr drei Jahren mit meinem Freund zusammen. Ich schreibe hier von meiner eigenen Geschichte, weil ich mit einem grundsätzlichen Missverständnis aufräumen möchte: Wir Frauen müssen nicht ständig fragen, damit Männer uns im Haushalt helfen!

Mein Freund war schon immer chaotisch

Ich muss zugeben, dass mein Mann chaotisch ist, wusste ich von Anfang an. Ich erinnere mich noch gut an unser drittes Date, als ich ihn für einen Kinoabend abholen und vorher nur noch kurz seine Toilette benutzen wollte. Wird ja keine große Sache sein, dachte ich mir. Aber damit lag ich falsch: Er wollte mich partout nicht reinlassen, weil seine Wohnung so unordentlich sei. Spätestens da war mir klar, dass mein neuer Traumprinz einige Qualitäten hatte, aber Sauberkeit und Ordnungssinn gehörten wohl nicht zu seinen Stärken.

Als ich dann später doch irgendwann mal Zutritt zu seiner Junggesellenbude bekam, stellte sich heraus, dass er tatsächlich nicht übertrieben hatte. Überall lag Müll, benutztes Geschirr türmte sich quasi auf allen Oberflächen und der Boden klebte eigenartig – besonders im Bad. Das Ganze war meinem Schatz auch sichtlich peinlich und er entschuldigte sich mehrfach. Auf den Gedanken, dass er sich einfach mal hätte die Zeit nehmen können, um vor meinem Besuch aufzuräumen, war er aber offenbar trotzdem nicht gekommen.

Der Gedanke an einen gemeinsamen Haushalt machte mir Bauchschmerzen

Man kann also durchaus sagen, dass ich wusste worauf ich mich einließ, als wir zusammenzogen. Schon vorher machte mir der Gedanke an unseren gemeinsamen Haushalt Bauchschmerzen, auch wenn ich trotzdem unbedingt mit meinem Freund zusammenziehen wollte.

Naja, es kam, wie es kommen musste: Schon nach wenigen Wochen in unserer gemeinsamen Wohnung, entwickelte sich das Thema Haushalt zum Streitpunkt Nr.1. Da wir beide in Vollzeit berufstätig sind, war ich davon ausgegangen, dass wir uns die nervigen Pflichten wie Putzen und Einkaufen fair aufteilen. Da hatte ich mich gründlich geschnitten. Mein Schatz nahm zwar das Essen, das ich ihm servierte, dankend an, dachte aber nicht daran, mich beim Kochen zu unterstützen.

Stattdessen schien er selbstverständlich davon auszugehen, dass ich mit Freuden seine Wäsche wasche, hinter ihm her räume und einkaufe. Meine Fragen, ob er nicht auch mal bestimmte Dinge übernehmen könnte, blieben meistens ohne nennenswerte Reaktion. Meistens kam nur ein ‚Du weißt doch, ich mache sowas nicht so gerne‘ oder ‚Muss das sein? Bei der Arbeit ist es gerade so stressig‘ und ein entschuldigendes Lächeln.

‚Männer sind eben faul‘

Da mich die Situation zunehmend frustrierte, suchte ich das Gespräch mit Familie und Freunden. Die meisten belächelten unser Problem nur müde: Sei doch alles ganz normal, Männer sind eben faul und nicht dazu gemacht, einen Haushalt zu organisieren. ‚Woher soll er wissen, was er genau tun soll? Du musst ihn einfach öfter fragen‘, meinte zum Beispiel eine gute Freundin. Noch besser der Rat, den meine Mutter mir gab: ‚Du musst deinen Freund eben noch erziehen!‘ Das alles ließ mich ratlos zurück. Bisher war ich davon ausgegangen, es mit einem mündigen Erwachsenen zu tun zu haben, doch meine Gesprächspartner gaben mir das Gefühl, mein Partner sei ein kleines Kind, dass ich noch erziehen muss, dem ich noch erklären muss, wie ein normales menschliches Miteinander funktioniert.

Je länger ich darüber nachdachte, desto wütender machte mich die ganze Situation. Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass jeder seinen Teil der Verantwortung für den gemeinsamen Haushalt übernimmt? Schließlich profitieren auch beide davon, wenn der Kühlschrank voll ist und die Wäsche gemacht. Wieso entschuldigen die Frauen in meinem Umfeld meinen Partner? Für mich machte das alles keinen Sinn. Ich fand es ungerecht, dass ich täglich darum betteln sollte, dass mein Partner seinen Beitrag zum gemeinsamen Haushalt leistet – in leiser Hoffnung darauf, dass irgendwann der Tag käme, an dem mein Nörgeln Wirkung zeigte und ich ihn ‚erzogen‘ hätte.

Keine lahmen Entschuldigungen mehr

Trotzdem war mir klar, dass das Haushaltsdilemma sich nicht einfach in Luft auflösen würde. Es belastete mich inzwischen so sehr, dass ich ernsthaft an unserer Beziehung zweifelte. Deswegen warte ich auf das nächste Wochenende, machte mir Gedanken, welche Dinge täglich anfielen und schrieb eine Liste. Nach dem gemütlichen Samstagsbrunch suchte ich dann wieder das Gespräch mit ihm – und richtig: Auf meine Arie, wie sehr mich der Haushalt belastet und dass ich mir mehr Unterstützung wünschen würde, folgte wieder das entschuldigende Lächeln. Doch dieses Mal ließ ich es nicht bei seinen tatenlosen Entschuldigungen und Ausflüchten bewenden, sondern stellte klar, dass wir den Haushalt fair aufteilen müssen, wenn wir weiter zusammenleben wollen. Das hatte wohl gesessen, mein Partner schien erst jetzt zu bemerken, wie ernst mir das alles war.

Auf der Grundlage meiner Liste verteilten wir die Aufgaben und legten klare Zuständigkeiten fest. Dabei kam zum Beispiel raus, dass mein Schatz sich eher für das Einkaufen und Staubsaugen erwärmen konnte, als fürs Kochen und Wischen. Das war in Ordnung für mich, da ich die Zeit beim Kochen gerne nutze, um abzuschalten und es hasse, an überfüllten Supermarkt-Kassen anzustehen. So erarbeiteten wir Stück für Stück unseren neuen Alltag. Als ich später anderen von unserem neuen Haushaltsplan erzählte, zogen viele die Augenbrauen hoch: Sie fanden es überzogen, dass jeder feste Aufgaben hatte. So viele Regeln würden dem ganzen doch die Romantik nehmen und der Beziehung schaden, oder?

Ich bin nicht für die Erziehung meines Partners verantwortlich

Darauf würde ich inzwischen erwidern: im Gegenteil! Meiner Meinung nach hat es unsere Beziehung gerettet. Durch die Entlastung im Haushalt fühlte ich mich schnell wieder viel entspannter und hatte auch wieder mehr Lust, meinem Partner zuzuhören. Ich glaube, er vermisst insgeheim manchmal die alten Zeiten, als ich den Haushalt komplett alleine geschmissen habe. Aber auch mein Partner erkennt, dass ich nun viel besser gelaunt und wohlwollender bin. Das kommt ihm natürlich auch zugute.

Ich bin jedenfalls froh, dass wir uns wieder auf Augenhöhe begegnen und ich nicht mehr das Gefühl habe, für die Haushalts-Erziehung meines Partners verantwortlich zu sein.“

Liebe Sina, vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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