„Jiwa-Eltern“: Kinder fördern bis zur völligen Erschöpfung

Es gibt Kinder, die haben einen Terminplan, der mir als Erwachsenen schon Stresspickel machen würde: Musikunterricht, Sportkurs, English for Kids… und so weiter und so fort. Es geht aber immer noch schlimmer: „Jiwa Parenting“ ist eine Erziehungskultur, die vor allem in China weit verbreitet ist. Woher dieser Name kommt? Jiwa war in früheren Zeiten eine Therapieform, um Kinder zum Lernen zu animieren – indem man ihnen Hühnerblut injizierte. Das sollte ihnen den Elan eines „aufgescheuchten Hühnchens“ verpassen. Daher spricht man auch von „Chicken Parenting“, das die Jiwa-Eltern betreiben.

Aber was steckt nun hinter „Jiwa-Eltern“?

Die Jiwa-Therapie ist inzwischen glücklicherweise verboten, wie u.a. der Stern berichtet. Aber der Drang, sein Kind gut auszubilden, ist bei vielen Eltern in China geblieben, denn: Bessere Bildung gleich besseres Leben. Deswegen werden sogar schon Kleinkinder in Vorbereitungskurse für Management-Studiengänge gesteckt. Das Ziel? Ihnen beim Rennen um die begehrten Plätze an Eliteuniversitäten wie Tsinghua, Renmin-Daxue oder in Peking schon früh einige Zentimeter Vorsprung zu verschaffen, wie New Chinese berichtet. Das beginnt schon im Kindergartenalter und reicht bis zur chinesischen Hochschulaufnahmeprüfung Gaokao.

Die Kinder der überehrgeizigen Eltern gehen oftmals nicht vor Mitternacht ins Bett – denn sie haben einiges zu tun, bevor ihr „Tageswerk“ geschafft ist. Nicht enthalten in diesem langen Tag: Ein wenig Zeit, um einfach Kind zu sein und zu spielen.

Zu viel Druck für die Kinder – und ihre Jiwa-Eltern

Dieses Streben nach einer möglichst guten Bildung belastet die ganze Familie. Die betroffenen Kinder können geistig und körperlich krank werden durch den Druck, der auf sie ausgeübt wird – auch, wenn er von den Eltern gut gemeint ist. Und viele Elternpaare kommen durch die Förderung ihrer Kinder in echte finanzielle Bredouille. Denn „Jiwa-Eltern“ geben bis zu 50 Prozent (!) ihres Einkommens für Bildungsmaßnahmen aus. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala ist private Nachhilfe, in China inzwischen ein Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft, wie der Stern berichtet.

Daher können sich Jiwa-Eltern auch selten mehr als ein Kind „leisten“ – das trägt dann den Druck der Hoffnung seiner Eltern ganz alleine.

Wie geht es weiter?

Chinas Regierung will diesem Kreislauf stoppen, denn die Geburtenrate des Landes soll wieder steigen. Ihre Versuche: Hausaufgaben werden verboten, Online-Nachhilfeunterricht stark eingeschränkt und zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen.

Ob das wirken wird? Fraglich, denn in den Eltern steckt tief verwurzelt die Angst, dass ihre Kinder den Anschluss verpassen könnten. Und so im späteren Leben deutliche Nachteile erfahren werden.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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