„Ich heiße wie eine weltberühmte Sängerin – und mir gefällt’s.”

„Da mein Vater aus Indien stammt, entschieden sich meine Eltern für einen Namen, der in Deutschland extrem selten ist. Ich denke, mein Vater wollte diesen Namen und meine Mutter wird zugestimmt haben, weil mein Vater eher den Ton angegeben hat. Wie dem auch sei, sie nannten mich „Rihana”. Schon im Kindergarten kicherten die Kinder darüber und witzelten, so dass ich mich ungern vorgestellt habe, da ich wusste, es kommt wieder ein blöder Spruch und ich werde als lächerlich dargestellt.

Man muss dazu sagen, dass ich ein eher schüchternes und unsicheres Kind gewesen bin. Am liebsten wäre es mir gewesen, ich hätte einen ganz normalen Namen gehabt und wäre nicht aufgefallen. Noch mehr Frust kam dazu, wenn wir einen Ausflug machten. Meistens bekam man etwas Geld, damit man sich im Souvenir-Shop etwas kaufen konnte, einen Schlüsselanhänger, eine Kette oder eine Tasse mit dem eigenen Vornamen.

Nur mein Name, der war nie dabei.

Auch in der Schule wurde es nicht besser. Zu dieser Zeit gab es noch nicht viele Kinder mit ausländischen Wurzeln an meiner Schule. Zudem wohnten wir auf dem Land und die einzige, die einen wirklich außergewöhnlichen Namen hatte, das war mal wieder ich. Mein Selbstwertgefühl ist durch den Namen nicht unbedingt gestiegen. Die Kinder lachten, wenn er genannt wurde. Die Lehrer waren zwar zum Teil von dem Namen begeistert, da er außergewöhnlich war, aber damals interessiert es mich eher, was die anderen Kinder darüber dachten.

Dann kam die Teenager Zeit: Ich war nicht mehr das schüchterne, kleine Kind, sondern mittlerweile ein beliebtes, modisches Mädchen mit einer frechen Klappe. Aber mein Name, nein, der ging gar nicht. Der war ja überhaupt nicht cool! Da ich dann die Schule wechselte stellte ich mich dort kurzerhand mit Hanna vor. Ich bat sogar die Lehrer, mich Hanna zu nennen, da es mein selbst ernannter Spitzname war.

Einer der Lehrer meinte zu mir, dass er diesem Wunsch gerne nachkommt, aber dass er sicher ist, wenn er mich mal als erwachsene Frau treffen wird, dann werde ich sagen: ‚Ich nenne mich jetzt nicht mehr Hanna. Ich heiße Rihana.‘ Ich lächelte und meinte, das glaube ich eher nicht.

Ich sollte aber tatsächlich ein paar Jahre später an den Lehrer denken.

Jedes Mal, wenn ich meinem Ausweis bei einer Aktivität zeigen sollte, war ich doch etwas nervös, denn da stand ja Rihana drin. Ich fühlte mich nun als Teenager cool, aber was ich nicht hatte, war ein cooler Name! Zumindest saß diese Überzeugung tief in mir, da ich in meiner Kindheit so wegen des Namens gehänselt wurde. Doch dann spielte mir der Wandel der Zeit einen Joker in die Hand!

Mit der Sängerin Rihanna, die sich allerdings mit zwei ‚N‘ schreibt, wurde dieser Name plötzlich sehr aktuell und angesagt. Ich erlebte plötzlich eine Veränderung: Die Menschen sahen auf meinen Ausweis, sahen mich an und lächelten. ‚Wow, ist das cool, du heißt tatsächlich Rihana!‘ Es gab zwar einige, die sich räuspern, der Name wäre etwas prollig, aber die Mehrheit war positiv überrascht.

Also konnte ich mich bei meinem Namen nennen!

Zu dieser Zeit zog ich für ein paar Jahre nach Berlin und stellte mich dort auch mit Rihana vor. Viele glaubten erst mal gar nicht, dass es mein Name sei und ich musste meinen Ausweis zeigen, damit hatte ich plötzlich keine Probleme mehr. Immer öfter wurde ich auch darauf angesprochen, dass ich meinen Name falsch ausspreche. Anfänglich habe ich ihn deutsch ausgesprochen. Die Sängerin spricht ihn aber englisch aus und plötzlich wurde daraus der englische Name.

Niemand hat noch die deutsche Form verwendet, was mir gefällt.

Bis heute eigentlich nicht, auch das habe ich der Sängerin zu verdanken. Außerdem gab es plötzlich immer wieder Kommentare zur Schreibweise. Selbst in Ämtern wurde ich darauf hingewiesen, dass ich meinen Namen falsch geschrieben hätte und auch auf Briefen war der Name oft falsch geschrieben. Sogar mein Handy schreibt ihn konsequent mit zwei ‚N‘.

Mittlerweile habe ich eine Tochter mit einem klassischen deutschen Namen. Wenn wir irgendwo bei einer Krankenkasse oder bei einem Arzt waren, bin ich schon gefragt worden, ob ich nicht unsere beiden Namen verwechselt hätte und das Kind Rihana heißen würde. Nein, Rihana heißt tatsächlich die Alte!

Wie ging es mir denn selber bei diesem Wandel?

Na ja gut, alles kam ein bisschen überraschend. Der Name ist aber derselbe geblieben. Näher betrachtet ist es eigentlich schon interessant, wie sehr die Wahrnehmung von außen sich verändert hat, nachdem die Sängerin berühmt wurde.

Einer der typischen Sprüche, die ich immer wieder höre, wenn ich mich mit Rihana vorstelle, ist: ‚Sing uns doch mal was vor!‘ Da muss ich aber passen, denn singen kann ich nämlich ganz und gar nicht! Aber das muss ich auch nicht. Schließlich war ich ja Rihana, die erste.

Mittlerweile bin ich kein Kind mehr, das unsicher und schüchtern ist.

Und auch kein Teenager, der mit allen Mitteln cool sein will. Heute bin ich selbstbewusst und selbstbestimmt und brauche die Anerkennung der Gesellschaft nicht mehr.

Ich folge stattdessen meiner inneren Intuition und finde somit das, was zu mir passt und dieser Name passt eigentlich total gut zu mir – unabhängig von der Sängerin. Es ist kein gewöhnlicher, normaler Name. Zumindest nicht in Deutschland. Und mich kann man auch nicht als normal bezeichnen, was ich mittlerweile durchaus als positiv betrachte.”


Liebe Rihana, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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