„Ich frage mich, ob es falsch war, ein 3. Kind zu bekommen.”

„Ich bin dreifache Mama, meine Kinder sind 5 Jahre, 3 Jahre und 6 Monate alt. Zusammen mit meinem Mann geben wir das Bild der glücklichen Familie ab, aber glücklich bin ich mit der Situation gerade nicht. Ich habe mir schon immer drei Kinder gewünscht, aber seitdem unser jüngstes Kind geboren ist, wird mir einfach alles zu viel.

Mit zwei Kindern war unser Familienalltag schon sehr turbulent. Mein Mann arbeitet viel und ich übernehme Haushalt und Kinder. Für uns hat die Aufteilung so gepasst, er macht Karriere, ich kümmere mich darum, dass zuhause alles läuft. Zwei Kleinkinder sind schon eine Herausforderung, wie wahrscheinlich alle Eltern bestätigen können. Doch meine beiden haben sich schnell gut verstanden und spielen auch sehr süß miteinander.

Die Liebe zwischen den beiden hat mich oft für den Schlafmangel entschädigt.

Für meinen Mann war unsere Familie mit zwei Kindern komplett. Ich war auch dankbar für meine zwei gesunden Kinder, aber innerlich hatte ich trotzdem die Sehnsucht noch dieses dritte Baby zu bekommen. Schließlich habe ich mir immer drei Kinder vorgestellt, wenn ich mir früher meine eigene Familie ausgemalt habe. Mein Kinderwunsch fühlte sich noch nicht abgeschlossen an, ich traute mir zu, auch drei Kindern gerecht zu werden.

Also überredete ich meinen Mann zu einem dritten Kind. Da ich diejenige bin, die das meiste übernimmt, ließ er sich überzeugen. Für ihn war nur wichtig, dass wir uns das auch leisten können und da er kürzlich befördert wurde, stellte das kein Problem dar.

Nach wenigen Monaten wurde ich wieder schwanger.

Doch schon in der Schwangerschaft hatte ich die ersten Zweifel. Beide Kinder machten in dieser Zeit eine schwierige Phase durch. Ein Wutanfall jagte den nächsten, sie schliefen schlecht und brauchten offensichtlich noch mehr Nähe von mir. Ich kam an meine körperlichen und mentalen Grenzen und bekam Angst davor, wie ich es schaffen sollte, mich um drei Kinder zu kümmern.

Die Geburt machte es leider nicht besser. Es wurde ein Notkaiserschnitt und als ich benommen aufwachte, war mein Baby nicht einmal bei mir. Als sie es mir dann endlich in die Arme legten, fühlte ich mich einfach nur müde, die überwältigende Liebe, die ich für meine ersten beiden Kinder sofort empfunden hatte, blieb aus. Insgesamt war es schwerer für mich, die Bindung zu unserem dritten Kind aufzubauen.

Im Krankenhaus sehnte ich mich nach unseren älteren Kindern, fragte mich, ob sie mich vermissen würden.

Unser jüngster Familienzuwachs erschien mir die ersten Tage ein wenig fremd. Diese Gefühle haben sich glücklicherweise inzwischen gelegt. Trotzdem ist es sehr schwer mit zwei kleinen Kindern und einem Baby. Ich kann diese Babyzeit, die meine letzte sein wird, gar nicht genießen, sondern bin zwischen den Ansprüchen meiner Kinder total zerrissen. Eines von ihnen kommt immer zu kurz.

Ohne Oma und Opa, die die älteren Kinder ab und zu mal abholen, würde es gar nicht gehen. Ich war einfach nicht darauf vorbereitet, dass ich so ein schlechtes Gewissen haben würde. Noch dazu haben die beiden Großen nur sehr wenig Interesse an ihrem jüngeren Geschwisterchen. Für Zweisamkeit mit meinem Mann war vorher schon kaum Zeit, nun ist sie gar nicht mehr da.

War es ein Fehler, ein drittes Kind zu bekommen?

Wenn ich rational auf die Situation blicke, hätten zwei Kinder für uns gereicht. Gleichzeitig weiß ich, dass unser Nachzügler zu einem tollen Menschen heranwachsen wird, der unser Leben bereichert. Die Zeit jetzt ist härter als gedacht, aber irgendwann werde ich wahrscheinlich wissen, wofür die Anstrengung gut war.”


Liebe Luisa, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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