Schlechtes Gewissen: „Mein ,Großer´ muss so oft zurückstecken…“

„Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, freuten mein Mann und ich uns riesig. Aber je näher die Geburt kam, desto größer wurde auch meine Angst. Ich weinte oft, weil ich befürchtete, dass ich meinem Großen dann weniger Liebe geben könnte. Was soll ich sagen? So ist es eigentlich auch gekommen, denn sobald ein Geschwisterchen da ist, wird Mamas Aufmerksamkeit nun mal geteilt.

Dabei ist es doch mein ältester Sohn, der mich überhaupt zur Mama gemacht hat. Ohne ihn hätte ich diese wundervolle Reise nie begonnen. Ich denke oft an die Zeit zurück, die wir beide zu zweit waren, das waren für mich wunderschöne Jahre. Inzwischen habe ich drei Kinder, aber diese erste Zeit mit meinem Ältesten wird immer etwas Besonderes bleiben. Ist es dann nicht einfach nur unfair, dass er meistens viel weniger Aufmerksamkeit von seiner Mama bekommt als die jüngeren Geschwister?

An guten Tagen ist genug Liebe für alle meine Kinder da, an schlechten muss eines zurückstecken.

Das trifft natürlich meistens meinen Ältesten. Die meisten Eltern erwarten wahrscheinlich, dass die älteren Geschwister sich zurücknehmen – sie sind doch unsere ‚Großen‘. Wenn sich mein Ältester beschwert oder schlechte Laune hat, dann erwische ich mich selbst oft dabei, wie ich ihm genervte Blicke zuwerfe und ihn ermahne, sich zusammenzureißen. Er ist ja schließlich schon groß, die beiden Kleinen brauchen mich mehr als ein inzwischen Zwölfjähriger.

Ich weiß, dass ich irgendwo Abstriche machen muss. Ich kann nicht auf alle Stimmungen meines Ältesten eingehen, wenn gleichzeitig ein Baby schreit und ein Kleinkind versucht, das Bücherregel hochzuklettern. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch. Trotzdem frage ich mich manchmal am Endes eines langen Tages, ob ich meinem ältesten Sohn noch gerecht werde. Er hat nicht darum gebeten, der Älteste zu sein und trotzdem habe ich stillschweigend so hohe Erwartungen an ihn.

Wenn wir ehrlich sind, dann sind unsere ersten Kinder ein bisschen wie Versuchskaninchen.

Wir müssen das ganze Elternsein schließlich erstmal lernen. Jede Besonderheit des Mamalebens haben wir gemeinsam mit dem ersten Kind zum ersten Mal erlebt. Das erste Lachen, das erste Wort, der erste Tag in der Kita, die ersten schönen und traurigen Momente als Mama… So viele Erfahrungen haben wir mit den älteren Geschwistern zum ersten Mal gemacht, die uns dann bei den jüngeren helfen.

Und inzwischen hilft mir mein Ältester auch ganz aktiv: Er macht einen tollen Job als großer Bruder, er spielt mit seinem kleinen Bruder und hält das Baby, wenn ich einfach mal in Ruhe auf die Toilette möchte. Aus dem winzig kleinen Menschlein, das mich zur Mama gemacht hat, ist inzwischen ein verantwortungsbewusster und selbstständiger Junge geworden. Das macht mich sehr stolz und gleichzeitig bin ich traurig, dass ich ihn nicht besser unterstützen kann, schließlich gibt er mir so viel.

Neulich habe ich deswegen versucht, mit ihm darüber zu sprechen.

Ihm zu sagen, dass er für mich etwas ganz Besonderes ist und ich ihn sehe, auch wenn ich das im Alltag nicht immer zeigen kann. Er hat mich ganz erschrocken angesehen und meinte nur: ‚Mama, das weiß ich doch, ich finde es gut, Geschwister zu haben!‘ Irgendwie hat mir das sehr geholfen. Wenn ich sehe, wie die beiden Kleinen ihren großen Bruder bewundern, dann tröste ich mich seitdem mit dem Gedanken, dass ich meinem Sohn zwar weniger Aufmerksamkeit schenken kann, aber ich dafür zwei neue Menschen in sein Leben gebracht habe, die ihn über alles lieben.

Liebe Jessica, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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