„Ich bin zu jung Mutter geworden.“

Gibt es DAS richtige Alter, um Kinder zu bekommen?

Direkt nach der Schule, nach dem Berufseinstieg, nach dem Studium? Oder lieber, wenn man schon ein bisschen „gelebt“ hat, gereist ist, der Job schon mehr Routine hat und man sich nach einem neuen Lebensabschnitt sehnt?

Ich bin zu jung Mutter geworden“, sagt Heike, inzwischen 46 Jahre alt und Mutter eines 26-jährigen und eines 23-jährigen Sohnes. „Das muss man ganz klar sagen. Als ich mit Philipp schwanger war, hatte ich gerade erst meine Ausbildung beendet, stand gerade erst auf eigenen Beinen und hatte von so vielen Dingen noch keine Ahnung.“

Sie war 20 Jahre alt.

In den Job als Mutter ist Heike dann trotzdem hineingewachsen. „Wenn ich heute manche Mütter sehe, die jetzt in meinem Alter sind und deren Kinder gerade erst zur Schule kommen, fällt mir auf, wie viel weniger Theater ich um meine Jungs gemacht habe. Wenn ich kurz zum Friseur gegangen bin, mussten sie sich halt mal eine Stunde im Wartebereich selbst beschäftigen. Heute klettern die meisten alle zehn Minuten zu Mama auf den Schoß und wollen irgendwas.“

Ihr Mann ist auch nur drei Jahre älter als sie, so dass auch er jung Papa wurde. Als die Jungs in den Kindergarten kamen, fing die junge Mutter deshalb auch schnell wieder an zu arbeiten.

„Mein Mann hat seine eigene Werkstatt, die zum Glück damals schon gut lief. Ich bin deshalb dort eingestiegen und habe dort die Buchhaltung gemacht.“

Das sei ein Punkt, den Heike etwas bereut. „Eigentlich bin ich gelernte Bürokauffrau und mochte meinen Job. Dadurch, dass mein Mann und ich plötzlich Eltern waren, mussten wir natürlich mehr auf das Geld achten und uns gegenseitig unterstützen, wo es nur ging. Manchmal bereue ich es, meinen alten Job aufgegeben zu haben. Das hätte ich sicherlich nicht, wenn ich erst später Mama geworden wäre.“

Heike und ihr Mann sind immer noch ein Paar – und ein glückliches dazu. „Wir haben ganz klar unsere Höhen und Tiefen miteinander durchgemacht, aber uns immer wieder füreinander entschieden. Vielleicht haben wir das auch ein bisschen den Jungs zu verdanken – Kinder verbinden mehr als ein Ring.“

Den Ring hat Heike trotzdem. „Wir haben gleich nach der ersten Schwangerschaft geheiratet. Da waren wir schon knapp fünf Jahre zusammen. So richtig ‘wilden Zeiten‘ habe ich also nie gehabt. So richtig traurig bin ich aber deshalb nicht.“

Inzwischen seien Heikes Kinder ja groß genug, um es auch mal auszuhalten, wenn die Eltern durch die Weltgeschichte reisen, abends ausgehen und Spaß haben.

„Wir haben jetzt nach über zwanzig Jahren endlich die Zeit, die andere Paare haben, bevor sie Kinder kriegen. Ein bisschen einstecken muss man immer, wenn man Kinder bekommt – ganz egal, in welchem Alter man ist.“

Und auf ihre beiden Söhne ist Heike heute richtig stolz.