„Ich habe zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen
Um eines direkt klarzustellen: Ich liebe meine Kinder. Sie sind wild, frech und wirklich wunderbar. Und trotzdem wünschte ich, ich hätte sie nie bekommen. Ich weiß, ihr denkt jetzt, ich bin ,furchtbar`, ,egoistisch`, oder ,undankbar´. Und genau diese Gedanken sind der Grund dafür, dass ich es mir lange Zeit selbst nicht eingestehen konnte und wollte. Dieser Zwiespalt zwischen der Liebe zu meinen Kindern und dem Wunsch, sie nie bekommen zu haben, bricht mir auch heute noch regelmäßig das Herz.
Seit ich denken kann, wurde mir beigebracht, dass ich irgendwann Mutter sein möchte
Ich habe es selbst geglaubt und alle leisen Zweifel beiseite geschoben. Und jetzt sitze ich hier und fühle mich schlecht. Ich fühle mich schlecht, weil ich Kinder habe, die ich rückblickend lieber nicht bekommen hätte. Und gleichzeitig habe ich ein unglaublich schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber. Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich selbst meine Gefühle akzeptieren konnte. Aber sie sind nun einmal da.
Ich habe sehr jung geheiratet und bin sehr jung Mutter geworden. Als die anderen um mich herum mit Anfang 20 feiern gegangen sind und ihr Leben genossen haben, war ich schwanger. Ich bin noch nie im Ausland gewesen. Ich habe meinen Abschluss erst mit über 30 nachgeholt.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht aus dem Fenster schaue und über das ‚Was wäre gewesen, wenn…‘ nachdenke
Ich habe mich viel mit dem Thema Sterilisation beschäftigt, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Frauen oft erzählt wird, sie würden es einiges Tages bereuen, wenn sie keine Kinder bekämen. Frauen ohne Kinderwunsch werden häufig als egoistisch bezeichnet, oft steht sogar die Vermutung im Raum, dass sie unfruchtbar sind.
Wenn eine Frau nicht heiratet und keine Kinder bekommt, taucht früher oder später die Frage auf, was mit ihr nicht stimmt. Findet sie keinen Mann, der es mit ihr aushält? Kann die Arme vielleicht gar keine Kinder bekommen? Tickt nicht bei der Frau die biologische Uhr irgendwann?
Was soll der Quatsch?!
Nicht für jede Frau sind Kinder die Erfüllung
Auch bei meiner Frauenärztin wollte ich mich zum Thema Sterilisation informieren. Und was macht sie? Anstatt mich sachlich darüber aufzuklären, versucht sie, mich davon abzubringen. Sie zählt mir gefühlte 78 andere Verhütungsmethoden auf, die meine Fruchtbarkeit nicht beeinflussen. Und dann – wie sollte es anders sein – erklärt sie mir, dass ich es bestimmt irgendwann bereue, wenn ich keine Kinder bekomme.
Aber wisst ihr, was einem niemand erzählt?
Dass man es auch bereuen kann, WENN man Kinder bekommt. Weil sie einen körperlich, emotional und finanziell wirklich an die Grenzen bringen können. Mit Kindern ist es unglaublich schwer, Geld zu sparen, in den Urlaub zu fahren, Sex mit dem Partner zu haben – und sogar das Einkaufen im Supermarkt wird zur Herausforderung.
Dazu kommt in meinem Fall, dass meine Kinder besondere Bedürfnisse haben, zumindest eines von ihnen. Mein Sohn leidet an ADHS. Meinem Mann geht es leider auch nicht gut, er kämpft mit Depressionen und Panikattacken. Meine Tochter ist ,gesund`, leidet aber natürlich unter den Erkrankungen der anderen.
Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir das letzte Mal in Ruhe einkaufen waren, ohne dass es ein großes Geschrei und jede Menge Tränen gab. Und das ist auf Dauer wirklich anstrengend.
Mein Mann und ich waren seit Ewigkeiten nicht mehr im Kino oder Essen
Wir sind keinen Kaffee trinken gegangen und auch nicht über unsere heißgeliebten Flohmärkte geschlendert. Unser letztes richtiges ,Date` ist tatsächlich inzwischen über 7 Jahre her.
Auf der anderen Seite habe ich unzählige Stunden damit verbracht, am Telefon mit Erziehern und Lehrern meiner Kinder zu sprechen. Und zwar darüber, wie die beiden sich in der Kita bzw. Schule benehmen. Mindestens genauso viele Stunden habe ich bei Ärzten und in der Notaufnahme verbracht, weil es einem von beiden schlecht ging oder die Medikamente meines Sohnes neu eingestellt werden mussten.
Während andere Frauen im Muttersein komplett aufgehen, gehe ich darin unter
Und während ich das hier schreibe, schäme ich mich zutiefst für dieses Gefühl.
,Das ist nur eine Phase`, ,Du braucht mehr Geduld`, ,Sie brauchen nur viel Liebe und Nähe`, ,Es wird besser, wenn sie älter sind` – ich kann es einfach nicht mehr hören.
Noch einmal in aller Deutlichkeit: Ja, ich liebe meine Kinder, sehr sogar. Denn ich bin ihre Mutter und habe sie zur Welt gebracht. Aber wenn ich jetzt die Möglichkeit hätte, die Zeit zurückzudrehen, würde ich sie nicht bekommen.
Und an alle Mütter, denen es ähnlich geht:
Es ist in Ordnung, es zu bereuen, dass ihr Kinder bekommen habt
Niemand hat uns gesagt, dass wir es bereuen könnten. Die Gesellschaft erwartet von uns Frauen, dass wir aufopferungsvoll sind, selbstlos und mütterlich. Wir dürfen nicht einmal an uns selbst denken, immer kommen die Kinder zuerst – und natürlich der Partner.
Es ist dringend an der Zeit, diese Erwartungshaltung zu ändern! Frauen sollten wissen, dass sie auch ohne Kinder glücklich sein können. Partner, Freunde, Karriere, Hobbys, all das kann wirklich erfüllend sein. Und ihr könnt ein glückliches Leben führen – auch wenn ihr euch keine Kinder wünscht.
Kinder sind nicht das einzige große Ziel im Leben einer Frau und auch nicht ihre einzige Erfüllung
Wir können genauso glücklich sein, ohne Mutter zu werden. Also bitte, hört auf, uns das ständig und von allen Seiten einzureden.“
Vielen Dank, liebe Alina, für deine ehrlichen Worte.
Wie denkt ihr darüber: Könnt ihr die Gedanken nachvollziehen, oder geht ihr voll und ganz im Muttersein auf? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren oder diskutiert mit anderen Müttern in unserer Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“
Ich kann das so gut nachvollziehen… Ich wollte nie Mutter werden, Gyn meinte auch immer keine Sterilisation, das ändert sich, blablabla. Aber ich bin schon in der Pubertät psychisch erkrankt (erst „nur“ Sozialphobie, Angststörung und leichte depressive Episoden, aber es wurde immer schlimmer, seit Jahren peile ich eigentlich mein unleben an), dann physisch, arbeitsunfähig, bin dann mit 29 ungeplant/ungewollt schwanger geworden, habe mich für meinen Kleinen entschieden (das bereue ich nicht, nur alles, was zur Schwangerschaft geführt hat), die erste Zeit nach der Geburt war sehr schwer, 9 Wochen Kampf ums Stillen, zu wenig Milch (nicht genug Milchdrüsen), Brustwarzenfehlbildung, alles war ein Kampf, mein Kurzer hatte schlimme Koliken, weil er mit den Stillhütchen viel Luft geschluckt hat, 3 Monate Kampf wegen Koliken, Schreibaby, dazu die normalen Depressionen und Ängste, die Beziehung zu seinem Vater ging dann auch in die Brüche (wenn es jemals eine gab). Jetzt ist er 4 ¾ Jahre alt, ich habe keine berufliche Perspektive, wir „leben“ von ALG II, mein Sohn kennt nur Armut, meine Ektern sind beide ziemlich alt, meine Mutter, die am Anfang eine große Hilfe war (ohne die ich wohl nicht mehr hier wäre), ist vor 2 Jahren schwer erkrankt, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Mein Kind und ich haben keine Beziehung, ich bin schwer depressiv (nicht wegen ihm), möchte am liebsten nur noch weg, aber jetzt habe ich noch die Verantwortung für ein Kind, und es ist alles zuviel, ich werde ihm vorne und hinten nicht gerecht. Es ist alles so scheiße. Ich bin ein bisschen sauer auf meine Gyn, dass sie mir die Sterilisation, die ich seit ich 20 war wollte, verweigert hat. Nicht, dass mein Leben dann besser wäre, aber ich würde nicht noch jemand anderen mit in den Morast ziehen. So eine Schei$e -.-
Danke! Ich bereue es auch zu tiefst und niemand versteht, dass ich meine Tochter trotzdem liebe.
Ich denke mal das 100 % der Mütter bereuen es Mütter zu sein,weil sie keine Richtlinien haben und manchmal spielt in jedem der Gedanke verrückt zu sein,weil die allgemeine Kontrolle fehlt aber in der Ruhe liegt die Kraft und mit Hoffnung wendet sich das Blatt noch
Ich kann das gut verstehen. Ich wollte keine Kinder und wurde mit 30 ungeplant, trotz sicherem Verhütungsmittel, schwanger. Zu diesem Zeitpunkt war ich beruflich erfolgreich in einer Leitungsposition und durch meinen Beruf, dem guten Einkommen und meiner Unabhängigkeit voll erfüllt. Ich habe die Schwangerschaft erst etwas spät bemerkt und musste mich somit schnell entscheiden. Mein Ehemann und meine Familie haben auf mich eingeredet, mein Frauenarzt mir erzählt, dass er keine Frau kennt die es bereut hat ein Kind zu bekommen aber er viele kennt die im Nachhinein die Abtreibung bereuen. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden oder besser gesagt überreden lassen. Trotzdem fing ich an mich auf mein Baby zu freuen. Dann war er da. Ein Schreikind mit extrem hohen Bedürfnissen.
Ich gab über Monate mein Bestes und war rund um die Uhr für mein Kind da. Habe versucht jedes Bedürfnis meines Kindes zu stillen. Meine Leitungsposition habe ich aufgegeben, genauso wie alles in meinem Leben was mich erfüllt hat. Mittlerweile bin ich an einem Punkt wo ich es bereue ein Kind bekommen zu haben. Ich bereue es dass ich mich habe beeinflussen lassen. Mein Ehemann ist mit der Situation total überfordert, denn er hat nicht damit gerechnet das Kinder so anstrengend sind. Familie die mal den Kleinen abnimmt, damit ich einfach mal einen Tag oder ein paar Stunden für mich habe, gibt es nicht. Im Nachhinein bereue ich auch, dass ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe.
Trotzdem liebe ich mein Kind und gebe jeden Tag alles! Jede Frau sollte auf sich und ihre Intuition hören und auf sonst niemanden! Es ist egal was andere oder die Gesellschaft erwarten, denn am Ende muss die Frau mit der Entscheidung leben.