Gemeinschaftskonto: Sinnvoll & fair oder komplett unnötig?

Nach der Hochzeit stellt sie sich früher oder später fast jedem Paar: Die Frage nach einem Gemeinschaftskonto. Während es für einige einfach dazugehört, mit dem Partner auch finanziell alles zu teilen, möchten andere sich dieses letzte Stück Unabhängigkeit bewahren – oder halten ein gemeinsames Konto einfach nicht für notwendig. Allerdings gibt es auch noch eine Zwischenlösung. Und die finde ich super!

„Was, ihr habt gar kein gemeinsames Konto???“

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon gehört habe, seit mein Mann und ich geheiratet haben. In den neun Jahren unserer Beziehung ohne Ehering wurden wir das übrigens nie gefragt, aber das nur am Rande. Es scheint also immer noch fest in den Köpfen verankert zu sein, dass man mit den Hochzeitspapieren quasi auch gleich den Vertrag für ein Gemeinschaftskonto unterschreibt. Dass wir genau das nicht getan haben, hat schon zu diversen Nachfragen und verständnislosen Blicken geführt.

Klar, die Gründe für ein Gemeinschaftskonto liegen auf der Hand:

Man teilt jetzt schließlich sein Leben – warum also nicht auch sein Bankkonto? Schließlich hat man doch keine Geheimnisse voreinander, oder etwa doch? Aber im Ernst: Natürlich ist es häufig so, dass der eine (meistens der Mann) mehr verdient. Und oft arbeitet die andere (meistens die Frau) irgendwann „nur“ noch in Teilzeit, weil sie sich parallel um die Kinderbetreuung kümmert. Da wäre es also nur fair, wenn beide Einkommen auf einem Gemeinschaftskonto landen, von dem man dann alle Ausgaben bezahlt.

Getrennte Konten: Hört die Liebe beim Geld auf?

Dazu kommt, dass man bei zwei getrennten Konten häufig noch vor anderen „Problemen“ steht – jedenfalls, wenn es nach der Meinung der anderen geht. Wer zahlt denn beispielsweise den nächsten Wocheneinkauf? Oder den Kino-Besuch? Die neuen Klamotten für die Kinder? Was ist, wenn der eine Urlaubsgeld bekommt und der andere nicht? Und müsste derjenige, der voll arbeitet, dem anderen nicht eigentlich eine Art „Kinderbetreuungsgeld“ zahlen, damit es fair bleibt?

Ganz ehrlich: Zum Teil kann ich diese Einwände nachvollziehen. Allerdings nur zum Teil. Denn sie klingen für mich ein bisschen danach, als würde die Liebe beim Geld aufhören. Wenn man ständig Angst hat, mehr zu bezahlen als der andere, oder Kontrolle darüber haben möchte, wer wann wieviel ausgibt, dann hat das für mich nicht mehr viel mit einer vertrauensvollen Beziehung zu tun.

Gemeinschaftskonto? Es geht auch anders!

Ihr merkt schon, ich bin vom Thema Gemeinschaftskonto nicht vollständig überzeugt. Das liegt aber auch mit daran, dass es schon fast als selbstverständlich angesehen und vorausgesetzt wird. Früher hat es bestimmt Sinn gemacht, als es noch üblich war, dass der Mann das Geld verdient, während die Frau mit den Kindern zuhause bleibt. Aber die Zeiten haben sich (zum Glück) geändert, und inzwischen verdienen die meisten Frauen ihr „eigenes“ Geld.

Mein Mann und ich haben zu dem Thema glücklicherweise die gleiche Meinung. Und wir haben für uns eine Lösung gefunden, die für beide Seiten perfekt passt. Und ja, dazu gehört auch ein Gemeinschaftskonto – aber eben nicht nur. Zusätzlich hat jeder von uns auch noch sein eigenes Konto.

Das heißt, jeder überweist monatlich einen bestimmten Betrag für Miete, Kitagebühren, Versicherungen und Co. auf das gemeinsame Konto. Davon werden dann unsere monatlichen Fixkosten abgebucht. Da es auch bei uns so ist, dass mein Mann in Vollzeit arbeitet und ich in Teilzeit, haben wir es so aufgeteilt, dass er etwas mehr überweist als ich. Damit hat sich auch die Frage nach der „Fairness“ geklärt.

Zusätzlich hat jeder von uns sein eigenes Konto

Neben unserem Gemeinschaftskonto hat jeder von uns sein eigenes Konto behalten. Davon bezahlt jeder mal den Einkauf, das Kino oder die Besorgungen für die Kinder. Und nein, wir rechnen das nicht genau gegeneinander auf. Wenn der eine mal ein bisschen mehr Geld übrig hat, zahlt er eben das Essen, und umgekehrt. So weiß auch jeder von uns, welche zusätzlichen Dinge er sich in einem Monat leisten kann – oder eben nicht. Wenn es bei einem von uns mal eng wird, schauen wir natürlich trotzdem, wie wir es besser lösen können. Und nein, es hat auch nichts damit zu tun, dass zwei einzelne Konten vielleicht praktischer sind, falls man sich doch mal trennt.

Ich muss es nicht absprechen, wenn ich mir mal etwas gönnen möchte oder umgekehrt. Manchmal bekommt der andere auch gar nichts davon mit – besonders bei Geburts- oder Hochzeitstagen und an Weihnachten extrem praktisch. Dabei geht es mir auch gar nicht darum, etwas vor meinem Mann zu verheimlichen. Und ich habe auch keine Angst, dass er mich mit einem Gemeinschaftskonto „kontrollieren“ könnte. Ich bin der Meinung, in einer Beziehung sollte man sich soweit vertrauen.

Aber ehrlich gesagt genieße ich diese kleine finanzielle Unabhängigkeit. Auch wenn viele das vielleicht nicht verstehen können.

Wie steht ihr denn zu dem Thema: Habt ihr zu Hause ein Gemeinschaftskonto? Haltet ihr eure Finanzen lieber getrennt? Oder habt ihr vielleicht eine ganz andere Lösung? Erzählt doch mal!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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