Geburtstrauma: „Ich wachte ohne Baby auf der Intensivstation auf.”

„Ich möchte die Geschichte der Geburt meines zweiten Kindes erzählen, weil ich sie einfach mal aufschreiben muss, in der Hoffnung damit abschließen zu können.

Im September 2021 hatte ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand und mein Mann und ich freuten uns unglaublich auf unser zweites Wunschkind. Der große Bruder sollte bei der Geburt des Kleinen ungefähr 3 Jahre alt sein und der Zeitpunkt war für uns perfekt.

Die erste Zeit der Schwangerschaft verlief eigentlich recht angenehm.

Ich war sehr optimistisch, dass die Geburt meines zweiten Sohnes besser laufen würde, als die seines Bruders (Einleitung, 48 Stunden Wehen, Geburtsstillstand, Saugglocke, Dammschnitt/-riss 3. Grades, Baby bekam zu wenig Sauerstoff, Intensivstation, usw.). Mir wurde ein Kaiserschnitt empfohlen und ich hatte eine tolle Ärztin gefunden, die diesen durchführen wollte. Alles in allem perfekt und ich freute mich darauf.

Im Januar 2022 hat uns dann leider Corona erwischt, aber auch das haben wir alle ganz gut überstanden. Ende März 2022 haben wir uns dann auch noch alle die echte Grippe, also Influenza B, eingefangen. Ich musste ins Krankenhaus, da ich, und somit auch das Baby, zu wenig Flüssigkeit hatten. Nach ein paar Tagen hatten wir allerdings das Gröbste überstanden und ich dachte, jetzt kann es nur noch besser werden.

Doch nur eine Woche später hatte ich plötzlich unglaublich starke Schmerzen im linken Oberbauch.

Ich wusste sofort, dass irgendwas nicht stimmte und habe sofort meinen Mann gerufen, der die Rettung verständigt hat. Aber die waren leider der Meinung, dass ich vermutlich nur Vorwehen habe. Sie sahen somit keine Notwendigkeit, den Notarzt zu schicken.

Als sie dann bemerkten, dass es definitiv keine Wehen waren und sie sahen, welches Ausmaß meine Schmerzen hatten, bekamen die Sanitäter ziemlichen Stress, mit mir so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu kommen. Die ganze Zeit über wusste ich nicht, ob es meinem Baby gut geht.

Im Krankenhaus wurden wir bereits von der ganzen Gynäkologie empfangen.

Die Gynäkologen konnten allerdings relativ bald ausschließen, dass es irgendetwas mit dem Baby zu tun hat. Mir wurde gesagt, dass es dem Baby bisher gut geht. Ich war so unglaublich froh, wusste aber gleichzeitig, dass es noch nicht ausgestanden war. In der Zwischenzeit haben sich aus fast jedem Fachbereich des Krankenhauses Ärzte eingefunden und es wurde hektisch und laut.

Sie versuchten mit allen Mitteln herauszufinden, woher meine Schmerzen kamen. Das große Problem war, dass die meisten Organe durch die Schwangerschaft verschoben waren und die Ärzte der anderen Fachbereiche damit wenig Erfahrung hatten. Im Nachhinein wurde mir gesagt, dass ich diesen Ärzten mein Leben und das meines Babys verdanke, da sie mir nicht einfach nur was gegen die Schmerzen gaben und abwarteten.

Stattdessen suchten sie unermüdlich nach der Ursache.

Es stellte sich dann heraus, dass ich ein rupturiertes Milzarterien-Aneurysma hatte und ich sehr viel Blut verlor. Ein geplatztes Aneurysma an der Arterie, die die Milz mit Blut versorgt, führte zu einer Blutung im Bauchraum. Ich wurde sofort mit dem Helikopter in die nächste Spezialklinik gebracht, wo schon ein ganzer OP voller Leute auf mich wartete.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass mein Baby noch im Bauch bleiben konnte, da ich ja erst in der 33. SSW war. 2 Minuten bevor ich in Vollnarkose versetzt wurde, wurde mir noch gesagt, dass sie den Kleinen leider holen müssten, er es aber sicher schaffen wird. Ich wurde ein paar Stunden später ohne Milz und ohne Baby auf der Intensivstation wach.

Ich konnte mich nicht mal daran erinnern, dass mein Baby jetzt da war.

Als ich endlich wieder so einigermaßen bei mir war, wurde mir gesagt, dass es dem Kleinen gut geht, ich ihn aber noch nicht sehen darf, da ich immer noch positiv auf das Influenzavirus getestet worden bin. Deswegen durfte ich verständlicherweise nicht auf die Neonatologie. Gott sei Dank war mein Mann die ganze Zeit bei mir und die Neo versorgte mich mit Fotos.

Als ich ihn dann endlich sehen und halten durfte, konnte ich das alles gar nicht fassen. Wieso passiert mir so etwas? Bin ich daran schuld? Ist es meine Schuld, dass dieses kleine Wesen an all den Schläuchen hängt und noch so lange auf der Neo bleiben muss? Er hätte doch die Zeit im Bauch noch so dringend gebraucht.

Natürlich weiß mein Kopf, dass man für ein Aneurysma nichts kann.

Ich weiß, dass ich einfach viel Pech hatte, aber trotzdem war da diese Stimme. Ich musste mich mit so vielen Gefühlen auseinandersetzen – dass ich beinahe gestorben wäre, das plötzliche Ende meiner Schwangerschaft, die Geburt, die wieder ein Trauma war. Mein Baby lag wieder auf der Neo und ich war wieder mal die Mama ohne Baby im Zimmer.

Ich bin unglaublich dankbar, dass wir das alles überlebt haben und ich schätze seitdem jede einzelne Sekunde mit meinen Kindern und meiner Familie so sehr.

Trotzdem habe ich ständig diese Stimme im Hinterkopf, die fragt: Warum ich?

Warum durfte mein Baby nicht normal ins Leben starten? Warum durfte ich keine einzige positive Erinnerung aus zwei Geburten mitnehmen? Warum durfte ich nie den ersten Moment mit einem meiner Söhne genießen?

Ich weiß, dass ich darauf nie eine Antwort bekommen werde, aber ich hoffe, dass ich irgendwann meinen Frieden damit machen kann.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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