Familienplanung beendet: Vasektomie statt Pille und Co

Mal ehrlich: Habt ihr auch das Gefühl, dass Verhütung häufig immer noch Frauensache ist? Auch wenn ihr euch einig seid, dass eure Familie komplett ist, sind es doch meistens wir Frauen, die sich darum kümmern. Dabei gibt es eine einfache Möglichkeit, um sicher zu verhüten, wenn die Familienplanung beendet ist – eine Vasektomie.

Wie die Sterilisation beim Mann abläuft, was sie kostet und ob man sie rückgängig machen kann, lest ihr hier:

1. Vasektomie – die Sterilisation beim Mann

Verhütung ist Frauensache? Das war vielleicht früher einmal so, gilt aber zum Glück schon lange nicht mehr. Trotzdem sieht es in der Praxis häufig so aus, dass der Großteil an uns Frauen hängenbleibt. Viele von uns haben klaglos jahrelang die Pille geschluckt. Aber Hormone sind keine Smarties, sie haben Nebenwirkungen – von Kopfweh bis zum erhöhten Thromboserisiko.

Wenn ihr als Familie glücklich seid und euch vollständig fühlt, ist eine sichere Verhütungsmethode gefragt. Und genau hier kommt die Vasektomie ins Spiel. Anders als bei der Frau ist die Sterilisation beim Mann nur ein kleiner und vor allem einmaliger Routineeingriff. Eigentlich so viel praktischer, preiswerter und vor allem unkomplizierter, als sich jahrelang Gedanken um die Verhütung zu machen. Mit einer Vasektomie ist das Thema ein für alle Mal vom Tisch.

2. Familienplanung beendet: Diese Vorteile hat eine Vasektomie

Wenn ihr euch beide sicher seid, dass die Familienplanung beendet ist, hat eine Vasektomie einige Vorteile:

  • Die Sterilisation des Mannes ist mit einem Pearl-Index von 0,1 eine sehr sichere Verhütungsmethode (zum Vergleich: Der Pearl-Index der Pille liegt bei 0,1 bis 09,9)
  • Im Gegensatz zur Pille hat eine Vasektomie in den meisten Fällen so gut wie keine Nebenwirkungen
  • Der Eingriff ist relativ kurz und schmerzlos und deutlich unkomplizierter als die Sterilisation der Frau
  • Lustempfinden, Orgasmus und Ejakulation werden nicht beeinträchtigt
  • Auch wenn eine Vasektomie nicht günstig ist: Denkt daran, dass ihr ab sofort die Kosten für Verhütungsmittel spart. Das rechnet sich meistens schon nach relativ kurzer Zeit

3. Wie läuft eine Vasektomie ab?

Klar, Männer sind sehr sensibel, wenn es um ihr bestes Stück geht. Verständlich. Aber vielleicht können diese Fakten ihn (und euch) beruhigen:

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Die OP dauert meist nicht länger als 15 bis 30 Minuten. Es gibt zwei Möglichkeiten für den Eingriff, der in der Regel ohne Vollnarkose vorgenommen wird. In beiden Fällen sorgt der Eingriff dafür, dass keine Samenzellen mehr in das Ejakulat gelangen. Potenz und Lustempfinden bleiben gleich.

Vasektomie mit Skalpell

Bei der Vasektomie mit Skalpell setzt der Arzt einen Schnitt und holt durch die kleine Öffnung den Samenleiter hervor. Diesen klemmt er an zwei Stellen ab. Der abgeklemmte Teil wird abgeschnitten. Nachdem er die Enden verödet und den Samenleiter mit einer Fadenschlinge verknotet hat, schiebt der Arzt den Samenleiter zurück und näht die Öffnung darüber wieder zu.

Vasektomie ohne Skalpell

Eine andere Möglichkeit ist es, die Vasektomie ohne Skalpell durchzuführen. In diesem Fall spreizt der Arzt die Haut des Hodensacks und die Samenstranghüllen und ritzt sie ein. Sobald er die Samenleiter erreichen kann, zieht er sie etwas heraus und durchtrennt sie. Auch hier werden die Enden verödet und anschließend in unterschiedliche Gewebeschichten zurückverlegt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen können.

4. Verursacht eine Vasektomie Schmerzen?

In den meisten Fällen treten bei einer Vasektomie keine starken Schmerzen auf. Gerade mal ein bis zwei Prozent der Männer klagen über (vorübergehende) Nebenwirkungen wie ein Druckgefühl, Blutergüsse oder eine Wundinfektion.

Bei einigen Männern kommt es allerdings zum so genannten „Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom“. So werden chronische Schmerzen bezeichnet, die im Bereich der Hoden auftreten. Woher sie kommen, ist bis heute nicht genau geklärt. Es gibt die Vermutung, dass ein fehlender Druckausgleich in den Hoden die Ursache sein könnte. Diese Nebenwirkungen bzw. Spätfolgen sind allerdings wirklich selten.

5. Familienplanung beendet: Wie sicher ist eine Vasektomie?

Wenn eure Familienplanung beendet ist, wollt ihr natürlich wissen, wie sicher die Sterilisation beim Mann ist. Der Pearl-Index einer Vasektomie liegt bei 0,1. Das heißt, von 1.000 Paaren, die Sex haben und bei denen der Mann sterilisiert ist, wird pro Jahr eine Frau trotzdem schwanger. Mit diesem Wert ist die Vasektomie eine der sichersten Verhütungsmethoden, die es gibt. Bei der Pille liegt dieser Wert je nach Art zum Beispiel bei 0,1 bis 0,9.

6. Was kostet eine Vasektomie und wer zahlt?

Die Kosten für eine Vasektomie liegen etwa zwischen 300 bis 500 Euro. In der Regel muss der Mann sie Sterilisation selbst bezahlen, weil es sich um eine Maßnahme zur Empfängnisverhütung handelt. In Ausnahmefällen übernimmt aber auch die Krankenkasse die Kosten. Zum Beispiel, wenn eine Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht schwanger werden darf, eine Sterilisation aber nicht möglich ist. In jedem Fall ist ein ärztliches Gutachten notwendig, damit die Krankenkasse die Vasektomie bezahlt.

7. Wie lange müssen wir nach einer Vasektomie noch verhüten?

Nach einer Sterilisation solltet ihr trotzdem nicht sofort auf andere Verhütungsmittel verzichten. Denn das Ejakulat kann noch bis zu 12 Wochen lang Spermien enthalten. Deshalb gilt: Wenn die Familienplanung beendet ist, und ihr euch deshalb für eine Vasektomie entschieden habt, solltet ihr nach der Vasektomie auf jeden Fall noch drei Monate lang weiter verhüten.

Nach dieser Zeit prüft der Arzt noch einmal, ob die Samenflüssigkeit noch Spermien enthält oder nicht. Außerdem kontrolliert er, ob die Samenleiter auch wirklich nicht wieder zusammengewachsen sind. Wenn der Arzt sein Okay gibt, könnt ihr in Zukunft auf andere Verhütungsmittel verzichten.

8. Familienplanung doch nicht beendet – Vasektomie rückgängig machen?

Falls nach der Vasektomie unerwartet Reue aufkommt, und ihr euch doch noch ein Baby wünscht, gibt es eine gute Nachricht: Der Eingriff lässt sich in den meisten Fällen nämlich wieder rückgängig machen. Die sogenannte Refertilisation klappt in 85 bis 95 Prozent der Fälle. Der Erfolg hängt allerdings auch davon ab, wie lange die Sterilisation schon her ist. Für die meisten hat der Eingriff also nur eine Nebenwirkung: endlich entspannten Sex für beide.

9. Vasektomie – so hat ein Mann die Sterilisation erlebt

Falls euch Fakten zu trocken sind, hört zu, wie dieser Papa von seiner Vasektomie berichtet: „Ich habe mich rasiert, einen Arzt und zwei Schwestern auf meinen nackten Unterkörper schauen lassen und Valium genommen. Danach bin ich nach Hause gegangen, habe mir Eis in den Schoß gelegt und ein paar Tage Netflix geschaut“, berichtet Clint Edwards auf der Seite „Scary Mommy“. Schmerzen habe er keine gehabt. Verglichen zum Beispiel mit dem Kaiserschnitt seiner Frau sei es nichts gewesen. „Es ist das mindeste, das wir tun können.“

Jana Seidel

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Kommentare

  1. Danke für die gute Erklärung, wie eine Vasektomie eigentlich funktioniert. Gut zu wissen, dass der Eingriff so unkompliziert ist. Die Nebenwirkungen sind ja ebenfalls marginal. Eine gut Idee der Verhütung, wenn man sowieso keine Kinder mehr zeugen möchte.

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