„Das erste Jahr mit 2 kleinen Kindern war die Hölle“

Das Leben mit zwei kleinen Kindern ist vor allem eins: unglaublich anstrengend. Das ist für die meisten von uns erst einmal wenig überraschend. Aber wie es sich wirklich anfühlt, wenn neben dem großen Kind plötzlich auch noch ein Baby da ist, das wissen wir erst, wenn wir es selbst erleben. Was sich für uns Mamas durch die Geburt eines zweiten Kindes ändert, und warum es manchmal einfach unglaublich schwer ist – hat eine Zweifach-Mama uns erzählt:

So viele Mamas haben 2 Kinder – da werde ich das wohl auch hinkriegen

Ich liebe meine Kinder wirklich. Sehr sogar. Aber wenn ich an das erste Jahr mit beiden zurückdenke, muss ich ehrlich sagen: Ich bin noch nie so deutlich an meine Grenzen gestoßen.

Für mich als Einzelkind war immer klar, dass ich mindestens zwei Kinder möchte. Weil ich weiß, wie oft ich mir selbst einen Bruder oder eine Schwester gewünscht habe. Gedanken habe ich mir darüber vorher keine gemacht. Schließlich haben so viele Mamas zwei oder mehr Kinder, da werde ich das wohl auch hinkriegen.

Als meine Tochter dann da war, dauerte es etwa 2,5 Jahre, bis ihr kleiner Bruder zur Welt kam. Die Freude bei mir, meinem Mann und der stolzen großen Schwester war riesig. Nie im Leben hätte ich gedacht, wie schlimm die nächsten Monate werden würden.

Beim zweiten Baby ist alles anders

Das stimmt eigentlich nicht ganz. Denn im Prinzip ist alles wie beim ersten: Man bekommt nicht genug Schlaf, kann nicht mehr im Ruhe duschen, verbringt den größten Teil des Tages im Schlabberlook und fällt spätestens um 21 Uhr völlig erschöpft ins Bett:

Der Unterschied: Jetzt ist auch noch das große Kind da, das Mamas Aufmerksamkeit möchte. Natürlich möchte es das! Heißt aber auch: Wenn das Baby endlich schläft, kann Mama sich eben nicht ausruhen. Auch länger schlafen, geht nicht wirklich, denn die Große muss ich die Kita. Allein aufs Klo geht man schon lange nicht mehr, denn „Mamaaaa, ich will mit!“. Während man beim ersten Kind viel Zeit zum Kuscheln und Schmusen hatte, kehrt mit dem zweiten eine Art Grund-Hektik ein.

Ich habe um die Zeit mit meiner Großen geweint

Meine Tochter hatte bis zur Geburt die volle Aufmerksamkeit von Mama und Papa. Und zwar allein. Plötzlich musste sie uns mit ihrem kleinen Bruder teilen. Und besonders am Anfang (zu) oft zurückstecken. Sie hat das wirklich toll gemeistert – mich hat es fertig gemacht.

Ich habe es schrecklich vermisst, ihr in Ruhe etwas vorzulesen und einfach zu spielen. Ohne dass ich sagen muss „Warte kurz, das Baby hat Hunger“. Sie abends ins Bett zu bringen und mit ihr zu kuscheln, bis sie in meinem Arm eingeschlafen ist. Stattdessen hat der Papa das übernommen, weil ich parallel das Baby in den Schlaf gestillt habe. Ich habe die Zeit vermisst, die ich früher nur mit meiner Tochter verbracht habe. Irgendwann saß ich spät abends an ihrem Bett, habe sie dabei beobachtet, wie sie friedlich schlief – und furchtbar angefangen, zu weinen.

Mir fehlte die typische Babyzeit

Auf der anderen Seite hätte ich mir mit meinem Baby die gleiche Elternzeit gewünscht, die ich mit meiner Großen hatte. Ohne viele Termine. Einfach morgens länger im Bett liegen bleiben, wenn die Nacht furchtbar kurz war. Leider nicht möglich, wenn das große Kind ein Frühaufsteher ist oder in die Kita muss. Sich nachmittags an das schlafende Baby kuscheln und sich auch ein bisschen ausruhen. Oder einfach zuhause bleiben und entspannt mit dem Baby auf der Decke spielen.

Während ich bei meiner Großen die Babyzeit sehr bewusst genossen habe, lief beim kleinen Bruder gefühlt alles nebenbei mit. Fast immer musste einer von beiden warten oder zurückstecken. Ich weiß nicht, wie oft ich abends heulend im Bett lag, weil ich dachte, dass ich es einfach nicht schaffe. Denn obwohl mich wirklich angestrengt habe, beiden gerecht zu werden – irgendetwas ist immer auf der Strecke geblieben.

Der Stress war fast zu viel für unsere Ehe

Sehr oft war das die Zeit, die ich zwischendurch so dringend mal für mich gebraucht hätte. Und viel zu oft die Zeit, die mein Mann und ich gemeinsam gebraucht hätten. Als Paar haben wir im ersten Jahr so gut wie nicht mehr existiert. Stattdessen waren wir beide dauermüde, gestresst und unglaublich gereizt. Die Mischung aus Schlafmangel, Babygeschrei, trotzigem Kleinkind und Alltagsstress hat unserer Ehe wirklich zugesetzt. Und das haben letztendlich natürlich (leider) auch die Kinder gemerkt.

Das erste Jahr war wirklich schlimm, aber…

Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass das erste Jahr mit zwei kleinen Kindern so schlimm wird – ich hätte es vermutlich nicht geglaubt. Aber auch, wenn mich die Zeit mit Baby und Kleinkind an meine Grenzen gebracht hat, und eine echte Belastungsprobe für unsere Familie war, bereue ich nichts.

Die Entscheidung für ein zweites Kind war trotz allem die Beste, die wir treffen konnten. Für nichts in der Welt würde ich auf eines meiner Kinder verzichten wollen. Und wenn ich sehe, wie die beiden sich schon jetzt umeinander kümmern, auf den anderen aufpassen und manchmal auch einfach nur kuscheln, war es auch für unsere Große genau die richtige Entscheidung.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für SEO und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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14 Comments
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Sabine
Sabine
Antworten  Peter
6 Monate zuvor

Ganz tolle Antwort. Schlimm wie Mütter anderen Müttern noch mehr Druck machen. Der reicht wirklich so schon. Und das Kinder in dem Alter sich ewig alleine beschäftigen und den Schlafrhythmus anpassen halte ich auch für einen großen Witz. Es mag Ausnahmen geben aber das kann höchstens mit großer Schreierei und aufgeben der Kinder einhergehen. Es ist ok, zuzugeben wie stressig es mit den Kleinen ist. Missen möchte man sie deswegen ja trotzdem nicht

Lisa
Lisa
Antworten  Stephie
7 Monate zuvor

Da hat Peter recht. Ich kann nach 2,5 Jahren schon gar nicht mehr genau sagen, wann was bei meinem Kind stattgefunden hat. Die großen Meilensteine schon aber nicht auf den Tag genau, ob er mit 6,5 oder 7,5 Monaten gesessen ist, keine Ahnung! Seit ich das gemerkt habe, lasse ich mir von Frauen im Alter meiner Mutter überhaupt nichts mehr sagen. Nach 30 Jahren haben sie sich da einiges dazugereimt. Immer dieser Druck, den keiner braucht. Das erste Jahr mit unserem Großen war hart und auch sehr schön. Bald sind sie zu 2. Ich habe großen Respekt davor, aber aus Erfahrung weiß ich noch, irgendwann wirds besser! 😉

Anna
Anna
Antworten  Sonja
1 Jahr zuvor

Meine Kinder sind jetzt 4,5 Jahre und 7,5 Monate.
Und ich bin auch immer wieder mal am Ende.
Manchmal will ich echt, alle Sachen packen und weg.
Einfach mal Zeit für mich haben und an nichts denken müssen…

Stephie
Stephie
Antworten  Peter
1 Jahr zuvor

Danke Peter. Gott sei Dank sagt es ihr jemand. Ich bin nämlich mit Baby und Kleinkind auch am Limit. Dabei ist der kleine Pflegeleicht. Aber Kleinkinder brauchen 14 Stunden am Tag 7 Tage die Woche Mama oder Papa oder beide und Action mit Drama!!! Und Hunger, Pipi, Kaka.
Ein 10jähriges Kind kann alles wenn man als Elternteil nicht versagt hat.

Peter
Peter
Antworten  Sonja
1 Jahr zuvor

Selten so einen Stuss gehört. Glaube nach 10- 12 Jahren verklärt man die Realität. Schlafrhythmus vom Baby anpassen? Baby soll bei allem dabei sein?
Hä? Wenn die 3 jährige Auslauf und Action Brauch kann ein 10 Wochen altes Baby nicht gleichzeitig super easy und entspannt chillen.

Willst du hier allen die Probleme haben noch mehr unter Druck setzen. Die Mütter sind schon am Limit und dann kommen noch so Kommentare um sich richtig nutzlos zu fühlen.

Anonym
Anonym
Antworten  Mitleser
1 Jahr zuvor

Das stimmt!!!

Mitleser
Mitleser
Antworten  Sonja
1 Jahr zuvor

Herzlichen Glückwunsch. Klappt nur nicht mit jedem Kind. Jeder Mensch ist anders uns so auch jedes Kind.

Mayra
Mayra
1 Jahr zuvor

Danke! Das beschreibt haargenau mich und meine Familie.

Sonja
Sonja
2 Jahre zuvor

Ich habe mein zweites Kind gar nicht als grössere Belastung empfunden… Im Gegenteil, da ich ja mit dem ersten Erfahrung sammeln konnte…
Aber ich hab auch für das erste nicht mein Leben total umgekrempelt! Meine Kinder durften mit mir mitmachen, was ich gerade am erledigen war (zB kochen, putzen, Gartenarbeit, etc…) oder durften für sich spielen, wenn ihnen das lieber war… und wenn ich eine Geschichte vorgelesen habe, waren einfach beide dabei anstatt nur eines… Schlafmangel hatte ich auch keinen, hab einfach das Schlafverhalten des Babys am älteren Kind ausgerichtet… (Das hat natürlich nicht am ersten Tag geklappt, aber so nach6-8 Wochen) Babies sind super anpassungsfähig, ihr Schlafverhalten ist mit Geduld sehr gut an die Bedürfnisse der restlichen Familie anpassbar… Also das war meine Erfahrung und das an der Brust in den Schlaf wiegen, habe ich von Anfang an nicht gefördert… Sonst wär mir mein erster wohl nur an der Brust gehangen… Stillen und kuscheln habe ich voneinander getrennt, das hat für mich so super gepasst und für die Babys passts eh auch, wenn es der Mutter gut geht…
Ich hab gemerkt, dass ich eine schlechte Mutter war, wenn ich unter Schlafmangel litt, so habe ich alles so eingerichtet, dass ich zu genug Schlaf kam… Der Rest ergab sich dann irgendwie von selber ☺️Es war ein wahrer Genuss, als die beiden klein waren… Jetzt sind sie 10 und 12 und anstrengender 😂 Aber immer noch super und immer noch 2 Kuschelbären (eigentlich vor allem einer 😉) Und sie können kochen, gärtnern und sich mit sich alleine beschäftigen…

Alexandra Burkhard
Alexandra Burkhard
2 Jahre zuvor

Und woran liegt es? Weil unsere moderne Gesellschaft Mütter üver Jahrzehnte zur Einzelkämpferin gemacht hat. Aus der Großfamilie mit mehreren zuhause zusammenarbeitenden Frauen wurde die Kleinfamilie mit maschineller Unterstützung. Aber meine Waschmaschine kann nunmal nicht beim Waschen nebenher den großen Kindern eine Geschichte erzählen. Bei unseren Müttern gab es noch die nicht berufstätigen Omas der Kinder die wenigstens Nachmittags vorbei kamen. Aber unsere Mütter machen doch auch Vollzeitjobs.
Nichts gegen weibliche Berufstätigkeit aber wo bleibt zum Ausgleich die männliche Familienarbeit? Wie kann es sein dass eine Person alleine eine Aufgabe meistern soll die früher mindestens 2 bis 5 gemacht haben und von deren Erfolg ein oder mehrere Menschenleben abhängen?

Anonym
Anonym
2 Jahre zuvor

Ohja, das kenne ich. Morgens um 4 Uhr endlich das Baby zum schlafen bekommen und um 5 steht die „Große“ da und ist wach (möchte spielen, essen, kuscheln,…). Schlafmangel ist Folter. Und ich hätte nicht gedacht dass man über so viele Monate mit durchschnittlich 2 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen kann (von meiner Gedächtnis- und Gehirnleistung in der Zeit sprechen wir besser nicht…)

Anonym
Anonym
2 Jahre zuvor

Danke!!!
Wie bei uns…

Anonym
Anonym
2 Jahre zuvor

Das spricht mir aus der Seele – danke!

A.J.
A.J.
3 Jahre zuvor

Danke! Dafür, dass ich nicht allein bin.