„Große Liebe und große Erschöpfung“: Brief an eine Mama mit Baby und Kleinkind

Hey, Mama, hallo du!

Ja, sorry, ich weiß, du hast keine Zeit. Ich sehe, du schiebst den Buggy mit Kleinkind und schleppst das Baby im Tuch. Beide sind wach und verlangen deine ganze Aufmerksamkeit. Du hast gerade wirklich nicht den Kopf für irgendetwas anderes. Deshalb schreibe ich es dir hier.

Ich schreibe dir, weil ich sehe, wie sehr dich die Kinder einnehmen. Wie sie dein ganzes Leben ausfüllen. Es zu einem so wunderbaren und gleichzeitig wahnsinnig anstrengendem Leben machen. Hast du heute schon etwas in Ruhe gegessen? Ich befürchte, nein. Wahrscheinlich war es ein schnelles Brot zwischen der ersten und der zweiten Morgen-Windel (denn sie machen ihr großes Geschäft IMMER in die frische Windel, die du ihnen nach dem Aufstehen angezogen hast).

Oder waren es die Reste vom Müsli des großen Kindes? Das beschlossen hatte, keinen Hunger mehr zu haben, genau in dem Moment als das Baby unbedingt an die Brust wollte? Wie auch immer, du hast keine Zeit, dir Gedanke über deine eigene Ernährung zu machen. Du bist froh, wenn beide Kinder mal gleichzeitig satt sind. Und bestenfalls auch noch gut gelaunt.

Du kannst dir im Moment noch nicht vorstellen, dass die beiden einmal die besten Spiel-Partner werden. Dass sie zu zweit und ohne dich im Kinderzimmer spielen werden. Viele – und für dich – kostbare Minuten lang. Dass sie beide große Freude an den gleichen Spielsachen haben werden, weil sie kaum zwei Jahre Altersunterschied haben. Sie werden sich auch bitter streiten, aber das können sie dann auch. Sie werden schnell ein Team. Ein Geschwister-Team, das zusammenhält und sich liebt. Oft brauchen sie keine anderen Kinder um sich, weil sie sich haben.

Das ist aber noch weit weg, Mama. Im Moment versuchst du nur, im Supermarkt nicht die Beherrschung zu verlieren, während das Baby schreit und das Kind nach Süßigkeiten bettelt (und vermutlich kurz davor ist, ebenfalls zu schreien). Ich kann nicht sehen, wie es in dir aussieht, aber ich vermute, es herrscht Chaos. Du schwankst ständig zwischen der großen Liebe und der großen Erschöpfung.

Solche harmonischen Momente sind selten – es wird sie aber immer häufiger geben. Foto: Bigstock

Du wünscht dir, dem Baby die Aufmerksamkeit schenken zu können, wie sie das große Kind auch als Baby bekam. Du wünscht dir, mehr Bücher mit dem großen Kind lesen zu können, mehr Lego-Türme zu bauen. Du wünscht dir nur einmal, bitte nur einmal, ein ruhiges Abendessen ohne Geschrei, Gemecker und falsch herum liegenden Wurst-Broten auf dem Tisch.

Gleichzeitig ist dein größter Wunsch Wirklichkeit. Du hast die Kinder, die du und dein Partner immer wollten. Jetzt seid ihr Eltern. Und gerade weit weg von der Partnerschaft, die ihr mal geführt habt. Weil die Nächte jetzt durchzogen sind von quengelnden Kindern, Familienbett-Gedrängel und gereizten Erwachsenen. Aber auch das wird besser, glaub mir. (Sorry, Mama, ich weiß, dass du den Satz nicht mehr hören kannst).

Du bist den ganzen Tag alleine mit den Kindern. Ihr geht gemeinsam einkaufen, Oma besuchen und auf den Spielplatz. Du schwitzt mit dem Baby in der Trage, du unterdrückst die Wut auf verständnislose Schwiegereltern und du schlichtest gefühlt 27 mal einen Streit um die Sandschaufel. Aber du gibst deinen Kindern die ganze Zeit das beste Gefühl, das sie haben können: Ihr größtes Glück ist nämlich die Zeit, die sie mit dir, ihrer Mama, haben.

Zeit, die zumindest das große Kind auch schon deutlich eifersüchtig nur für sich beanspruchen möchte. Du schwankst wieder, jetzt zwischen beiden Kindern. Verteilst du deine Liebe gerecht? Gibst du wirklich beiden das, was sie benötigen? Warum fühlt das große Kind sich ungerecht behandelt? Und fühlt das Baby etwa auch so? Solche Gedanken müssen sein. Sie zeigen dir nämlich, dass du alles richtig machst. Dass du dich permanent in die Köpfchen deiner Kinder versetzt, um ihnen das Leben so schön wie möglich zu machen.

All das macht müde. So unglaublich, unbeschreibbar müde. So müde, dass du manchmal Abends zu erschöpft bist, um vom Sofa ins Bett zu gehen. So müde, dass du die Wäsche zwei Tage lang in der Waschmaschine vergisst und die Antwort-SMS an deine beste Freundin seit einer Woche nicht geschrieben hast. Sei’s drum. Diese ersten Jahre sind einfach verdammt hart. Wäsche, Freunde und so vieles andere haben da nicht immer Platz.

Zum Glück hast du aber kaum Zeit darüber nachzudenken. Denn dein Kopf gehört gerade nur deinen beiden Kindern. Die es dir jeden Tag mit ihrer Liebe danken.

Das wollte ich dir einfach mal schreiben, Mama.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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