Dir gefällt ein Babyname nicht? Einfach die Klappe halten!

Jedes Mal, wenn im Freundeskreis ein Baby geboren wird, wappne ich mich für den Moment, in dem der Name angekündigt wird. Ich will nämlich auf gar keinen Fall, dass mir die Gesichtszüge entgleisen, sollte der Junge etwa Kevin-Luke-Skywalker heißen. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Außerdem:

Jeder Name wird von irgendjemandem doof gefunden

Deshalb lächele ich einfach freundlich, wenn ich einen neuen Namen erfahre. Zum Beispiel als eine KiTa-Mama mir mitteilte, dass ihr zweites Kind „Laika“ heißen würde. Ich selbst denke dabei sofort an den ersten Weltraumhund, der an Bord des Raumschiffs elendig verreckt ist – aber vielleicht hat die andere ja eine innig geliebte Großmutter vor Augen?

Klar, gibt es auch Namen, bei denen man selbst ahnt, dass die Kinder es damit nicht leicht haben werden. Michelle und Maurice werden es womöglich in der Schule mal schwerer haben als etwa Maximilian und Louise. Trotzdem sollte man sich einen Kommentar verkneifen, weil es einen schlicht nichts angeht, wie andere ihre Kinder nennen. Außerdem werden auch Maximilan und Louise garantiert immer wieder in nervige Schubladen gesteckt – in die der Streber-Schnöselkinder etwa.

Es ist schon krass, was für genaue Vorstellungen wir uns von Menschen nur anhand ihres Namens machen. Damit beschäftigt sich eine spannende Langzeitstudie der Uni Leipzig. So wird zum Beispiel eine Elisabeth als sehr zuverlässig und intelligent eingeschätzt, dafür aber wenig attraktiv? Du hast auch einen vermeintlich weniger attraktiven Namen? Egal. Die Wahrnehmung eines Namens kann sich ratzfatz ändern. Zum Beispiel fand ich den Namen Alexa immer wunderschön, und plötzlich müssen einem alle Mädels leid tun, die so heißen.

Okay, manche Namen gehen vielleicht doch nicht

Wie ein Name wirkt, hängt außerdem auch immer von der Umgebung und dem Kulturkreis ab. Ich heiße mit zweitem Vornamen „Evita“ und muss immer wieder erklären, dass ich nicht nach einer Musical-Nacht gezeugt wurde, sondern mein Vater in Argentinien aufgewachsen ist. Dort hätte sich vermutlich kaum jemand über den Namen gewundert. Inzwischen unterschlage ich ihn allerdings meistens sowieso, weil es eigentlich auch nicht richtig cool ist, dass ich nach der Frau eines Diktators benannt wurde – selbst wenn sie dort bei vielen sehr beliebt war.

In anderen Ländern wiederum sind hier beliebte Vornamen möglicherweise sogar verboten. Hierzulande lassen Standesbeamte die meisten Namen durchgehen, fragen aber im Sinne des Kindeswohls manchmal kritisch nach. Ich selbst würde wohl Eltern, die ihr Kind Adolf nennen, erst einmal von der Liste potenzieller neuer Freunde streichen. Verboten ist der Name nicht. Genauso wenig wie Blücherine, Winnetou oder Pepsi-Carola. Immerhin sind Satan, Bierstübl und Borussia bei den Standesämtern nicht durchgegangen. Auch wenn Namen Geschmackssache sind, sind manche dann halt doch eine Garantie für ein hartes Leben.

„Ey, dein Kind heißt ja wie ein Killer!“

Wir haben unseren Sohn einen Namen gegeben, der altbewährt ist, damals aber nicht so häufig zu hören war. Wir fanden ihn süß und irgendwie auch ziemlich originell, nur um festzustellen, dass er ein paar Jahre später auf dem Spielplatz so oft zu hören war, dass ich dauernd hochschreckte.

Als wir den Namen kundtaten, konnten sich aber längst nicht alle darauf einigen. „Oh Gott, der Mörder von dem Model hieß doch auch so!“ „Echt jetzt – so heißt doch auch der peinliche Politiker, der…“. Außerdem fiel jemandem noch eine Romanfigur mit sehr unangenehmen Eigenschaften ein, einem weiteren ein ähnlich fragwürdiger Muppet-Charakter. Keine der Assoziationen wäre mir selbst gekommen. In den hormongefluteten Wochen direkt nach der Geburt war ich leider sensibel genug, mir die Kritik am Namen schwer zu Herzen zu nehmen. Hatten wir das Leben unseres Kindes versaut? Dabei lässt sich doch zu jedem Namen ein Killer finden. Oder eine Romanfigur, die weniger sympathisch ist. Doch man würde auch auf sehr viele nette Menschen stoßen, die genauso heißen, weil Namen am Ende viel weniger aussagen, als wir in unserer Voreingenommenheit annehmen.

Deshalb eine Bitte an alle, die gerne ungefragt ihre Meinung raushauen: Falls euch ein Name nicht gefällt, haltet einfach die Klappe. Wenn ihr überhaupt etwas bewirkt, dann, dass die Eltern sich für einen Moment unwohl fühlen. Warum solltet ihr das wollen? In dem Moment, in dem ihr den Namen erfahrt, ist der Drops meist eh schon gelutscht. Ihr werdet das Kind nicht mehr vor einem „grausamen“ Schicksal bewahren, also könnt ihr eure Meinung auch gleich für euch behalten.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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