Corona-Studien: Sind Kinder nun ansteckend oder nicht?

Aufatmen bei vielen Eltern: Nach all den Wochen, in denen wir unsere Kinder zuhause betreuen mussten, fahren viele Kitas ihren Betrieb wieder hoch. Und zwar schneller als geplant. Grund dafür ist zum einen, dass es immer weniger Neuinfektionen mit dem Coronavirus gibt. Zum anderen deuten die Ergebnisse verschiedener Corona-Studien darauf hin, dass Kinder scheinbar weniger ansteckend und auch seltener von Covid-19 betroffen sind. Eine frühere Studie hatte allerdings das Gegenteil herausgefunden. Aber was stimmt denn jetzt? Wie ansteckend sind unsere Kinder wirklich? Wir fassen den aktuellen Stand für euch zusammen.

1. Corona-Studien sollen klären: Wie ansteckend sind Kinder?

Sachsen hat seine Kitas Mitte Mai schon für alle Kinder wieder geöffnet. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Hessen wollen früher als geplant zum eingeschränkten Regelbetrieb übergehen oder zumindest die Notbetreuung weiter ausweiten. Ein Grund dafür ist, dass sich immer weniger Menschen mit Corona infizieren und auch der so genannte R-Wert seit längerer Zeit unter 1 liegt. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Durchschnitt weniger als eine andere Person mit dem Virus ansteckt.

Dazu kommt, dass auch die bisherige Ausweitung der Notbetreuung nicht zu einem Anstieg der Neuinfektionen geführt hat. Das gleiche gilt übrigens für Länder wie Dänemark oder Norwegen, in denen die Kitas vor einigen Wochen komplett wieder geöffnet wurden.

Außerdem laufen aktuell viele Studien zu der Frage, ob Corona Kinder genauso oft betrifft wie Erwachsene – und wie ansteckend sie sind. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es leider noch nicht. Denn die Ergebnisse fallen von Studie zu Studie unterschiedlich aus.

2. Diese Corona-Studien zeigen: Kinder sind nicht besonders ansteckend

Auf der einen Seite gibt es sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern einige Studien, die belegen, dass Corona Kinder scheinbar nicht so häufig betrifft und sie auch nicht besonders ansteckend sind. Die wichtigsten Ergebnisse dazu findest du hier:

Corona-Studie aus Baden-Württemberg: Sind Kleinkinder immun?

Die aktuell wichtigste Studie bei uns in Deutschland kommt aus Baden-Württemberg. Die Uniklinik Heidelberg testet zusammen mit den Kliniken aus Freiburg, Ulm und Tübingen seit Mitte Mai rund 2.000 Kleinkinder zwischen einem und zehn Jahren und ihre Eltern. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob die Kinder immun gegen Corona sein könnten.

Und danach sieht es aktuell beinahe aus: Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Kinder scheinbar kein besonders hohes Risiko haben, sich mit Covid-19 zu infizieren. Dementsprechend hieße das, dass die Kleinen nicht dazu beitragen, das Virus besonders stark zu verbreiten – ganz im Gegenteil.

Corona-Studie aus China: Kinder stecken sich seltener an

In China hat das Coronavirus seinen Ursprung. Hier gab es bisher schon zwei Studien, die klären sollten, ob Corona Kinder besonders stark betrifft, und wie ansteckend sie sind. Die erste Studie kam zu dem Ergebnis, dass Kinder genauso anfällig für das Virus sind wie wir Erwachsenen. Allerdings wurden hierbei nur die Daten von 11 Kindern berücksichtigt.

Aussagekräftiger sind die Ergebnisse von Studie Nummer zwei: Demnach stecken sich Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren deutlich seltener mit Corona an als Erwachsene. Demenentsprechend spielen sie auch bei der Verbreitung des Virus eine untergeordnete Rolle.

Corona-Studie aus Island: Kinder stecken sich deutlich weniger an

In Island nahmen rund 13.000 Menschen an einer Studie zu Corona teil. Sie hatten entweder leichte Anzeichen einer Erkältung oder gar keine Symptome. Knapp einen Monat lang sammelten Wissenschaftler die Daten. Ergebnis: Die Infektionsrate war bei Kindern deutlich niedriger als bei Erwachsenen. Knapp 850 Kinder unter zehn wurden getestet – keins von ihnen war mit Corona infiziert.

Corona-Studie aus den Niederlanden: Kinder stecken weniger Menschen an

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie aus den Niederlanden: Unsere Nachbarn haben dafür Daten aus insgesamt 40 Hausarztpraxen gesammelt. Bei allen Patienten mit grippeähnlichen Symptomen wurde ein Nasen-Rachen-Abstrich genommen. In rund 6,5 % der Fälle wurde eine Covid-19-Infektion nachgewiesen – keine davon bei einem Kind oder Jugendlichen unter 20 Jahren.

Die Forscher konnten außerdem nachweisen, dass Corona in den meisten Fällen von Erwachsenen an Erwachsene weitergegeben wurde. Deutlich seltener kam es vor, dass ein Erwachsener ein Kind angesteckt hat. Und Kinder selbst gaben das Virus so gut wie gar nicht weiter. Heißt also: Bei der Verbreitung von Corona sind Kinder nicht ausschlaggebend, da sie weniger ansteckend sind als Erwachsene.

3. Diese Corona-Studien zeigen: Kinder sind genauso ansteckend wie Erwachsene

Auch wenn die Ergebnisse der eben genannten Untersuchungen eindeutig sind: Es gibt auch Gegenbeispiele. Denn andere Corona-Studien haben ergeben, dass Kinder genauso ansteckend sind wie Erwachsene – und das Virus möglicherweise sogar schneller verbreiten:

Corona-Studie in Berlin: Kinder können mehr Menschen anstecken

Die Studie des bekannten Virologen Christian Drosten der Berliner Charité war einer der Gründe dafür, dass Kitas und Schulen erst spät und nur langsam wieder geöffnet wurden. Zuvor hatte eine andere Studie bewiesen, dass Kinder sich zwar deutlich weniger mit Corona anstecken, aber auch zehn Mal mehr Kontakte zu anderen haben als Erwachsene.

Christian Drosten und seine Kollegen fanden außerdem heraus, dass die Viruslast bei infizierten Kindern genauso hoch ist wie bei Erwachsenen. Das bedeutet, in ihren Atemwegen lassen sich genauso viele Viren nachweisen. Zusammen mit der viel größeren Anzahl an Kontakten könnten sie deshalb eine große Rolle bei der Verbreitung von Covid-19 spielen.

Corona-Studie aus der Schweiz: Kinder sind ansteckend, aber nicht die Treiber

In der Schweiz wurden insgesamt 638 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auf Corona getestet, 23 davon waren mit dem Virus infiziert. Dabei stellten die Forscher fest, dass die so genannte „Viruslast“ am Anfang der Infektion fast genauso hoch war wie die von Erwachsenen. Außerdem schieden die Kinder genauso viele Viren aus. Das Fazit der Wissenschaftler war, dass Kinder Covid-19 genauso übertragen können wie Erwachsene – aber für die Ausbreitung nicht hauptsächlich verantwortlich sind.

4. Welche Studien zu Corona und Kindern aktuell noch laufen:

Natürlich gibt es noch viele Studien mehr, die den Zusammenhang zwischen Corona und Kindern herausfinden wollen. Schließlich betrifft die Pandemie fast die gesamte Welt. Allerdings sind viele Erkenntnisse und Daten noch relativ neu oder werden noch gesammelt. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Studien, die aktuell noch nicht abgeschlossen sind. Wie zum Beispiel diese hier:

Corona-Studie aus Bayern: Antikörpertests sollen Erkenntnisse über Immunität und Verbreitung liefern

In Bayern sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre Blutproben von bis zu 65.000 Kindern auf Antikörper gegen Corona untersucht werden. Hintergrund ist eine schon länger laufende Studie (Fr1da plus), die das Blut von Kindern auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes testet. Das Netzwerk besteht aus rund 600 Kinder- und Jugendärzten, die Blutproben von Kindern im Alter von 2 bis 5 und 9 bis 10 Jahren an das Helmholtz Zentrum in München schicken. Diese sollen zukünftig nicht nur auf Diabetes, sondern auch auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet werden – und zwar rückwirkend ab August 2019.

Die Forscher erhoffen sich dadurch Informationen darüber, ob und wenn ja, wie viele Kinder schon Antikörper gegen das Virus haben, und inwieweit sie dadurch immun gegen eine erneute Infektion sind. Außerdem könnten die Ergebnisse dabei helfen, die Verbreitung des Virus nachzuverfolgen.

Corona-Studie aus Hamburg: Welche Rolle spielen Kinder bei der Pandemie?

Auch die Uniklinik in Hamburg beschäftigt sich aktuell mit der Frage, ob Corona für Kinder besonders gefährlich werden kann, und wie ansteckend die Kleinen sind. Die Studie läuft seit Anfang Mai. Die Wissenschaftler wollen im ersten Schritt feststellen, wie viele Kinder mit Covid-19 infiziert sind bzw. waren. Dafür nehmen sie zum einen Abstriche und testen zum anderen das Blut der Kinder auf Antikörper. Wenn das Ergebnis positiv ausfällt, die Forscher also eine Infektion nachweisen können, begleiten und untersuchen sie die betroffenen Kinder sechs Monate lang. Insgesamt wollen die Wissenschaftler 6.000 Kinder testen.

Corona-Studie aus Mannheim: Wie viele Kinder infizieren sich – und wie verbreitet sich das Virus?

An der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklink Mannheim läuft seit Anfang Mai ebenfalls eine deutschlandweite Studie mit Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren. Die Forscher wollen jeden Monat etwa 1.500 Proben der Kinder sammeln und an die Berliner Charité schicken, Dort werden sie von Christian Drosten und seinem Team auf Antikörper getestet. Die Studie ist bis Ende Oktober 2021 angesetzt. Und sie soll zeigen, wie viele Kinder mit Covid-19 infiziert sind – und Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus liefern.

5. Fazit: Corona – sind Kinder denn jetzt besonders ansteckend oder nicht?

Eine genaue Antwort darauf gibt es zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht. Zwar laufen aktuell viele Studien zu dem Thema, aber längst nicht alle sind schon abgeschlossen. Dazu kommt, dass Studien mit Kindern in der Regel länger dauern, weil in vielen Fällen die Ethikkommission der Studie zustimmen muss. Klar ist bisher, dass Kinder auch ansteckend sind, das heißt, sie können das Virus weitergeben. Ob im gleichen Umfang wie Erwachsene, deutlich seltener oder häufiger, das wollen die Wissenschaftler im Moment noch herausfinden.

Es sieht so aus, als ob Kinder sich generell seltener mit Corona infizieren. Wenn sie sich allerdings angesteckt haben, tragen sie scheinbar die gleiche Viruslast in sich wie Erwachsene. Dazu kommt, dass Kinder bei einer Infektion häufig keine Symptome zeigen. Das heißt, sie können andere anstecken, ohne zu wissen, dass sie selbst an Corona erkrankt sind.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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