Wegen Corona gesetzlich erlaubt: Dürfen Geschäfte Kinder aussperren?

Vor einiger Zeit haben wir über eine alleinerziehende Mutter berichtet, die ihren Sohn beim Einkaufen nicht mit in den Supermarkt nehmen durfte. Jetzt musste ein alleinerziehender Papa mit seiner Tochter eine Post-Filiale verlassen. Und auch wir haben in unserer Community viele Reaktionen von Mamas bekommen, denen etwas ähnliches passiert ist.

Aber ist das überhaupt gesetzlich erlaubt? Dürfen Geschäfte Kinder wirklich aussperren? Die Antwort lest ihr hier.

Mindestabstand wird für Alleinerziehende zum Problem

Eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ist der Mindestabstand von 1,50 m, den wir zu anderen Menschen einhalten müssen. Draußen ist das im Normalfall kein Problem. Beim Einkaufen kann es da schon schwieriger werden. Viele Geschäfte lassen Kunden deshalb nur noch alleine rein. Gleichzeitig haben Kitas und Schulen geschlossen, und nicht immer gibt es einen Partner, der auf das Kind aufpassen kann, wenn Mama (oder Papa) zum Einkaufen geht.

So ging es auch einer Mutter aus Hamburg, die vor einiger Zeit mit ihrem Sohn einkaufen gehen wollte – und aufgefordert wurde, ihn beim Sicherheitspersonal zu lassen, weil er nicht mit in den Supermarkt dürfe. In Miersbach musste ein ebenfalls alleinerziehender Vater, der mit seiner 5-jährigen Tochter schnell ein Paket abgeben wollte, eine Postfiliale verlassen, wie rosenheim24.de berichtete.

Darum müssen Kinder oft draußen bleiben

Der Supermarkt in Hamburg begründete das „Kinder-Verbot“ damit, dass sich zu viele Kunden auch nach mehrfacher Aufforderung nicht an den Mindestabstand von 1,50 m gehalten hätten. Und da man das Geschäft wegen Corona im Moment nur einzeln betreten dürfe, seien nun mal auch keine Kinder erlaubt. Bei der Postfiliale in Miersbach wies die Angestellte auf das Schild am Eingang hin, das Eltern dazu aufforderte, ihre „Kinder ausnahmsweise draußen“ zu lassen. Bloß: Wie soll das bei so kleinen Kindern gehen?

Dürfen Geschäfte Kinder überhaupt aussperren?

Natürlich ist es verständlich, dass die Anzahl der Menschen, die gleichzeitig ein Geschäft besuchen, im Moment begrenzt wird. Trotzdem bleibt die Frage: Wenn ich mein Kind zwingend zum Einkaufen mitnehmen muss – darf das Geschäft darauf bestehen, dass es vor der Tür bleibt?

Eine eindeutige Antwort gibt es darauf leider nicht. Denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet es zwar, Menschen aufgrund ihres Alters zu diskriminieren. Dazu gehören natürlich auch Kinder. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn „sachliche Gründe“ vorliegen, zu denen auch der Infektionsschutz zählt, kann es zulässig sein, verschiedene Personengruppen unterschiedlich zu behandeln. Die letzte Entscheidung darüber müsste ein Gericht treffen, eine einheitliche, verbindliche Regelung gibt es bisher nicht.

So lange das so ist, hat jeder Ladenbesitzer das so genannte Hausrecht. Das bedeutet, er kann frei entscheiden, wer in seinem Laden einkaufen darf – und wer eben nicht.

Auf Verständnis der Ladenbesitzer hoffen

Rechtlich gesehen bliebt uns Mamas und Papas also nur der Weg über eine Klage. Ob das wirklich sein muss, kann wohl nur jeder für sich selbst entscheiden. Manchmal hilft vielleicht ja auch schon ein ruhiges, klärendes Gespräch mit dem Inhaber oder den Angestellten. Wenn sie verstehen, dass ihr wirklich keine andere Möglichkeit habt, lassen sie vielleicht mit sich reden. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Und wenn das Kind sich in den Einkaufswagen setzt, kann es auch nicht durch den Laden rennen und anderen Kunden zu nahekommen.

Habt ihr es auch schon erlebt, dass ihr euer Kind beim Einkaufen nicht mitnehmen durftet? Oder ist es bei euch generell kein Problem? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für SEO und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Annika
Annika
3 Jahre zuvor

Hallo Wiebke und Mitleser,
ich habe letzte Woche bei unserem örtlichen Fleischer eine ähnlich traurige Erfahrung machen müssen.
In meiner Fassungslosigkeit habe ich einen (kurzen) Zeitungsartikel verfasst, den ich euch hier einfach mal einstelle. Es handelt sich um eine Rubrik, in der aus dem täglichen Leben berichtet wird…
————————
Unsereiner…
schnappt sich seinen kleinen 2-jährigen Sohn um noch einmal kurz beim ortsansässigen Fleischer die letzten Besorgungen für die nächsten Tage und für das Mittagessen zu erledigen. Er ist dort regelmäßiger Kunde. Die große Tochter sitzt währenddessen zu Hause an den Hausaufgaben. Der Mann geht seiner Vollzeit-Tätigkeit in der Firma nach.

Nachdem unsereiner mit Sohnemann auf dem Arm und mit Maske ausgestattet den Fleischerei-Laden betritt, bekommt er statt der gewohnten Begrüßung zu hören, dass Kinder hier „eigentlich nicht mehr erlaubt sind“. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum und den rechtlichen Grundlagen endet in einem Streitgespräch. Unsereiner kann seine Tränen nicht mehr zurückhalten und verlässt gezwungenermaßen und ohne seinen Einkauf den Laden. Ihm klingen zudem noch die Worte der anderen, älteren Kundin im Ohr „warum verlassen Sie nicht einfach den Laden, wenn Sie darum gebeten werden“? Eine klare Aussage – da gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Ist es das Recht des Geschäftes, bestimmten Personengruppen den Zutritt zu verwehren? Leider vermutlich schon. Aber es ist die freie Entscheidung unsereiners, Diskriminierungen dieser Art nicht zu tolerieren und dem Laden in Zukunft fern zu bleiben. Eine sehr bedenkliche, traurige Entwicklung in der Gesellschaft, findet unsereiner.

———————————-

Leider werden diese Vorurteile gegenüber den Jüngsten unserer Gesellschaft durch Kita- und Schulschließungen noch bestärkt.

Liebe Grüße und volles Verständnis für die, denen es ähnlich ergeht
Annika

Annika
Annika
3 Jahre zuvor

Hallo Wiebke und Mitleser,
ich habe letzte Woche bei unserem örtlichen Fleischer eine ähnlich traurige Erfahrung machen müssen.
In meiner Fassungslosigkeit habe ich einen (kurzen) Zeitungsartikel verfasst, den ich euch hier einfach mal einstelle. Es handelt sich um eine Rubrik, in der aus dem täglichen Leben berichtet wird…
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Unsereiner…
schnappt sich seinen kleinen 2-jährigen Sohn um noch einmal kurz beim ortsansässigen Fleischer die letzten Besorgungen für die nächsten Tage und für das Mittagessen zu erledigen. Er ist dort regelmäßiger Kunde. Die große Tochter sitzt währenddessen zu Hause an den Hausaufgaben. Der Mann geht seiner Vollzeit-Tätigkeit in der Firma nach.

Nachdem unsereiner mit Sohnemann auf dem Arm und mit Maske ausgestattet den Fleischerei-Laden betritt, bekommt er statt der gewohnten Begrüßung zu hören, dass Kinder hier „eigentlich nicht mehr erlaubt sind“. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum und den rechtlichen Grundlagen endet in einem Streitgespräch. Unsereiner kann seine Tränen nicht mehr zurückhalten und verlässt gezwungenermaßen und ohne seinen Einkauf den Laden. Ihm klingen zudem noch die Worte der anderen, älteren Kundin im Ohr „warum verlassen Sie nicht einfach den Laden, wenn Sie darum gebeten werden“? Eine klare Aussage – da gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Ist es das Recht des Geschäftes, bestimmten Personengruppen den Zutritt zu verwehren? Leider vermutlich schon. Aber es ist die freie Entscheidung unsereiners, Diskriminierungen dieser Art nicht zu tolerieren und dem Laden in Zukunft fern zu bleiben. Eine sehr bedenkliche, traurige Entwicklung in der Gesellschaft, findet unsereiner.

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Leider werden diese Vorurteile gegenüber den Jüngsten unserer Gesellschaft durch Kita- und Schulschließungen noch bestärkt.

Liebe Grüße und volles Verständnis für die, denen es ähnlich ergeht
Annika