Corona im Schlachthof: Ist das Fleisch ansteckend?

Bei diesem herrlichen Wetter ist so ein gemütlicher Grillabend doch genau da richtige, oder? Jedenfalls theoretisch. In den letzten Tagen häufen sich nämlich die Meldungen über Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen. Allein beim Fleisch-Konzern Tönnies in Nordrhein-Westfalen sind inzwischen mehr als 1.500 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. Aber was heißt das eigentlich für uns Verbraucher? Können wir uns mit Corona anstecken, wenn wir Fleisch aus einem der Betriebe essen? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bisher leider nicht. Aber bevor wir den Grill auspacken, sollten wir einige Dinge beachten.

Fleischfabriken werden zu Corona-Hotspots

Die Liste der Schlachthöfe, in denen Corona ausgebrochen ist und sich rasend schnell verbreitet hat, wird immer länger. In der Fleischfabrik von Clemens Tönnies in Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen mehr als 1.500 Infizierte. Die Folge: Im gesamten Kreis Gütersloh sind Schulen und Kitas wieder geschlossen, die Kontaktbeschränkungen wurden verschärft, das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Dazu haben verschiedene Bundesländer einen Urlaubsstopp für Anwohner aus dem Kreis Gütersloh verhängt.

Auch bei Wiesenhof in Niedersachsen sind von den 1.115 Mitarbeitern aktuell 45 mit Corona infiziert. Im Geflügelschlachtbetrieb Geestland bei Wildeshausen sind 23 der 50 Mitarbeiter betroffen. In einer Döner-Fabrik in Moers gibt es 79 Corona-Fälle. Mitte Mai wurde ein Schlachthof der Firma „Westfleisch“ vorübergehend geschlossen, weil sich mehr als 260 Mitarbeiter mit Covid-19 angesteckt hatten. Und die Liste ist noch nicht zu Ende.

Scheinbar werden aktuell besonders Schlachthöfe und Co. zu regelrechten Corona-Hotspots. Und ganz ehrlich: Ein Wunder ist das nicht. Wenn man überlegt, dass allein im Tönnies-Werk jeden Tag rund 20.000 Schweine geschlachtet werden – wie soll das anders möglich sein als mit Fließbandarbeit? Ehrlich gesagt eine schreckliche Vorstellung. Ich mag gar nicht daran denken, was das für die Tiere bedeutet. Übrigens einer der Gründe, warum ich seit 25 Jahren kein Fleisch mehr esse. Aber auch für die Mitarbeiter eine absolute Zumutung. Denn natürlich geht es den Konzernen vor allem um eins: Geld, Geld, Geld. Das heißt, das Fleisch muss möglichst billig produziert werden. Und scheinbar bleiben die vorgeschriebenen Hygieneregeln dabei manchmal auf der Strecke.

Haben die Mitarbeiter sich vielleicht bei den Tieren mit Corona angesteckt?

Wenn Corona jetzt gehäuft in Betrieben der Fleischverarbeitung auftritt, liegt der Verdacht nahe, dass es vielleicht durch die Tiere übertragen wurde. Laut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit ist das aber mehr als unwahrscheinlich. „Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass sich Schweine, Hühner und andere bei uns übliche Nutztiere/lebensmittelliefernde Tiere mit SARS-CoV-2 infizieren können“, heißt es auf der Internetseite. Deshalb sei auch eine Untersuchung von Schlachttieren auf das Virus aktuell nicht sinnvoll. Denn erste Zwischenergebnisse entsprechender Tierversuche hätten gezeigt, dass sich weder Scheine noch Hühner mit dem Virus infizieren ließen.

Kann ich mich trotzdem mit Corona anstecken, wenn ich Fleisch aus den betroffenen Schlachthöfen esse?

Darüber sind sich Experten im Moment noch nicht einig. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht die Gefahr als sehr gering an: „Nach derzeitigem Wissensstand spielt der Verzehr von Lebensmitteln für die Übertragung des Virus keine Rolle“, so die Aussage auf der Internetseite.

Auch für das Bundesinstitut für Risikobewertung stellt das Fleisch aus den betroffenen Betrieben keine Gefahr dar. Eine Verunreinigung des Fleisches mit Coronaviren während der Schlachtung und Zerlegung sei zwar theoretisch möglich. Zum Beispiel über direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person oder über Hände, die nicht ausreichend gewaschen wurden. Allerdings ist dem Institut bisher kein Fall bekannt, in dem sich jemand mit Corona infiziert hat, weil er entsprechendes Fleisch gegessen oder Kontakt damit hatte.

Es gibt allerdings auch Experten die das komplett anders sehen. So sagte zum Beispiel Prof. Klaus-Dieter Zastrow, der Chef des Hygieneinstituts in Berlin, gegenüber bild.de, das Fleisch sei „brandgefährlich“. Seiner Meinung nach dürfe man es nur dann verwenden, wenn man es vorher sehr stark erhitze. Deshalb sollte das Fleisch aus der aktuellen Produktion seiner Meinung nach gar nicht erst verkauft werden.

Das sieht Professor Timo Ulrichs ähnlich: „Die Gefahr bei einer Kontamination von Oberflächen, also auch von den Oberflächen des hergestellten Fleisches, ist natürlich gegeben, weil man weiß, dass das Virus sich auf Oberflächen länger halten kann“, so der Epidemiologe gegenüber RTL. Er warnt auch dringend davor, das Fleisch zu essen, ohne es vorher entsprechend durchzugaren.

Woran erkenne ich, aus welchem Schlachthof das Fleisch kommt?

Wenn du auf Nummer sicher gehen und kein Fleisch kaufen möchtest, dass aus einem der Betriebe kommt, in denen Corona ausgebrochen ist, hilft dir möglicherweise eine Kennzeichnung auf der Ware weiter. Du findest auf der Verpackung ein ovales Identitätskennzeichen. Es besteht aus zwei Buchstaben oben, enthält in der zweiten Reihe ebenfalls zwei Buchstaben und 5 Zahlen.

Beispiel:
DE – steht für das Land, in diesem Fall Deutschland
NW 12345 – steht für das Bundesland, also Nordrhein-Westfalen
EG
Die Nummer in der zweiten Zeile ist die 5-stellige Zulassungsnummer des jeweiligen Betriebes. Du kannst sie in einer Datenband des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingeben, und bekommst den Betrieb angezeigt, in dem das Produkt zuletzt verarbeitet wurde. Das heißt leider auch, dass du nicht immer Rückschlüsse auf den jeweiligen Schlachtbetrieb ziehen kannst.

Übrigens gehören die drei folgenden Kennzeichnungen zu der betroffenen Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück:
DE NW 20202 EG
DE NW 20028 EG
DE NW 20045 EG

Wenn du keine 5-stellige Nummer findest, kannst du auch einfach den Firmennamen eingeben. Und wenn du Fleisch an der Fleischtheke kaufst, fragst du am besten nach.

Wie kann ich mich vor Corona schützen und trotzdem mein Fleisch genießen?

Leider haben nicht alle Lebensmittel so ein ovales Kennzeichen. Mit diesen Tipps kannst du dich trotzdem bestmöglich vor einer Infektion mit Corona schützen, ohne auf Fleisch zu verzichten:

1. Gründlich die Hände waschen

Diese Regel gilt besonders aktuell ja nicht nur bei der Zubereitung von Fleisch. Generell ist regelmäßiges gründliches Hände waschen eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Corona.

2. Rohes Fleisch nicht waschen

Wäschst du rohes Fleisch auch oft, bevor du es zubereitest? Das solltest du im Moment lieber lassen. Denn wenn du das Fleisch anfasst können Viren an deine Hände gelangen. Das gleiche gilt für eventuelle Wasserspritzer. Deshalb das Fleisch am besten mit der Gabel aus der Packung nehmen und direkt in Pfanne oder Topf legen.

3. Fleisch gut durchgaren

Eine der wichtigsten Regeln, um eventuellen Corona-Viren den Garaus zu machen: Fleisch immer gut durchgaren. Am besten solltest du Schnitzel und Co. mindestens zehn Minuten lang bei mehr als 70 Grad garen. Und zwar an allen Stellen. Du erkennst es auch daran, dass der Saft, der aus dem Fleisch kommt, klar wird, und das Fleisch seine Farbe verändert. Durchgegartes Schweinefleisch wird graurosa, Hühnchen wird weißlich und Rindfleisch graubraun.

4. Auf Mettbrötchen verzichten

Nur gut durchgegartes Fleisch zu essen, heißt auf der anderen Seite: Finger weg von Mettbrötchen, Pastrami, Roastbeef und Co. Alles, was du roh oder hur halbdurch gegart essen würdest, solltest du zumindest für eine Weile von deinem Speiseplan streichen.

5. Bretter und Messer gründlich reinigen

Coronaviren setzen sich gern auf Oberflächen fest. Wenn du dein Fleisch also zubereitest, solltest du danach Messer, Brettchen und Co. gründlich reinigen. Außerdem empfiehlt es sich, Obst und Gemüse auf andere Brettchen und mit anderen Messern zu schneiden.

6. Schwämme und Lappen regelmäßig austauschen

Beides sind nämlich wahre Paradiese für Viren und Bakterien. Deshalb empfiehlt es sich, alle Lappen und Schwämme in der Küche mindestens einmal pro Woche zu wechseln.

7. Auf die Herkunft des Fleisches achten

Ich weiß, nicht jeder kann sich unbedingt Bio-Fleisch leisten. Trotzdem gibt es einige Dinge, auf die du achten kannst, damit dein Fleisch nicht aus überfüllten Massenbetrieben kommt. Es gibt zum Beispiel verschiedene Siegel, die die Haltungsform der Tiere nachweisen, „mehr Platz“, „kleinere Tiergruppen“ oder „Weidehaltung“ sind schon einmal gute Anhaltspunkte.

Ich hoffe, unsere Infos haben dir etwas geholfen und wünsche dir viel Spaß beim Grillen – und guten Appetit!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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