„Bitte nicht schon wieder streiten!“ Wie bei Konflikten und Gewalt in der Familie geholfen werden kann

Tränen laufen über Pias* Gesicht. Das kleine Mädchen steht neben dem Babybettchen und drückt fest die Hand ihres kleinen Bruders. Benny* schläft und bekommt nichts von dem Streit mit. Auf einmal ein dumpfer Knall. Irgendetwas muss im Wohnzimmer umgefallen sein. Ihre Mutter und deren Freund schreien laut. Pia hört ihre Mama weinen. Sie will, dass es aufhört. Pia hält sich die Ohren zu. Bitte mach, dass es aufhört, denkt sie. Bitte…

Wie Pia und Benny geht es viel zu vielen kleinen Kindern in Deutschland. Neben Streit ist vor allem häusliche Gewalt ein Problem in vielen Familien. Betroffen können Männer wie Frauen sein, meistens sind es jedoch Frauen. In 80 bis 90 Prozent der Fälle von Gewalt sind die Kinder direkt dabei oder zumindest im Nebenraum.

Und das geschieht nicht nur, wie viele annehmen, in sozialen Brennpunkten. Gewalt kennt keine Gehaltsgrenze und zieht sich durch alle sozialen Schichten. Auch Männer können unter Gewalt der Partnerin leiden, oftmals trifft es aber Frauen. Etwa jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal im Leben von ihrem aktuellen Partner geschlagen oder vergewaltigt.

Wenn Gewalt in der Familie herrscht, leiden auch die Kinder

Auch wenn Kinder in solchen Familien nicht selbst geschlagen werden und keine sichtbaren körperlichen Blessuren von sich tragen, leidet ihre kleine Seele. Denn natürlich bekommen sie, selbst wenn sie noch klein sind, viel zu viel mit. Oft werden sie vernachlässigt, weil die Eltern vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Mit schlimmen Auswirkungen: Wenn die Fürsorge von Mama oder Papa – vor allem in den ersten Lebensjahren eines Kindes – fehlt, kann es zu Bindungsstörungen kommen. Manchmal später sogar zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

SOS-Kinderdorf Pia

Kinder wie Pia* leiden furchtbar unter der Gewalt in der Familie. Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Maximilian Geuter

Das Erlebte wirkt sich also schwer auf die Psyche der Kinder aus – und wird sie vermutlich ihr ganzes Leben lang verfolgen. Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern miterlebt haben, erleiden später mehr als doppelt so häufig selbst Gewalt durch den Partner als Frauen, die keine elterliche Gewalt ertragen mussten. Damit dieser schreckliche Kreislauf unterbrochen und nicht von Generation zu Generation weitergegeben wird, ist es so wichtig, Mütter und ihre Kinder zu schützen!

Wir können Kindern wie Pia und Benny helfen. Indem wir spenden. Jeder Euro kann einen Unterschied machen im Leben eines Kindes und unterstützt die so wichtige Arbeit des SOS-Kinderdorfs. Klickt einfach auf den Spenden-Button und tragt einen kleinen Teil dazu bei, dass Kindern und ihren Mamas in Notlagen geholfen werden kann:

Das Muster wird immer und immer wieder wiederholt

Pias Mutter wurde schon mit 20 Jahren schwanger. Nach der Geburt begann für sie „ein Alptraum“, wie sie sagt. Pias Vater war mit seiner Rolle und dem schreienden Baby komplett überfordert. Oft wurde er aggressiv, brüllte sie so laut an, dass die Nachbarn an die Decke klopften. Doch beim Schreien blieb es nicht. Er schlug zu.

Irgendwann schaffte Pias Mutter, zu gehen: Sie flüchtete mit ihrer Tochter aus dem Haus. Bald der Hoffnungsschimmer: Ein neuer Mann trat ins Leben von Pias Mama, mit ihm bekam sie ihr zweites Kind, den kleinen Benny. Doch es war wie ein Fluch: Auch der neue Mann war gewalttätig.

Oft verlieben sich Frauen, die selbst Gewalt in der Familie erlebt haben, unbewusst wieder in Menschen, die gewalttätig werden. Auch bei Pias Mutter hat sich das Muster aus der ersten Beziehung wiederholt. „Das war die dunkelste Zeit in meinem Leben“, erinnert sie sich.

Die Betreuerin vom Jugendamt, die sich mittlerweile um die Familie kümmerte und der sie vertrauen konnte, spürte, dass in der blassen, abgekämpften Frau eine liebevolle Mama steckte. Eine Mutter, die Unterstützung brauchte, um für ihre kleinen Kinder sorgen zu können. Also empfahl sie Pias Mutter das Familienzentrum im SOS-Kinderdorf, welches belastete Eltern und Familien unterstützt. „Das war der Beginn meiner Rettung“, sagt Pias Mutter.

So bekamen Pia, Benny und ihre Mama Hilfe vom SOS-Kinderdorf

Dort erhält Pias Mamas heute endlich die Hilfe, die sie sich so lange gewünscht hat – es ist so etwas wie ihr sicherer Hafen geworden. „Wir haben es häufig mit alleinerziehenden Müttern zu tun, die ihre Kinder sehr jung bekamen, oft schon als Teenager“, erzählt SOS-Mitarbeiterin Inse Ohmstede. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten sie beim Umgang mit Behörden und finden mit ihr zusammen Lösungen bei Alltagssorgen. Und im Café kann sie sich mit anderen Eltern austauschen und durchschnaufen. „Hier verurteilt mich niemand, weil ich alleinerziehend bin und mit wenig Geld auskommen muss“, sagte sie.

SOS-Kinderdorf Pia

Das SOS-Kinderdorf hilft Familien aus der Krise. Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Maximilian Geuter

Pias Mutter kann dank der Kinderbetreuung wieder stundenweise arbeiten gehen. Wenn die Kinder größer sind, möchte sie eine zusätzliche Ausbildung machen. Die dreiköpfige Familie hat eine kleine Wohnung gefunden. „Gewalt hat in unserem Leben keinen Platz mehr“, sagt Pias Mama.

So können wir betroffenen Frauen und Kindern wie Pia und Benny helfen

Und auch den Kindern geht es heute gut. Der kleine Benny (2) geht in die Krippe von SOS-Kinderdorf, Pia (4) in den Kindergarten. Die Geschwister sind fröhlich, spielen, lachen. Pia spielt am liebsten mit Knete. Daraus formt sie kleine Tiere, die sie alle in ihrem Zoo versammelt. Jedem Tier seinen Platz zu geben, wo es sicher und geborgen ist, gehört zu Pias Lieblingsspielen. „Wir erleben wir immer wieder, dass sich sehr belastete Kinder unglaublich gut entwickeln“, sagt Inse Ohmstede.

Wichtig ist allerdings, dass den Kindern rechtzeitig geholfen wird. Hierbei unterstützt das SOS-Kinderdorf. Doch solch ein wichtiges Hilfsnetzwerk braucht natürlich auch Unterstützung. Und zwar unsere!

Wir können helfen, dass Kinder wie Pia und Benny wieder ein schönes Leben haben. Und eine Zukunft. Indem wir die wichtige Arbeit des SOS-Kinderdorfs unterstützen. Wir alle wissen, wie sehr uns Erlebnisse aus der Kindheit prägen. Wie entscheidend es ist, in einer geborgenen und sicheren Familienumgebung aufzuwachsen, in der man keine Angst haben muss. Jeder Euro kann einen Unterschied machen.

*Namen, Abbildungen und biographische Details zum Schutz der betroffenen Personen geändert.

Jennifer Meerkamp

Als Kind der 80er habe ich Kinderkassetten geliebt. Schnell war mir klar: Karla Kolumna ist immer dort, wo was los ist. Deswegen wollte ich Journalistin werden. Seit 2019 bin ich Mama und freue mich, heute Teil des Echte Mamas Teams zu sein und über Kinder zu schreiben. Die sind nämlich genau so spannend wie Schauspieler und Politiker.

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