Ein vierjähriges Kind muss beim Einkaufen dringend auf die Toilette – doch im Supermarkt bekommt es keine Hilfe. Seine Mutter ist fassungslos und meldet sich in einem TikTok zu Wort.
Du bist gerade mitten im Einkauf. Der Wagen halb voll, die To-do-Liste im Kopf – und dann zieht dein Kind an deinem Ärmel und sagt diesen einen Satz: „Mama, ich muss mal.“ Und du siehst schon an seinem Gesicht, dass es dringend ist. So war es auch bei Mama Lydia, als sie mit ihrem vierjährigen Sohn in einem bekannten Discounter unterwegs war.
In einem TikTok-Video schildert Lydia ihre Erfahrung – und trifft damit offenbar einen Nerv. Weil es in dem Dsicounter keine Kundentoiletten gibt, fragte sie freundlich nach, ob ihr Kind im Notfall die Mitarbeitertoilette benutzen dürfe – vergeblich. „Die haben uns ernsthaft nicht auf die Toilette gehen lassen“, sagt sie. Statt Hilfe habe es nur Verweise auf „Vorschriften“ gegeben. Dass es sich um ein kleines Kind handelt, das seine Bedürfnisse nicht planen kann, spielte offenbar keine Rolle.
Am Ende blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Supermarkt zu verlassen. „Wir waren dann halt gezwungen rauszugehen und auf die Wiese vor der Tür zu pinkeln“, sagt sie. Ihre Frage richtet sich direkt an den Discounter: „Ist es das, was ihr wirklich wollt?“
Der Fall wurde unter anderem von der Frankfurter Rundschau aufgegriffen – und trifft offenbar einen Nerv. In den Kommentaren berichten viele Eltern von ähnlichen Situationen. Der Tenor: Wut, Hilflosigkeit, Unverständnis. Aber auch Stimmen, die die Mitarbeitenden in Schutz nehmen.
Ist Deutschland nicht kinderfreundlich genug?
Die Diskussion geht schnell über den betreffenden Supermarkt hinaus. Denn sie berührt eine grundsätzliche Frage: Wie kinderfreundlich ist Deutschland eigentlich?
Der Arche-Gründer Bernd Siggelkow bringt es in der Frankfurter Rundschau auf den Punkt: Deutschland sei „nicht kinderfreundlich“. Kinder würden oft als störend empfunden – „in der Wohnung, auf der Straße, im Restaurant oder auch beim Einkaufen im Supermarkt“.
Auch der Soziologe Peter Höfflin, Professor an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, ordnet den Vorfall gesellschaftlich ein. Besonders nachdenklich macht seine Einschätzung zur Entwicklung im öffentlichen Raum. „In unserer alternden Gesellschaft scheint es, als wüssten viele nicht mehr, wie sie mit Kindern umgehen sollen“, sagt Höfflin der Frankfurter Rundschau. Kinder verschwänden zunehmend aus dem Alltag – sie seien weniger sichtbar und bewegten sich meist nur noch in klar zugewiesenen Räumen wie Kitas oder Spielplätzen.
Natürlich gibt es auch Verständnis für die andere Seite.
Einige Kommentierende – darunter offenbar auch Beschäftigte im Einzelhandel – weisen darauf hin, dass Mitarbeitertoiletten aus Sicherheits- und Hygienegründen tabu seien. Eine Nutzerin schreibt: „Ich kann deinen Unmut verstehen, aber wenn wir die Vorschriften missachten kann uns das den Job kosten.“
Auch der Discounter selbst äußerte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Es tut uns leid, dass die Kundin negative Erfahrungen in der Filiale gemacht hat.“ In neueren Märkten gebe es bereits Kundentoiletten, doch das sei „leider aufgrund des geringen Platzes und der in der Regel kurzen Einkaufszeiten nicht überall umsetzbar“. Außerdem könnten Mitarbeitertoiletten aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden.
Trotzdem: Wäre in dem Fall eine Ausnahme nicht möglich gewesen?
Dass Vorschriften existieren, wissen Eltern. Und doch bleibt nach solchen Situationen oft ein bitterer Beigeschmack. Denn Kinder können ihre Bedürfnisse nicht planen, verschieben oder „mal eben aushalten“.




Auch ich bin Mama von 2 Kindern und habe gleiche Situationen schon erlebt. Toll sind dann auch die Reaktionen wie „wir haben hier keine Toiletten“… HÄÄÄÄ? Für wie dumm haltet ihr mich? Da ich Deutschland im Allgemeinen für ziemlich kinderunfreundlich halte, sind wir zwischenzeitlich ausgewandert.
Auch im Ausland hatte ich die Situation, dass meine Kleine beim Einkaufen Pipi musste… Die Filialmitarbeiterin hat mich dann in einem sehr netten Ton drauf hingewiesen, dass es nur eine Mitarbeitertoilette gäbe aber dass sie eben eine Ausnahme machen würde, weil es eben ein KIND ist… Da wir dann auch tatsächlich an den Büroräumen und am Lager vorbei mussten, blieb sie dann zu ihrer Sicherheit vor der Toilette stehen, was für mich auch völlig verständlich und akzeptabel war.
Schade, schönes Deutschland…