Emotional Load trifft vor allem die Mütter
„Wie immer gilt das natürlich nicht für alle! Aber wir haben ja einfach leider immer noch das Problem, dass diese ganzen emotionalen Themen oft geschlechtsabhängig zugeschrieben werden. Wir lernen von klein auf, dass eher Frauen sich um Gefühle kümmern sollen. Und Jungs in ihrer Gefühlsregulation weniger gut unterstützt werden – was dann in ihrem späteren Leben zu einem Hindernis werden kann.
Wenn jetzt immer nur gesagt wird. ,Nein, stelle dich nicht so an! Du bist ein Junge und die weinen nicht!‘, dann lerne ich ja gar nicht, mit meinen Gefühlen umzugehen. Und dann fehlt es eben später im Erwachsenenalter, wenn man selber ein Kind hat, damit auch sensibel umgehen zu können.
Das kann übrigens wieder zu weiterem, neuen Emotional Load führen, nämlich Konflikte in der Beziehung. Die Partnerin sagt vielleicht: ,Warum machst du das nicht so und so, um unser Kind zu trösten, jetzt streng dich mal so ein bisschen an!‘ und ich weiß aber nicht wie – dann entstehen ungute Dynamiken, die ja wieder Emotional Load sind auf beiden Seiten.“
Aber wie kann man mit dem Emotional Load umgehen?
„Die Frage ist ja, welche gesunden Möglichkeiten habe ich, weil ich gelernt habe, damit irgendwie umgehen zu können! Ich kann ja, wenn ich merke, ich habe Stress, zum Beispiel Sport machen oder ich kann bestenfalls versuchen, den Stress zu reduzieren. Ich kann mit anderen darüber reden. Oder aber ich kann rauchen oder ich kann Alkohol trinken, um das zu unterdrücken.
Die gute Nachricht ist: Wir können immer lernen, wie wir gut oder besser mit unserem Stressverarbeitungssystem umgehen können. Es wird in der frühen Kindheit geprägt und sogar auch schon vorgeburtlich und dann natürllich weiter über die Jahre hinweg, durch die Erfahrungen, die wir machen. Aber wir können jederzeit auch sagen: ,Okay, ich lerne das jetzt neu!‘ Man kann dahin kommen zu merken, dass beispielsweise Wut in einem aufsteigt, bevor man total wütend ist. Und dann kann man anfangen mit einer Selbstregulation in schwierigen Situationen.“
Selbstregulation der Eltern ist das, was Kinder brauchen
„Das ist ja eigentlich das Wichtige für Kinderbegleitung, eigentlich geht es nicht immer nur darum, dem Kind zu sagen: ,Oh, box doch mal hier in dieses Kissen!‘ oder so, sondern das eigentlich Wichtige ist ja, dass wir uns regulieren können. Und dass wir dann aus unserer Sicherheit, unserer Präsenz, einfach signalisieren: ,Ich bin da, ich bin okay mit der Situation und wir kommen da durch.‘ Das ist eigentlich das Wichtige, was Kinder brauchen. Und wenn wir es schaffen, da hinzukommen, da selber gut mit umgehen zu können, dann ist ganz viel gewonnen. Und das können wir wirklich jederzeit lernen.“
Wie wir lernen können, unsere Gefühle besser zu regulieren und noch viele Infos mehr zum Thema bekommt ihr in unserer Podcast-Folge mit Susanne Mierau:
Mehr über Susanne findet ihr auf ihrer Website www.susanne-mierau.de und in ihrem Buch

Kinder begleiten: „Eltern müssen zuerst ihre eigenen Gefühle regulieren.“
Von
Laura Dieckmann
17. Februar 2026