Zusammenbleiben für die Kinder – lohnt sich das?

Sind Eltern eigentlich auch immer Paare? Meine Eltern haben mir vorgelebt, wie man Mama und Papa sein kann und dabei trotzdem noch Ehepartner, Freund und Komplize bleibt. Bei ihnen war das ganz natürlich und ich bin dankbar für die Stabilität, die sie mir so vermittelt haben. Als Kind fühlte ich mich bei Ihnen immer sicher und weiß auch heute ganz genau, welche Ansprüche ich an meinen Partner habe.

Ich weiß heute, dass meine Eltern, meine Schwester und ich damit ziemlich großes Glück haben; in meiner Abiturklasse kamen fast 50 Prozent aller Schüler und Schülerinnen aus Familien, deren Eltern getrennt waren, und auch ich denke mir bei manchen Ex-Freunden nur „Gott sei Dank haben wir beide kein Kind zusammen.“ Wie ist es aber, wenn man ein Kind mit einem Partner hat, den man nicht mehr liebt?

Eine gute Freundin von mir ist seit Längerem in einer solchen Situation. Sie ist recht früh – vor fünf Jahren – Mama geworden. Ungeplant und ohne dass ihr Mann und sie sich großartig Gedanken über die neue Verantwortung machen konnten. Das Kind war plötzlich da und mit ihm auch eine ganz neue Herausforderung.

Meine Freundin redet nicht gern über Probleme. Hat sie noch nie, aber jedes Mal wenn ich sie in der letzten Zeit besuchte, bemerkte man den deutlich kühleren Umgang zwischen ihr und ihrem Ehemann. Die beiden stritten sich öffentlich und verpassten sich gehässige Seitenhiebe, was sie früher nie getan hätten. Das ging zwei Jahre so, bis meine Freundin mir schließlich bei einem Glas Wein erzählte, Jonas und sie wollten sich trennen. Sie würden damit jetzt noch warten, bis ihr Sohn in die Schule kommt, damit er wegen des anstehenden Umzugs nicht den Kindergarten wechseln muss. „Jonas und ich hätten uns schon längst trennen sollen“, sagte meine Freundin. Auf meine Frage, warum sie es denn nicht getan hätten, sagte sie nur schulterzuckend, sie habe sich für ihr Kind etwas anderes gewünscht als für sich selbst. Als „gute Mama“ habe sie bis zuletzt an sich und Jonas glauben wollen.

Macht das eine gute Mama aus?! Ist es als „gute Mama“ Pflicht, an einer Beziehung zu arbeiten, in der einen eigentlich nichts mehr hält? Klar, Scheidungskinder haben es schwer: zwei Familien, zwei Wohnungen, zwei Weihnachtsfeste… wer wünscht sich das schon für das eigene Kind? Aber ist es wirklich besser, sich und seinem Kind etwas vorzuspielen?

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Das M in Mama steht für müde 😴 Das andere M auch 😅

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„Auf unbewusster Ebene merken Kinder schlechte Stimmung zwischen den Eltern immer“, sagt Familientherapeutin Stephanie Ernst aus Hamburg, „da ist es meistens besser, sich scheiden zu lassen. Es ist ja auch gar nicht die Trennung selbst, die Kindern emotionalen Stress bereitet. Es ist der Streit und die schlechte Stimmung vor und während einer Trennung, unter der Kinder leiden. Sie fühlen sich dann schuldig und werden in eine Loyalitätsposition gedrängt, müssen vermitteln und schlichten. Da ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schreck ohne Ende. Das allerwichtigste für Kinder ist immer authentisches Verhalten.“

Neben den Kindern schadet man sich natürlich auch selbst, denn schnell kann es passieren, dass man den Zeitpunkt sich zu trennen, ganz versäumt. Dann sind am Ende die Kinder aus dem Haus und man sitzt immer noch da in seiner unglücklichen Ehe. Da mag man sich früher noch so oft mit einem „18 Jahre noch, dann ist es überstanden“ getröstet haben. Verstrichene Zeit kann einem niemand wieder zurückgeben und Kindern Stabilität vorzuspielen, wo keine ist, fällt spätestens im Nachhinein auf. Ob Kinder dann dankbar sind, dass ihnen Sicherheit und Stabilität vorgespielt wurden, wo keine war? Ich bezweifle das sehr.

Meine Eltern haben mir wie gesagt vorgelebt, wie man Mama und Papa sein kann und dabei trotzdem noch Ehepartner, Freund und Komplize bleibt. Dass sie mir eine solche Beziehung überzeugend vorgelebt hätten, hätten sie zeitgleich heimlich über eine Trennung nachgedacht, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Wie soll das gehen, wenn man kein Schauspieler ist? Und selbst wenn – irgendwie ist es doch traurig, in seinem eigenen Leben eine Rolle zu spielen, die man gar nicht besetzen will.