Jeder kindliche Wutanfall ist eine Liebeserklärung an Mama!

„Wie bitte, sie nervt dich grad oft!? Also, sie ist so ein feines Mädchen – du weißt doch gar nicht, was ihr für ein Glück habt!“ „Sie war den ganzen Nachmittag toll gelaunt, kicher, und jetzt kommst du…“ „Sie ist so ein ruhiges Kind und der Sonnenschein hier in der Kita.“

Das alles hab ich schon gehört, und zwar nicht erst einmal.

Kennst du auch? Na, dann hoffe ich, dass ich nicht die einzige bin, die zwar stolz ist, klar! Aber auch immer einen kleinen Stachel fühlt: Sprechen die da wirklich von meinem Kind? Und wenn ja… Warum zeigt sie ihren umwerfenden Charme jedem anderen gegenüber in Vollzeit – während ich zu großen Teilen des Tages angezickt, angeschrien und (als sie jünger war) sogar gehauen und getreten werde?

Wie oft war ich in den letzten Jahren schon traurig oder wütend deswegen. Man gibt so viel für sein Kind, und das wirklich gerne. Man liebt es bedingungslos und möchte, dass es glücklich ist. Und was ist der Dank? Wie doof muss meine Kleine mich eigentlich finden, wie unglücklich muss sie sein, heul…

Inzwischen weiß ich aber (und schaffe es zumindest ab und zu, auch daran zu denken 😉 ), was da wirklich los ist.

Sagen wir mal so: Wir Mamas sind die Punchingbälle unserer Kinder.

Hört sich erstmal uncool an – ist aber eigentlich etwas Schönes. Denn unsere Kinder reißen sich große Teile des Tages „am Riemen“ und kooperieren quasi durchgehend. Das gilt besonders, wenn sie in die Kita gehen. Denn so schön es da auch ist, es gibt Regeln über Regeln. Na klar, muss es ja auch! Und unsere Kinder halten sie (meistens) ein, ob ihnen das nun überhaupt bewusst ist oder nicht. Aber auch, wenn sie woanders zu Besuch sind, Oma und Opa auf sie aufpassen, mit anderen Kindern spielen:

1001 Eindrücke für die kleinen Köpfe, 1001 Enttäuschungen, 1001 himmelschreiend ungerechte Gründe, wütend zu sein.

Und dann ist da auf einmal: Mama! Zum Glück! Da weiß man, was man hat. Mama ist toll! Mama ist mein zu Hause. Mama liebt mich, egal, was ist.

So denkt (oder vielleicht eher fühlt) ein Kind, dass eine gute Bindung zu seiner Mama hat. Eine Mutter ist häufig die engste Bezugsperson eines Kindes (all dies gilt natürlich auch für Papas).

Und genau deshalb entlädt sich an ihr auch manchmal der Frust des Kindertages. Das Kind weiß: Mama mag mich auch noch, wenn ich laut bin, trample und schreie. Sie meckert zwar sicher kurz, aber sie liebt mich auch noch und ist für mich da, wenn tobe und die Türen knalle. Wenn ich weinen muss, nimmt sie mich in den Arm. Wenn ich Angst habe, beschützt sie mich.

Also: Dieses „schlechte Benehmen“ ist zwar manchmal supernervig – aber eigentlich doch ein riesengroßes Kompliment.

Unser Kind vertraut uns blind, es kann sich bei uns entspannen und innere Spannungen abbauen. Es fühlt sich zu Hause sicher und geliebt. Wenn es das tut, haben wir vieles richtig gemacht in unserer Be- und Erziehung mit unserem Schatz.

Gerade habe ich aber übrigens noch eine ganz andere Erklärung gelesen:

Denn schon 2015 hat die Universität Bielefeld genau zu diesem Thema die Ergebnisse einer zwölfjährigen Studie veröffentlicht. Ihre Schlussfolgerung: Kinder verfolgen mit diesem Verhalten unbewusst ein genaues Ziel: das Testen der Belastbarkeit ihrer Mütter! Erträgt die Mutter dieses ganze Halligalli, sei sie für die Geburt eines weiteren Kindes geeignet. Leide sie aber extrem unter der Belastung, wird sie sich wahrscheinlich gegen weitere Nachkommen entscheiden. So entstehe eine natürliche Auslese, ein Phänomen, dass so schon immer in der Evolution zu finden sei.

Hmm, ich weiß irgendwie nicht genau, was ich von dieser Theorie halten soll – was meint ihr? 

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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