„Wir lebten unseren Traum – bis wir Sternchen-Mamas wurden.“

„Ihr lieben Echten Mamas! ♥

Da sitz ich nun und möchte unsere Geschichte erzählen. Doch wo genau fängt unsere Geschichte an? Vielleicht beginne ich einfach mal irgendwo am Anfang unserer Liebe.

2015 habe ich meine jetzige Ehefrau bei einem großen Zumba Event kennengelernt. Ich war Trainerin und sie kam seitdem zu jeder Stunde. Wir tanzten, lachten und schwitzen, lernten uns immer besser kennen. Als ich erfuhr, dass sie damals erst 16 Jahre jung war, wollte ich eigentlich direkt das Weite suchen. Heute machen wir uns immer darüber lustig und sagen, dass ich so jung aussah und sie so alt und irgendwo in der Mitte entstand einfach eine unsterbliche, bedingungslose Liebe, die kein Alter kannte.

Sie hat einfach nicht locker gelassen und so entstand unser Abenteuer, unsere Liebe.

Sie machte mir Mut, meine Träume zu leben und ermutigte mich, den lange unterdrückten Kinderwunsch wahr werden zu lassen. Ja, mit nur 16 Jahren wollte sie unbedingt eine Familie mit mir gründen. Sie war sehr reif und kümmerte sich schon seit der Geburt intensiv um ihren kleinen Bruder und sie wollte, dass ich aufhöre, mein Leben nach anderen Menschen auszurichten. Aufhöre, meine Träume zu vertagen und zu verschieben. Sie wollte unbedingt, dass ich ein Kind bekomme und auf absolut nichts mehr warte.

Und zwar so schnell wie möglich, denn immerhin war ich schon 36 Jahre alt. Ganze 20 Jahre älter als sie. Also recherchierte sie und ehe ich mich versah, hatten wir ein Beratungsgespräch via Skype mit einer Fertilitätsklinik in Dänemark. Alles war wie im Traum. Wir beide so unsterblich verliebt, überglücklich miteinander und einander gefunden zu haben, plötzlich auf dem Weg nach Dänemark – EIN BABY MACHEN. Meine Frau hat mich so stark gemacht wie ich nie zuvor war. Von Anfang an stand sie zu 100 Prozent zu mir, zu uns, zu unserem Kind.

Gott sei Dank standen auch unsere Familien hinter uns

Vivis Mutter hat direkt gesagt ‚Du bist alt genug und ich sehe doch wie verliebt du bist, was soll ich mich da einmischen?‘ Wahnsinnig toll von ihr! Unser Spender war schnell nach bestem Wissen und Gewissen ausgesucht und ZACK – hat meine Frau die Spritze abgedrückt und die Insemination war abgeschlossen. Voller Hoffnung reisten wir zurück nach Deutschland und hielten tatsächlich 2 Wochen später den positiven Test in unseren Händen!

Schon Versuch eins war ein Erfolg! Was für ein unfassbares Glück. Meine wunderbare Ehefrau (damals noch meine Freundin) bescherte mir eine wundervolle Schwangerschaft und im Sommer 2016 wurde unsere zuckersüße Tochter Emily geboren. Ein absolutes (Wunsch-)Kind der Liebe. Das Bonding hatte sie mit Mami, denn Mama (also ich) lag nach einer etwas dramatischen Geburt noch beim Zunähen, denn die Geburt endete nach 46 Stunden Wehen der Extraklasse leider doch mit einem Kaiserschnitt.

Wir genossen unsere Zeit als kleine Familie so sehr.

Leider durfte meine Frau unsere Tochter (noch) nicht adoptieren, da sie für das Gesetz erst 21 Jahre alt sein musste. Nun gut dachten wir uns, dann müssen wir halt warten, denn gleichberechtigte Mutterschaft gibt es leider immer noch nicht. Nur ich stehe in der Geburtsurkunde (so ist es leider noch heute). An Weihnachten 2018 haben meine Frau und meine Tochter mir einen Heiratsantrag gemacht, wie er romantischer nicht sein konnte. In einem Meer aus Kerzen und Rosenblättern warteten beide in unserem Wintergarten auf mich und Vivi hatte eine wunderschöne Rede vorbereitet.

Annamaria und Vivian feierten ihre Traumhochzeit

Annamaria und Vivian feierten ihre Traumhochzeit. Foto: Privat

Sie erklärte mir, wie sehr sie mich und uns liebt und machte mir mit Emmy zusammen den Antrag. Emmy trug dafür ein T-Shirt, auf dem stand ‚Mama, wollen wir Mami heiraten?‘ Am 18.08.2018 gaben wir uns das Jawort und heirateten unserer Tochter zu Ehren in Erdbeerkleidern. Am 19.01.2019 folgte eine freie, weiße Trauung und ab dem Moment war klar, dass nun endlich ein Geschwisterchen folgen soll und muss. Erneut sollte und wollte ich das Kind austragen, da es wohl das letzte Mal sein würde, dass ich in einen solchen Genuss kommen darf, allein schon wegen meines Alters.

Doch ab jetzt war unser Zauber gänzlich vorbei.

Unser Märchen, unsere perfekte Liebe, wurde ab jetzt auf die härtesten Proben gestellt. Wir planten Baby Nr. 2 und alles war sozusagen bereits ‚safe‘. Doch dann kam das echte Leben und aus allen Plänen wurde lange, lange nichts. Zwei Tage vor meinem Eisprung passierte es: Meine Mutter fiel nach einer schweren OP mit starkem Blutverlust ins Koma. Es folgten Monate des Hoffens, Weinens, Betens und Bangens. Mehrere Operationen, immer wieder Notarzt, immer wieder Lebensgefahr, immer wieder Not-OP.

Innerhalb dieser Zeit probierten wir zwar irgendwann auch wieder schwanger zu werden, auch in Dänemark, aber unter diesen Umständen wollte das Glück einfach nicht auf unserer Seite sein. Erst als es meiner Mutter endlich wieder besser ging, beruhigte sich auch mein Zyklus. Trotzdem waren viele Monate seitdem vergangen. Nachdem wir in Dänemark einfach kein Glück hatten, besprachen wir mit einem guten Freund von uns, ob er sich als Samenspender per Becherspende bereit erklären würde, uns bei unserem Wunsch zu unterstützen. Und das tat er.

Im November 2019 war ich dann endlich wieder schwanger.

Wir dachten, wir hätten endlich wieder Glück, nach all der schweren Zeit und dem Pech, das wir erlebt hatten. Doch unser Leid sollte leider noch lange kein Ende finden. Die Frühschwangerschaft war geprägt von sehr viel Stress im Berufsleben und meiner Auffassung, das alles irgendwie packen zu müssen. Ich habe mich geschämt, schwanger den Anforderungen meines Berufs (ich bin Pflegedienstleiterin) nicht mehr gewachsen zu sein. Ich spürte, dass es mir irgendwie nicht gut ging, aber ich spürte auch einen enormen Druck, da sein zu müssen. War es Burnout? War ich einfach nur bekloppt, ich weiß es nicht…

Ich machte mir viele Sorgen, wie meine Kollegen reden würden, wenn ich bei der Arbeit ausfallen würde. Immerhin habe ich beim ersten Kind bis zum Mutterschutz durchgehalten und sogar noch von zu Hause aus weitergearbeitet. Und jetzt, mitten in der Corona-Krise, einfach das Handtuch zu werfen, war für mich irgendwie keine Option. Loyalität war für mich ein so wichtiger Begriff. Dennoch war klar, egal, was kommt, unser Baby steht immer an erster Stelle.

Und unser kleines Baby in mir sagte nun klar ‚STOPP Mama!‘

‚So kann das das nicht weitergehen mit uns.‘ Irgendwann war auch mir klar: Ich muss kürzer treten. Das stand fest. War es bereits zu spät? Als sich eine meiner engsten Arbeitskolleginnen im Februar 2020 das Leben nahm, nahm unser Drama endgültig seinen Lauf. Ich konnte meine Gedanken nicht mehr unter Kontrolle bringen, ich hatte Blutdruckkrisen und es war klar, ich muss unbedingt gesund werden und nur noch an MICH und unser Baby denken.

Ich war also nun erst mal krankgeschrieben, aber unser Gesundheitszustand verschlechterte sich leider trotzdem. Ich war gerade mal in der 20. SSW, also erst die Hälfte war geschafft, als sich der Himmel immer mehr über uns zusammenzog. In der Feindiagnostik erfuhr ich, dass ich einen kleinen Sohn bekommen werde. Wegen der Corona-Maßnahmen war ich ganz allein mit einer fremden Ärztin, die mir nun erklärte, dass unser Sohn sehr lebendig sei. Zwei Ohren, zwei Beine, zwei Arme, zwei Nieren, 10 Fingerchen. Alles da, was er brauchte. Ich weinte vor Glück, einsam unter meiner Maske. Ein Riesenstein fiel mir vom Herzen.

Und dann folgte das große ABER.

Zu meinem großen Schrecken erklärte die Ärztin mir dann, dass mein Kind dennoch in absoluter Lebensgefahr sei und sie nicht wisse, wie meine Schwangerschaft enden wird. Akute Plazentainsuffizienz und schwere Präeklampsie.Sofortige Krankenhauseinweisung. Laut Berechnungen wäre mein Kind, so munter er dort auch schwimmt, ca. vier Wochen zurück in seiner Entwicklung. Es musste alles getan werden, um ihn irgendwie zu retten und die Schwangerschaft so lange wie möglich zu halten. Das hätte ich niemals erwartet.

Ehe ich mich versah, befand ich mich in Einzelhaft im Krankenhaus. Ganz allein. Mutterseelenallein. Ohne Besuch, ohne Kontakt zur Außenwelt, denn mein Blutdruck reagierte sofort darauf, wenn ich angeschrieben wurde oder gefragt wurde, wie es mir geht. Also übernahm meine Frau die Korrespondenz nach außen und ich versuchte, mich an den Rat des Chefarztes zu halten und pflegte nur Kontakt zu meiner Frau.

Fast drei Wochen lang schwebten wir zwischen Hoffnung und Todesangst.

Dann gab mein Körper einfach auf, all die schweren Symptome forderten ihren Tribut und das Blut lief unaufhaltsam aus mir raus. Nichts, aber auch gar nichts konnte noch verhindern, dass er nun geboren wird. So unreif. Viel zu früh. Ich, nun plötzlich ein akuter Notfall in Vollnarkose, so weit weg von meinem Sohn, der meinen Schutz brauchte, der nun so hilflos in diese Welt geboren wird. Wenigstens jetzt durfte meine Frau an meiner Seite sein und kämpfte 55 Minuten um und mit unserem Sohn. Dann hörte sein kleines Herz auf zu schlagen und er durfte bei seiner Mami auf der Brust in den Himmel reisen.

Der 11. April 2020 veränderte für immer unser Leben. Einen Tag vor dem Beginn des 7. Monats hat unser kleiner Sohn Luigi 💚 uns verlassen und ist gestorben. Während meine Frau dort so mit ihm lag, fiel ihr wieder dieses endlose und entwürdigende Adoptionsverfahren ein. Sie überlegte: Was, wenn mir etwas geschieht im OP, nehmen sie ihr dann auch unserer Tochter weg? Seit Monaten lief das Verfahren bereits und es war (und ist) kein Ende in Sicht.

Auch heute noch warten wir, fast ein Jahr nach Luigis Tod.

Du musst zum Notar, zum Jugendamt, zum Familiengericht, musst Begehungen und Prüfungen über dich ergehen lassen, Lebensberichte und Lebensläufe schreiben, Schufa-Auskünfte und Gehaltsnachweise einreichen. Immer in der Hoffnung, dass dein Kind auch auf dem Papier dein Kind wird! Dieser Irrsinn begleitet uns nun seit über einem Jahr. Während all dieser Zeit unserer Trauer und all den Monaten in der Dunkelheit kam uns irgendwann die Idee, unsere ganzen Geschichten zu erzählen, so ganz und gar und möglichst lebendig.

Also entschied ich mich, (m)ein Buch zu schreiben. Über all das Geschehene und all das, was noch kommen mag. Auf diesem Weg fingen wir dann auch das Bloggen auf Instagram an und nehmen seither alle gern mit, die uns auf unserer Reise durch Trauer und Leid, aber auch neuer Hoffnung, niemals Aufgeben und ganz viel Spaß begleiten möchten. Wir stehen für Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz. Wir reden über unerfüllten Kinderwunsch, Endometriose, verklebte Eileitern und hunderten misslungenen Versuchen, ein Baby zu bekommen.

Die beiden Frauen kämpfen seit über einem Jahr dafür, dass Vivian auch auf dem Papier Emilys Mutter wird.

Die beiden Frauen kämpfen seit über einem Jahr dafür, dass Vivian auch auf dem Papier Emilys Mutter wird. Foto: privat

Die Probleme, die eine Regenbogenfamilie auch heute noch erleben muss, werden auf unserem Kanal besprochen und mit unserer Community geteilt.

Wir möchten mit dem Buch anderen Frauen und Sternenmamas Mut machen und sie aus dem Loch holen, in dem wir selbst Monate festgesteckt haben. Ich beschreibe deswegen, wie ich trotz allem zurück zu mir und vor allem meinem Humor gefunden habe. Ich erzähle mit einer großen Portion Selbstironie, was ich aus alldem gelernt habe und wofür es gut war. Denn alles hat einen Sinn, davon bin ich überzeugt. Diese innere Erkenntnis hat sich inzwischen tief in mir verwurzelt. Auch, als wir im gleichen Jahr wieder ein Regenbogenbaby im 3. Monat gehen lassen mussten, nur zwei Tage vor Heiligabend, habe ich akzeptiert, dass Gott manchmal harte Prüfungen für einen bereit hält.

Und wenn es nicht Gott ist, dann eben der Teufel, verdammt noch mal!

Das Buch ist, auch wenn man sich das kaum vorstellen kann, auf eine humorvolle Art geschrieben, denn das Thema an sich ist schon traurig genug. Darum wird mein Buch auch heißen ‚Ach du Scheiße, die Rampensau hat Depressionen.‘ Dennoch werden den Lesern bestimmt auch die Tränen kommen, denn auch diese Gefühle wollen gefühlt werden. Wenn ihr Lust habt, uns besser und näher kennenzulernen und ihr mich vielleicht sogar begleiten wollt auf meinem Weg bis in den Bundestag, wenn ich nämlich die erste Homoministerin werde, dann schaut doch bei uns vorbei: Mamami.Team.Pingubeere. Du bist herzlich willkommen! So, wie du bist! 😊“


Vielen Dank, liebe Annamaria, dass du uns deine Geschichte erzählt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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