„Wieso werden kleine Kinder permanent mit Snacks vollgestopft?”

„Hallo, ich bin etwas älter als die meisten hier, meine Kinder sind schon volljährig, ich lese also eher als zukünftige Omi mit. Trotzdem finde ich viele Themen spannend, es hat sich ja doch einiges verändert in den letzten 20 Jahren. Eine Sache würde ich hier gerne mal zur Diskussion stellen:

Ist es normal, dass Kinder heute ständig etwas zu essen bekommen?

Mir kommt es fast so vor, als hätte ich schon ewig kein kleines Kind gesehen, dass nicht gerade einen Butterkeks oder einen Hirsekringel in den Mund geschoben bekommt. Im Supermarkt neulich hält das Kleinkind neben dem Hirsekringel auch gleich noch eine Brezel in der Hand, die es vor dem Bezahlen schon mal essen durfte. 

In der Bahn habe ich mehrmals junge Eltern gesehen, die ihren Kindern die mitgebrachten Snacks geradezu panisch aufdrängten: ‚Jetzt iss doch was, du musst doch Hunger haben!‘ Bei ihren Bemühungen das Kind zum Essen zu ermuntern, breitete eine Mama eine beachtliche Ansammlung von mitgebrachten Vorräten aus: Quetschies, Weintrauben, Weingummi, Waffeln. Verstehe ich nicht, woher kommt dieser Trend, die wohlgenährten Kinder ständig zum Essen zu animieren?

Da wundert es mich wirklich nicht, dass die Menschen in Deutschland immer dicker werden.

Ich stelle es mir furchtbar umständlich vor, ständig eine Tasche voller Snacks dabei zu haben, die ich meinem Kind dann immer wieder aufdränge. Es ist schon ein paar Jährchen her, aber ich bin mir sicher, dass meine beiden den Ausflug zum Spielplatz damals auch ohne Babykekse und Gummibärchen gut überstanden haben. Gegessen wurde dann zuhause – gemeinsam am Tisch. Ich glaube nicht, dass sie darauf noch Lust gehabt hätten, hätte ich sie unterwegs permanent mit Essen vollgestopft.

Was ich aber sicher weiß: Wenn ich Leckereien mitgenommen und damit vor ihrer Nase herumgewedelt hätte, dann hätten sie sie bestimmt auch gegessen und irgendwann sogar eingefordert. Schmeckt schließlich gut, auch wenn man eigentlich keinen Hunger hat. Das heißt aber doch nicht, dass sie die ungesunden Kalorien unbedingt brauchen, oder?

Natürlich gab es bei uns auch ab und zu mal Süßes.

Einfach so, weil es lecker ist. Zum Beispiel dann, wenn wir mit der Familie einen Ausflug gemacht haben, Geburtstage feierten oder im Urlaub waren. Aber das waren besondere Anlässe, im Alltag waren solche Snacks und Zwischenmahlzeiten meistens nicht nötig.  Und ich habe nicht das Gefühl, dass meine Kinder etwas vermisst haben.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beschleicht mich ein Verdacht: Hat es vielleicht etwas damit zu tun, die Kleinen bei Laune zu halten? Wer etwas Leckeres im Mund hat, kann diesen schließlich nicht zum Quengeln benutzen.

Oh, ich erinnere mich noch gut an die kurzen Nächte.

Ich kann es wirklich keiner Mutter und keinen Papa übelnehmen, die sich nach ein paar Sekunden zum Durchatmen sehnen. Ich habe meinen Kindern früher den Schnuller gegeben, das scheint nicht mehr so angesagt zu sein bei jungen Eltern. Dafür jetzt Dinkelkekse und Schokoriegel? Es wirkt auf mich ein wenig befremdlich.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Meinung anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Mama
Mama
1 Jahr zuvor

Kleine Kinder und generell Kinder sollten eher 5 Mahlzeiten zu sich nehmen. Frühstück, Vormittag, Mittag, Nachmittag und Abend. Natürlich nicht jedes Mal ein dickes Menü, sondern vormittags und nachmittags Snacks. Gesunde im besten Fall. Aber ganz normal.

Im Kindergarten und der Schule wird in der Pause auch nochmal gefrühstückt, obwohl sicher die meisten Zuhause bereits gefrühstückt haben.

Selbst ich als erwachsene esse nicht eisern nur 3 mal am Tag, sondern auch gerne zwischendurch oder trinke einen Milchkaffee zb.

Sehe da absolut kein Problem und finde es viel verrückter sich an 3 Mahlzeiten zu bestimmen Zeiten zu halten, nur weil das die vorgegebenen Zeiten sind.

Das ist wirklich absolut alte Schule! Früher war nicht alles besser! 😉

Ele
Ele
1 Jahr zuvor

Hallo, ich gehöre zur aktuellen müttergeneration und ich finde das auch seltsam. Ich versuche möglichst Obst oder Gemüse dabei zu haben zur Not. Allerdings stinke ich mit meinen gesunden Snacks meist gegen die anderen Snacks ab.
Ich bin mal direkt nach dem Mittagessen mit meinem Sohn um die Ecke auf den Spielplatz. Wirklich höchstens 3 fußminuten und natürlich habe ich nix eingepackt. Da haben wir eine Mutter aus der Krabbelgruppe getroffen die hatten so komische käsebällchen dabei. Klar wollte mein Sohn die sofort. Und einen blöden Spruch habe ich auch noch kassiert…

Sunny
Sunny
1 Jahr zuvor

Also ich Teile ihre Meinung.
Die Kinder bekommen zuhause ihre Haupt Mahlzeiten. Und unterwegs muss nicht unbedingt was gegessen werden.. Mittlerweile sind meine großen in der Schule. Und wenn wir sie aus dem Ganztag abholen 15:00 und dann nach Hause gehen, haben sie um 12:30 Mittag gegessen.
Das sind sehr kleine Portionen für unsere Mädels, da sie gute Esserinnen sind 😅 aber wenn dann mal der Bedarf ist, dass sie noch etwas Essen möchten bevor ich um 18:00/18:30 das Essen fertig habe,(ja meine Kinder Essen 2x am Tag warm) dann Essen sie meinst ihre Brot Dose vom Schultag auf bevor die Hausaufgaben gemacht werden.

Antje
Antje
1 Jahr zuvor

Abgesehen von den schon rein praktischen aufgeführten Punkten von Laura, dass man auch einfach Zeit überbrücken muss etc, würde ich die Ursache auch mal eher in der einen ständig bewertenden Gesellschaft sehen!

Mein Kind ist noch zu jung zum snacken und bekommt noch nichts anderes außer Milch, bin selbst also noch nicht betroffen. Aber man kann ja egal wo man ist immer die selbe Beobachtung machen..
Quengelt ein Kind zb beim Einkaufen, in der Bahn oder auf der Straße wird die Mutter immer mit abschätzigen Blicken überhäuft. Gerne auch ein Kommentar zum Nebenmann wie unerzogen das Kind doch wäre.
Oder auch zu verwöhnt und es würde ja nur meckern, weil es wahrscheinlich seinen Willen nicht bekommt. (Von vernünftiger Begleitung der Autonomiephase hatte man früher ja auch eher weniger gehalten..)
Als Mutter macht man generell ja eh immer alles falsch in den Augen fremder Leute ohne jegliches Hintergrundwissen zur Familie und so.
Kein Wunder also, wenn man versucht das Kind vielleicht etwas abzulenken oder „ruhig zu stellen“.

Die Frage ist also eher, warum nehmen sich immer alle das Recht raus andere zu beurteilen und zu bewerten? Bzw haben den Drang das zu tun und auch noch zu äußern?
Und das gilt egal in welchem Bezug…nicht nur bei Erziehung anderer Kinder, sondern auch bei Fragen wie Job, Lebensführung etc.

Last edited 1 Jahr zuvor by Antje
Masile
Masile
1 Jahr zuvor

Die Empfehlungen haben sich einfach geändert.
Heute gibt man seinen Kindern nicht nur 3 Mal am Tag eine Riesenmahlzeit. Sollte man als Erwachsener im übrigen auch nicht tun. Stattdessen je nach Alter des Kindes, 5 Mahlzeiten und lieber etwas weniger.
Im Waldkindergarten essen die Kinder in den kälteren Monaten sogar alle 2 Std und das ist auch wichtig, da die kleinen Kerle noch viel mehr Energie verbrauchen und weniger Reserven haben.
Im übrigen habe ich den Eindruck, dass die Kinder der Eltern die auf regelmäßiges Essen achten und ihren Kindern dann Hirsekringel und Apfelstücke anbieten deutlich seltener Ernährungsprobleme haben, als solche Kinder aus Familien in denen den ganzen Tag gehungert wird und dann zum Abendbrot Massen an Kalorien zu sich nehmen.

Laura
Laura
1 Jahr zuvor

Zeiten ändern sich wirklich und ja, der Schnuller wird heute eher versucht zu vermeiden, aber nicht kategorisch abgelehnt.
Zum ständigen Snacken… Wenn ich mein 2jähriges Kind um 15 Uhr bei der Tagesmutter abhole, dann ist der Mittagsschlaf gerade vorbei, gegessen wurde um 12:30 und wir gehen jetzt auf den Spielplatz, kommen wohl so um 18 Uhr nach hause, dann Abendbrot. Nicht mal ich halte das gut gelaunt ohne Zwischenmahlzeit aus, also gibts Äpfelchen, vielleicht eine Banane und Salzstangen im Buggy auf dem Weg zum Spielplatz. Jetzt kommt hier noch erschwerend hinzu, dass das Kind extrem wenig isst und sehr aktiv ist. Ich hatte also auch schon das Gespräch mit meiner Schwester „kein Wunder, dass sie keine Hauptmahlzeiten isst, wenn du ihr ständig was zwischendrin anbietest“ – aber natürlich hab ich diesen Gedanken auch schon gehabt und hatte dann ein mauliges Kind, was trotzdem zu wenig gegessen hatte. Jetzt sind natürlich nicht alle Kinder, die unterwegs Hirsekringel und Brezeln in der Hand haben auch zuhause schlechte Esser*innen, aber die zufrieden-stell-Komponente ist ja auch nicht unerheblich. Auf dem Rückweg vom Spielplatz muss ich nämlich vielleicht noch das große Geschwisterkind auf dem Roller hinter mir herziehen, weil doch alle müde und hungrig sind und bevor die Stimmung kippt, gibts lieber schnell einen Hirsekringel, der macht ja auch nicht satt und soll nur über die Heimwegstrecke verhelfen, denn ich hab keine Lust auf ein schreiendes Kind, was sich wütend halb aus dem Buggy wirft. Denn die gute Laune muss ja nicht nur bis zur Haustür halten, sondern bis das Essen auch auf dem Tisch steht.
Und beim Einkaufen… Wir sollten ja auch nicht hungrig einkaufen 🙂 und bevor ich an den Süßigkeiten vorbei muss, drück ich den Kindern lieber eine Brezel in die Hand!