Wenn Kinder sterben: „Ich stelle mir meine Mädchen im Himmel vor.”

Manche Mamas müssen Schicksale verkraften, die so traurig sind, dass es kaum zu ertragen ist. Eine davon ist Tracy Umezu, die zwei ihrer drei Töchter gehen lassen musste. Sie erzählt ihre Geschichte dem Magazin Today.

Wenn du dich gerade nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen möchtest oder Beschreibungen von Verlusterfahrungen für dich einen Trigger darstellen, raten wir dir davon ab, den folgenden Beitrag zu lesen.

Als Tracy ihre kleine Sophie zur Welt bringt, ist sie überglücklich. Schon bald stellt sie fest, dass sie es liebt, Mutter zu sein und so entscheiden sie und ihr Mann sich dazu, ein weiteres Kind zu bekommen. Zwei Jahre später wird Tracy erneut schwanger und bekommt eine zweite Tochter, die sie Charlotte nennen. Die Familie ist überglücklich, Tracy hat das Gefühl, endlich im Leben angekommen zu sein.

Charlotte stirbt an den Folgen einer seltenen Krankheit

Doch dann gehen die Anfälle los: Immer wieder erleidet Charlotte schlimme Krämpfe. Irgendwann steht fest, dass das kleine Mädchen an einer seltenen Form der Epilepsie leidet, die meistens tödlich verläuft. Mit drei Jahren stirbt das kleine Mädchen an den Folgen seiner Krankheit. Tracy ist am Boden zerstört.

Besonders hart trifft sie das zweite Jahr der Trauer: „Während ich mich im ersten Jahr nach Charlottes Tod betäubt fühlte, kamen im zweiten Jahr plötzlich alle Gefühle hoch. Ich dachte an all die schönen Weihnachtsgeschenke, die ich ihr noch hätte machen können. An die tollen Dinge, die sie noch hätte erleben können und daran, wie viele Umarmungen ich ihr noch hätte geben wollen. Das zweite Jahr entfernte mich so weit von ihr.”

Die Angst vor dem Vergessen

Direkt nach dem Tod ihrer Tochter hätten die Leute um sie herum ständig von Charlotte gesprochen, sie immer wieder erwähnt. Im zweiten Jahr wird alles stiller: „Ich erinnere mich immer noch gut daran, wie weich ihre Haut war, an ihre kleinen Löckchen. Aber kann ich mir auch noch das Gefühl in Erinnerung rufen, wie es war, ihre Hand zu halten?” Mit dem zweiten Jahr ist plötzlich die Angst da, zu viel aus der Zeit mit ihrer kleinen Tochter zu vergessen.

Nach einem Jahr Trauer entscheiden Tracy und ihr Mann, ein weiteres Kind zu bekommen. Sie hatten sich immer drei Kinder gewünscht, aber während Charlottes Krankheit sei dafür kein Platz in ihrem Leben gewesen. „Es war eine schwierige Entscheidung, denn letztendlich wollte ich meine Charlotte zurück, ich wollte sie. Ich machte mir auch Sorgen, dass die anderen denken würde, dass wir versuchen würden, sie zu ersetzen – aber wie mein Vater immer sagte: ‚Wen kümmert es, was irgendjemand denken könnte?‘

„Wir entschieden uns, nach vorne zu blicken.”

Da Tracy auf die 40 zugeht, bleibt dem Paar auch nicht mehr allzu viel Zeit, um ihre Familie zu vergrößern. „Wir haben so viel Liebe zu geben und ich liebe es, Mutter zu sein. Also entschieden wir uns, nach vorne zu blicken.” Obwohl sie zuvor immer schnell schwanger geworden ist, dauerte es dieses Mal über ein ganzes Jahr, bis es endlich klappt. Als Tracy und ihr Mann erfahren, dass sie endlich schwanger sind, haben sie das Gefühl, ihr Leben würde sich nun endlich wieder zum Guten wenden.

Der Frauenarzt teilt ihnen sogar mit, dass gleich zwei kleine Engel in Tracys Bauch heranwachsen, doch schon in der 8. SSW hört das Herz von einem der Kinder auf zu schlagen. Aber das andere Baby entwickelt sich gut und schenkt Tracy und ihrem Mann neuen Mut. In der 20. SSW macht die werdende Mama ihre Schwangerschaft offiziell, bereit für das neue Wunder, dass in ihr entsteht.

In der 28. SSW gibt es plötzlich Auffälligkeiten

Alles lief super, der Bauch wuchs und das Baby entwickelte sich gut – bis 28. SSW. „Plötzlich hatte ich einen leicht erhöhten Blutdruck und Eiweiß in meinem Urin, beides Anzeichen für eine Schwangerschafts-Hypertonie. Die Ärzte verordneten mir Bettruhe und ich hielt mich daran. Mein Blutdruck kam nie in einen gefährlichen Bereich – und glaubt mir, ich habe ihn zu Hause genau überwacht.

Zweimal die Woche war ich beim Ultraschall und jedes Mal sah alles gut aus. Wir erfuhren endlich, welches Geschlecht unser Baby hatte und freuten uns unglaublich, dass wir ein kleines Mädchen bekommen werden.” Die Kleine in Tracys Bauch hält ihre Mama in der Schwangerschaft auf Trab, ständig spürt sie Bewegungen und Tritte. Dass ihr Kind so aktiv ist, gibt Tracy ein gutes Gefühl.

Tracy gibt endlich der Freude Raum

Sie lässt es zu, dass sie sich auf ihre kleine Tochter freut, glaubt endlich wieder daran, dass auch Gutes für sie bestimmt ist. Manchmal liegt Tracy still da, verfolgt die Tritte in ihrem Bauch und malt sich aus, wie sich der erste Schrei ihrer kleinen Tochter wohl anhören wird.

„Ich stellte mir vor, wie es sein würde, sie zu halten, zu fühlen und den Neugeborenengeruch einzuatmen. Vor allem stellte ich mir Sophie mit ihrem Geschwisterchen vor. Meine Große war mehr als aufgeregt, noch einmal eine Schwester zu bekommen.”

Aus dem Nichts verschlechtert sich Tracys Zustand.

Sie ist bereits in der 33. Schwangerschaftswoche, als sie abends beim Fernsehen bemerkt, dass sie benommen ist. Ihr ganzer Körper fühlt sich seltsam an, als würde er nach und nach einschlafen. In Panik ruft sie ihren Mann, der den Notarzt alarmiert. Noch bevor dieser eintrifft, verliert Tracy ihr Bewusstsein, bekommt kaum noch mit, was um sie herum geschieht.

Im Krankenhaus wird sie mehrfach operiert, wie sie später erfährt. Ihr Mann und die Ärzte müssen um ihr Leben bangen, denn Tracy verliert unglaublich viel Blut. Doch sie überlebt – anders als das kleine Mädchen in ihrem Bauch. Die Ärzte erklären Tracy, dass sie eine schwere und schnelle Plazentaablösung erlitten habe. Ihre Tochter habe es nicht geschafft.

„Sie haben eine wunderschöne Tochter.”

Per Kaiserschnitt wird ihre Tochter still geboren und als die Krankenschwester ihr sanft verkündet „Sie haben eine wunderschöne Tochter”, ist nicht der Schrei eines Neugeborenen zu hören, sondern nur Tracys unkontrolliertes Weinen. „Wie konnte das passieren? Sie war doch unser kleines Wunder, unsere ganze Freude. Unser Baby kann nicht tot sein.”

Tracy wünscht sich nichts mehr, als die Zeit zurückzudrehen. Am liebsten würde sie vor ihrem Schmerz davonlaufen, ihr Gehirn begreift einfach nicht, dass sie noch einmal ein Kind begraben wird. Sie und ihr Mann halten ihre kleine Tochter im Arm und verabschieden sich. Sie geben ihr den Namen Maggie.

Ein zweiter, unvorhersehbarer Schicksalsschlag hat die Familie getroffen

„Sie sagten, dass sie wahrscheinlich gesund sei und dass sie innerhalb weniger Minuten nach dem Ablösen der Plazenta zu Hause friedlich und schmerzfrei gestorben sei. Ich hatte einfach Pech und eine seltene und unvorhersehbare Komplikation. Es kommt öfter vor, dass sich die Plazenta löst, aber meistens nicht vollständig, sodass die Babys überleben können. Es war einfach ein weiterer unberechenbarer Zufall, so wie die Krankheit ihrer Schwester Charlotte.”

Innerhalb von zwei Jahren verlieren Tracy und ihr Mann also zwei ihrer Töchter, für die Familie ist das kaum zu begreifen. „Ich weiß, dass wir mit dieser Art von Verlust nicht allein sind, es gibt viele Eltern, die mehrere Kinder verloren haben. Doch sie war unsere Hoffnung, sie hätte so viel Freude in unser Leben zurückgebracht, aber aus irgendeinem Grund, den ich nie verstehen werde, brauchte Gott sie wieder im Himmel. Manche Dinge kann unser menschlicher Verstand nicht begreifen, aber diese Erkenntnis kann den tiefen Schmerz meiner Seele nicht heilen.”

Inzwischen ist der eigentliche Geburtstermin der kleinen Maggie längst verstrichen. Eigentlich sollte Tracy ein gesundes Baby in den Armen halten, dass ihr und ihrer Familie wieder Mut gemacht hätte. Stattdessen besucht die kleine Familie nun regelmäßig die Gräber ihrer verstorbenen Mädchen.

Um ihre Trauer zu ertragen, schreibt Tracy an ihr verstorbenes Baby:

„Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich mehr liebe als das Leben selbst, und wenn ich etwas hätte tun können, um dich zu retten, hätte ich es getan (…). Die Liebe einer Mutter ist schwer in Worte zu fassen, aber während ich schreibe, wie sehr ich dich liebe, kann ich fühlen, wie sie durch meine Seele strömt. Eine brennende Flamme, die sich entzündet, sobald dein Leben beginnt.

Ich stelle mir Charlotte und dich da oben im Himmel vor, wie ihr um die Wette rennt und spielt. Ich kann das Kichern von euch Mädchen hören, das über die Grenzen des Himmels hinaus hallt. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, Baby, dass es einfach nicht deine Zeit war, um in meinen Armen zu sein, dass du Zeit hattest, ein Leben auf Erden zu haben.

Aber sei dir sicher, dass unsere Liebe zu dir keine Grenzen kennt und den Himmel durchdringt. Ich hoffe, du fühlst das. Bitte schenke Charlotte die größtmögliche Umarmung von mir. Wir lieben euch mehr, als Worte ausdrücken können.”

Die Worte der trauernden Mutter gehen mitten ins Herz. Wir wünschen der Familie alles Liebe und viel Kraft für die Zukunft.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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