Weihnachtsessen in britischer Schule: „Yummie, Vorhaut auf Brötchen“

Das „ganz besondere“ Weihnachtsessen in der Mensa der Schule seiner beiden Töchter konnte Ciaran Walsh aus Steyning (West Sussex) dann doch nicht unkommentiert lassen:

Tatsächlich bietet das Bild einen eher traurigen Anblick. Ein in Speck eingewickeltes Würstchen auf einem ungerösteten Toastbrötchen aus der Tüte, dazu ein blassrosa Lappen (Truthahnfleisch) drapiert. „Sieht wie Vorhaut auf einem labbrigen Brötchen aus“, lautet dementsprechend ein Kommentar. Der grüne Block ist übrigens ein gepresstes Stück Truthahn-Füllung. Ein weiterer Kommentar: „Würde dieses Essen im Knast serviert, gäbe es einen Aufstand.“ Vielleicht ein kleiner Trost: Auf dem Bild ist immerhin auch noch ein Mince Pie zu sehen – eine typisch britische Weihnachtsspezialität.

„Ich hatte den Eindruck, dass ein Großteil des Zeugs in dem Müll landete. Die meisten Kids reagierten ungläubig auf das Angebot. Du willst doch immer das deine Kinder das Beste bekommen – und Weihnachten gehört ein besonderes Essen dazu. Aber dieses war nicht auf die richtige Art besonders“, so Walsh.

Auf Facebook teilte Kelly Verstappen das Erlebnis  der speziellen Art:

Kommentar eines Nutzers: „Sieht wie etwas aus, das im Anatomiekurs übriggeblieben ist.“

„Leere Teller und glückliche Gesichter“

Die Schule selbst hatte das Weihnachtsessen in den sozialen Medien zunächst als Erfolg hingestellt. Angeblicher Beweis: „leere Teller und glückliche Gesichter“ bei den Schüler*innen. Doch nachdem Walshs Beitrag für viel Wirbel gesorgt hatte, ruderte die Schule auf Nachfrage von The Guardian zurück. Nun hieß es, unvorhergesehene Probleme in der Lieferkette und der coronabedingte Personalmangel wären für den Reinfall verantwortlich. Die Schule entschuldigte sich bei den Betroffenen und bot an, die Essenskosten von jeweils 3,50 Pfund (derzeit ca. 4,10 Euro) zu erstatten.

Die Resonanz auf seinen Twitter-Beitrag überwältigte offenbar auch Walsh selbst. Später erklärte er versöhnlich: „Es ist eine gute Schule, meine Kinder sind glücklich dort. Dieser Lunch war offensichtlich nicht ihre Glanzstunde, aber uns allen misslingt mal etwas. Also seid bitte nicht zu harsch.“

Kein Happy Brexmas in Großbritannien

Unvorhergesehene Probleme in der Lieferkette? Da klingelt doch etwas. Das Weihnachtsessen könnte nämlich in diesem  Jahr in ganz Großbritannien weniger festlich als sonst ausfallen. Die Queen hat ihren traditionellen Festschmaus sogar schon abgesagt – was aber eher Corona geschuldet ist. Ansonsten setzt der Brexit der Insel gerade mächtig zu: Leere Regal in Supermärkten, kein Benzin an den Tankstellen. Die Landwirte kämpfen, weil ihnen die Arbeitskräfte fehlen, von denen nicht wenige aus Osteuropa kamen. Die Ernte wird schlechte, Tiere können nicht ordentlich versorgt, bzw. geschlachtet werden. Sogar die Helfer beim Weihnachtsbaumverkauf kamen aus EU-Ländern. Ebenso wie viele der Fahrer, die sonst die Bäume — überwiegend aus Schottland – herankarrten. Selbst der Alkohol wird knapp, mit dem man sich die Lage hätte schöntrinken können.

Damit der klassische Mittelpunkt der festlichen Tafel gesichert werden kann, sollen Truthähne aus Polen und Frankreich importiert werden. Wie bitte? Die fiese EU soll den Briten Weihnachten retten? Das hat was. Und nein, da schwingt keine Schadenfreude gegenüber den Menschen mit – schon allein weil einige gerne „drin“ geblieben wären –  vielleicht aber doch gegenüber einer Regierung, die zu viele ihre Bürger mit dreisten Lügen geködert hat.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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