Weight Watchers launcht Diät-App für Kinder: „Kurbo“ soll Kids beim Abnehmen helfen

WW, früher „Weight Watchers“, hat die Diät-App „Kurbo“ für Kinder herausgebracht, die Kids gesundes Essen näher bringen soll. Das stößt bei Eltern und Experten auf massivem Gegenwind.

Das Programm will helfen, Kindern und Jugendlichen von acht bis 17 Jahren gesunde Ernährung und einen sportlichen Lebensstil zu vermitteln. Die App wurde in Zusammenarbeit mit einem Team der Abteilung für Kindergewichtskontrolle der Stanford Universität entwickelt. Sie soll Kinder dazu anhalten, ihren „Lebensstil zu verändern“.

Diät-App für Kinder mit Ampelkennzeichnung und Sport

Sie unterscheidet sich deutlich vom Weight-Watchers-Programm für Erwachsene, das bekanntlich das Essen in Punkte einteilt. Stattdessen kommt die Lebensmittelampel zum Einsatz, die in ganz Europa zur Kennzeichnung von Lebensmitteln diskutiert wird. Rot sind Süßigkeiten, Junkfood und Softdrinks, grün sind Obst und Gemüse. Die Benutzer geben ein, was sie essen und sehen, welche Farbe das Lebensmittel hat. Ist es grün, sollen sie so viel davon essen dürfen, wie sie wollen. Gelb bedeutet, es ist ok in normalen Mengen und scheint die Farbe Rot auf, sollten sie nochmal darüber nachdenken, ob und wie viel sie davon essen wollen.

Außerdem gibt es Hilfe dafür, sein Leben aktiver zu gestalten, Meditationsübungen und einen „Coach“, mit dem man wöchentlich 15 Minuten Videochat bekommt. Die sind keine Ernährungsberater, sondern persönliche Berater, versichert WW. „Sie sprechen über Body Positivity, wie man mit Stress und Vorurteilen umgeht und andere, praktische Dinge“, so Gary Foster gegenüber US-Medien.

Leider hat WW es nicht dabei belassen, sondern noch ein Belohnungs-Programm in die App eingebaut. Dort gibt es Punkte für Gewichtsverlust und Erfolg bei sportlichen Aktivitäten.

Mädchen mit Smartphone

Kurbo: Die Diät-App für Kinder von WW soll das Essverhalten positiv beeinflussen.
Foto: Bigstock

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„Extrem gefährlich!“, finden Eltern und Ärzte die Diät-App für Kinder

Klar, dass WW damit einen Shitstorm quasi provoziert hat. Trotzdem entschied sich das Unternehmen, die App zu launchen und das in Kauf zu nehmen – angeblich, weil es seit einigen Jahren ums eigene Überleben kämpfe und deshalb die Zielgruppe ausweiten müsse.

„Das ist extrem gefährlich!“, finden Eltern. „Weil Mädchen sich noch nicht unsicher genug fühlen, wenn es darum geht, was die Gesellschaft über ihre Körper denkt. Lasst uns sichergehen, dass sie sich wirklich selbst hassen!“, so ein weiterer Kommentar.

Die meisten Eltern scheinen davon überzeugt zu sein, dass diese App ihre Kinder in lebenslange Magersucht treiben wird: „Angst vor Essen. Fixieren auf ‚gesunde Ernährung‘. Fixieren auf Sport. Das sind alles Symptome von extrem gefährlichen Essstörungen. Und das ist, wozu dieses Programm Kinder ermutigt.“

Nicht nur Eltern, auch Ernährungsexperten und Kinderärzte sind beunruhigt. Weltweit sind sie im Alarmmodus und die Kurbo Diät-App bekommt wirklich ihr Fett weg.

„Ihr müsst diese App wieder herunternehmen und tausende Kinder davor bewahren, Essstörungen zu entwickeln, die ihr Leben lang andauern und vielleicht sogar einige von ihnen töten werden“, so Holly Stallcup, die sogar eine Petition auf change.org gegen Kurbo gestartet hat.

„Einem Kind zu sagen, dass es abnehmen soll, lässt sie ihr ganzes Selbst in Frage stellen. Ihr Gewicht wird untrennbar mit ihrem Wert und ihrem Zugehörigkeitsgefühl in Zusammenhang sein“, so Nikki Estep, eine Spezialistin für Essstörungen.


Es wird gewarnt, was das Zeug hält und es scheint, als würde die App niemals auch nur einen einzigen Download bekommen.

Tatsächlich stimmt das so wohl nicht und es gibt auch, sehr wenige, Stimmen, die sich FÜR die App aussprechen.

Eine andere Esskultur in den USA

Denn Kurbo wurde – primär – für die USA konzipiert, wo über ein Drittel der Kinder übergewichtig ist – was häufig zu gesundheitlichen Problemen im Erwachsenenalter führt.

Die Esskultur in den USA unterscheidet sich in häufig (nicht immer!) stark von unserer: Zusammen Essen und Kochen wird in den USA häufig nicht als wichtig empfunden, stattdessen wird viel Fast-Food konsumiert: Fast Food ist ein anerkanntes Frühstück, Mittag- und Abendessen. Das führt dazu, dass Kinder kaum noch lernen, welche Lebensmittel gut für sie sind und welche nicht. Hier kann die App ansetzen und erklären, was die Eltern leider oft versäumen: Welche Lebensmittel gesund sind, und welche krank (und dick) machen. Laut Werbung hilft die App sogar der ganzen Familie: „Seit Kurbo haben meine Mutter und ich so viel Spaß dabei, gemeinsam zu kochen!“

So könnten die Kinder sogar noch einen positiven Einfluss auf ihre Eltern ausüben.

Während Experten das Kindswohl durch die Lebensmittelampel gefährdet sehen, zeigen Beispiele wie Chile das Gegenteil: Das Land hatte ebenfalls mit einer immer dicker werdenden Bevölkerung zu kämpfen und führte deswegen unter anderem diese verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung ein. Das hatte zur Folge, dass manche Lebensmittelhersteller ihre Rezeptur änderten und schon nach einem Jahr war der Konsum von Schokolade deutlich zurückgegangen.

Außerdem hat die App eine klare Zielgruppe, nämlich dicke Kinder und Jugendliche. Kinder, die ohnehin schon dünn sind und keine Probleme haben, werden sie kaum benutzen.

Kurbo hat also gute und schlechte Seiten und jede Familie mit Gewichtsproblemen muss für sich selbst entscheiden, ob die Psyche des Kindes davon Schaden nehmen könnte.

Was denkt ihr darüber?

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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Kommentare

  1. Das ist super! Man sollte mal nicht nur an die Mädchen denken die schlank sind und glauben dass eine App sie in die Magersucht treibt. Man kann die App ja auch mit Krankenkassen koppeln, die auf Anraten des Arztes Zugangscodes verteilt um den Zugang einzuschränken. Aber seid mal ehrlich .. im Sommer im Freibad sieht man viele kleine SEHR übergewichtige Kinder die im Alter ausbaden müssen was ihre Eltern versäumt haben. Sind wir da vielleicht schon beim eigentlichen Problem? Dass es Kritik an den Eltern ist?
    Wenn Ernährungsexperten in Schulen gehen und das propagieren was in der App ist (Ampelsystem) finden es alle super und längst überfällig ..

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