Die vielen kleinen Dinge, die wir Mamas jeden Tag tun – und die einfach keiner sieht

Stell dir vor, dein Mann kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Die Wohnung ist ordentlich und sauber. Auf dem Tisch steht ein leckeres Essen. Das Kind spielt zufrieden in seinem Zimmer. Was wird er sagen? Wahrscheinlich – nichts.

Und jetzt stell dir vor, dein Mann kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause und in der Wohnung sieht es aus, als sei eine Bombe explodiert: Überall fliegen Legosteine herum. Auf dem Tisch stehen noch die Reste vom Mittagessen. Der Boden ist krümelig. Es gibt kein Abendbrot. Das Kind hat sich das Gesicht mit Nivea-Creme „verschönert“ und malt gerade die Wände im Kinderzimmer mit Kugelschreiber an. Was wird er sagen? Wahrscheinlich: „Oh mein Gott, was ist denn hier passiert?“

Willkommen in meinem Leben als Mama!

Es ist manchmal ganz schön frustrierend: Das, was ich hier tagtäglich im Alltag mit einem Kleinkind leiste, sieht einfach niemand. Häufig nicht einmal mein Mann, wenn er abends von der Arbeit kommt. Jedenfalls, wenn alles gut läuft. Was wir Mamas den ganzen Tag über tun, fällt nämlich meistens erst auf, wenn wir das übliche Pensum mal nicht schaffen (weil zum Beispiel das Kind krank ist).

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ Welche Mama hat diese (unverschämte) Frage noch nicht gehört. Was ich den ganzen Tag mache, ist viel zu viel, um es hier aufzuschreiben: Ich spiele mit meinem Sohn Lego. Tröste. Klebe Pflaster auf verletzte Knie. Putze den Boden und das Bad. Wasche Wäsche. Kaufe Bruno seinen Lieblingssnack. Lege Sachen für die Kita am nächsten Tag raus. Checke, ob noch genug Sonnencreme im Haus ist. Mache einen Termin beim Kinderarzt. Lege neue Handtücher ins Bad. Und all das neben meinem (bezahlten) Job.

Viele kleine Alltagstätigkeiten, die keiner sieht

Es geht mir gar nicht in erster Linie um die „großen“ Haushalts-Baustellen wie den überquellenden Mülleimer. Der ist auch für andere Menschen (den Mann…) sichtbar. Die Aufgabe „Müll rausbringen“ kann ich auch anderen Familienmitgliedern auftragen. lch meine vor allem die vielen kleinen Mini-Handgriffe, die wir Mamas selbstverständlich übernehmen. Dinge, die nur wir sehen. Wie den Kugelschreiber, der in Greifnähe für das Kind liegt. Die verrutschten Kissen auf der Couch.

Mein Kopf hat nie Pause. Will mein Mann duschen gehen, geht er zur Dusche und duscht. Will ich duschen gehen, gehe ich zur Dusche, dabei fällt mein Blick auf den Wäscheberg. Ich setze Wäsche an und checke beim Sortieren der Kleidung, ob Brunos Pullover noch die richtige Größe haben. Dann entdecke ich, dass das Klopapier fast alle ist und fülle die Rolle auf. Dann erst gehe ich Duschen.

Ist ja nur eine Kleinigkeit! Denken wir.

Doch die Mikroaufgaben summieren sich. Diese kleinen, „banalen“ Alltagstätigkeiten führen dazu, dass wir Mamas mehr oder weniger ununterbrochen beschäftigt sind. Das Ärgerliche ist: Der Erfolg der Arbeit, die wir leisten, lässt sich nicht in Zahlen messen. Für Haushalt und Kindererziehung winkt keine dicke Prämie. Kein monatlicher Lohn. Und häufig nicht einmal ein Lob oder ein Dankeschön.

Es gibt dafür eine sehr treffende Metapher, wie ich finde: Bei berühmten katholischen Kathedralen kennen wir den Architekten, der das Bauwerk konzipiert hat. Nicht jedoch nicht die Namen der fleißigen Arbeiter, die die Kathedrale erst in ihrer ganzen Schönheit erschaffen haben. Für viele Mamas wird die Nicht-Beachtung von dem, was sie leiten, sogar zu einer Belastung für die Seele. Es gibt dafür einen Begriff: Mental Load.

Beschweren darf man sich als Mama über die fehlende Anerkennung aber nicht…

„Du wolltest es ja so“ oder „Du wusstest doch, was mit Kindern dich zukommt“, heißt es dann. Ich denke selbst oft: Ich liebe mein Kind doch über alles. Eigentlich muss ich diese ganzen Dinge doch von Herzen gern und voller Hingabe tun… Ich habe versucht, mit meinem Mann darüber zu sprechen, wie ich mich fühle. Er war durchaus verständnisvoll. Er hat mir geraten: „Reg dich doch einfach nicht so über das Durcheinander auf. Ich erwarte doch gar nicht, dass alles immer perfekt ist.“ Aber warum rege ich mich so darüber auf, wenn es chaotisch ist? Weil ich weiß, dass das Aufräumen meistens an mir hängenbleibt.

Und so sortiere ich weiter Legosteine in Kisten. Räume die Reste vom Mittagessen vom Tisch. Fege Krümel vom Boden auf. Bereite das Abendbrot vor. Bringe die Nivea-Dose und den Kugelschreiber außer Reichweite meines Sohnes. Und warte darauf, dass es jemand bemerkt…

Erzähl mal: Geht es dir auch so? Wenn du dich mit uns und anderen Mamas austauschen möchtest, dann komm doch in unsere geschlossene Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“.

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft und freue mich, bei Echte Mamas Beruf & Berufung miteinander verbinden zu können. Hier schreibe ich über den bunten Alltag mit meinem Sohn (zwei Jahre) und die kleinen (und großen) Herausforderungen, die das Mamasein so mit sich bringt.

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