Was tue ich, wenn mein Kind andere anstarrt?

Sicher kennt ihr das auch: Ihr sitzt im Bus, in der U-Bahn oder geht spazieren. Plötzlich deutet euer Kind auf jemanden oder starrt ihn an. Vielleicht hat derjenige rote Haare, dunkle Haut oder einen Rollstuhl. Ist euch das dann auch so peinlich?  Wir wissen ja selbst sehr genau, wie unangenehm es ist, angestarrt zu werden. Aus Verlegenheit zischt man dann schnell mal: „Schatz, man starrt Leute nicht so an.“ Langfristig ist es aber hilfreicher, wenn ihr euch in solchen Momenten ein wenig Zeit nehmt.

Euer Kind ist neugierig, nicht unhöflich

Ein Kind weiß nicht, dass es unhöflich ist, andere anzustarren, und seine Blicke und Bemerkungen verletzen können. Oft bemerkt es ja nicht einmal, dass es starrt. Es ist neugierig. Es will die Welt erkunden und begreifen. Einfach nur das Starren zu verbieten, lässt eure Kinder deshalb hilflos zurück. Besser ihr lenkt in der Situation seine Aufmerksamkeit ab – und erklärt ihm später in Ruhe, warum Menschen es nicht angenehm finden, wenn man sie so lange anschaut. Je nachdem, wie empfindlich euer Kind ist, könnt ihr euch ein kleines Experiment machen, indem ihr es – am besten direkt im Anschluss an die Situation – auch einmal anstarrt. Hinterher könnt ihr es (ganz liebevoll) fragen, wie es sich dabei gefühlt hat. Wenn sich das Kind damit nicht wohl gefühlt hat, versteht es besser, dass es anderen auch so geht. Es muss ja erst noch lernen, sich in andere einzufühlen.

Ignoriert die Fragen eures Kindes nicht

Es kann sein, dass euer Kind  etwas sieht, zu dem es viele Fragen hat – etwa ein anderes Kind, das aber im Rollstuhl sitzt. Auch dann solltet ihr nicht gleich abwiegeln und erklären, dass sein Verhalten unhöflich sei. Stattdessen könnt ihr ihm erklären, dass jeder Besonderheiten hat – etwa einen Rollstuhl, eine besondere Haarfarbe, oder eine andere Hautfarbe – und dennoch alle „gleich“ sind. Dass die anderen genau wie das Kind selbst gerne spielen, lachen oder mit ihrer Familie zusammen sind.

Falls die Betroffenen euch direkt gegenübersitzen und alles mitbekommen, könnte es sie allerdings ärgern, wenn ihr über ihre „Besonderheiten“ redet, als wären sie nicht da. Vielleicht stellt ihr ihnen die Fragen einfach selbst? Gegen ein freundliches Lächeln und die ernsthaft interessierte Nachfrage –  etwa, wieso die Beine nicht funktionieren – hat kaum jemand etwas einzuwenden.  Und in einem netten Gespräch erkennt euer Kind am Schnellsten, wie wenig wir Menschen uns im Grunde voneinander unterscheiden, egal wie wir aussehen.

Hattet ihr auch schon solche Situationen, und wie habt ihr sie gelöst? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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