Warum Kinder einfach nicht machen, was man ihnen sagt

Jacke anziehen, Spielsachen teilen oder einfach nur weitergehen – mit einem knapp zweijährigen Mädchen werden die kleinsten Vorhaben zur größten Herausforderung. Seit unsere Autorin Martina Steinbach weiß warum das so ist, lebt sie entspannter

„In einer halben Stunde haben wir einen Termin beim Kinderarzt, die Kleine steht noch im Schlafanzug da und will sich absolut nicht anziehen lassen. Stattdessen rennt sie von Zimmer zu Zimmer und stößt quietschende Schreie aus – ich könnte platzen! Wir schaffen es niemals, pünktlich zu sein.

Gutes Zureden hilft nicht (,Teddy ist auch schon angezogen’), Ablenkung hilft nicht (,draußen sehen wir bestimmt einen Hund’) und der Versuch, sie einfach auf den Arm zu nehmen, endet mit festem Fußstapfen und Krokodilstränen. In meiner Verzweiflung gebe ich ihr mein Handy und lasse sie Videos anschauen. Sofort ist das Drama beendet, sie lässt sich wiederstandlos auf den Wickeltisch legen und ist in Nullkommanichts umgezogen.

Wahrscheinlich hätte ich die Situation mit gutem Zureden anders lösen können. Mit mehr Geduld. Doch dafür hätte ich a) mehr Schlaf und b) ein Tasse Kaffee gebraucht. Beides war nicht drin und ich fühle mich unglaublich schlecht. Das Kind vor den Fernseher zu setzen, damit Ruhe ist, gehört zu meinen absoluten Erziehungs-No Go’s. Noch schlimmer ist nur der Klapps auf den Po….

In meiner Müdigkeit habe ich wohl vergessen, dass die Kleine noch klein ist und meine Erwartungshaltung viel zu groß. Eine Umfrage der amerikanischen ,Zero to Three’-Community in Zusammenarbeit mit der ,Bezos Family Foundation’ zeigt tröstlicherweise, dass ich damit nicht allein bin.

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In der US-Umfrage gaben nämlich über die Hälfte der Befragten an, dass sie ihr Kind für aufmüpfig halten, wenn es nicht so reagiert, wie sie es von ihm erwarten. Dabei ist es den Kleinen laut Entwicklungspsychologen vor ihrem dritten oder vierten Geburtstag schlichtweg unmöglich, Impulse und Gefühle unter Kontrolle zu halten. Im Supermarkt am Boden zu liegen, mit Händen und Füßen zu trampeln und herzzerreißend zu weinen ist daher einfach eine logische Konsequenz auf das Nicht-Haben-Dürfen der Schokolade. Punkt.

Zudem glauben 46 Prozent der befragten Eltern, dass Kinder mit zwei Jahren teilen können. Ich ehrlich gesagt auch und schimpfte meine Kleine letztens ordentlich, als sie ihrem Besuch unter lautem Protest jedes (!) Spielzeug wegnahm, das er in die Hand nahm. Allerdings entwickeln Kinder erst zwischen drei und vier Jahren ein Sankt-Martin-Gen.

Dieses Wissen macht es uns Eltern leichter, nicht gleich auszurasten und etwas zu tun, was wir eigentlich nicht tun wollten (wie die TV-Ablenkung oder der Klaps auf den Po). Eine Studie der University of Texas at Austin zeigte, dass Eltern, die glauben, dass ihr Kleinkind ,das doch schon wissen muss’, viel strenger auf ,Fehltritte’ reagieren, als die Mamas und Papas, die diese Erwartungshaltung nicht an den Tag legen.

Dabei ist es ja schlichtweg unfair, aus der Haut zu fahren, weil der Zwerg nicht kooperiert. Wir würden es ja auch nicht gut finden, wenn uns jemand beschimpft, weil wir kein Wort Spanisch sprechen.

Darum versuche ich seitdem, in brenzligen Situationen wieder selbst zwei Jahre alt zu sein. Beispielsweise ,spielen‘ wir jetzt Anziehen. Die kleine Raupe krabbelt ihre Beine hoch und schon sitzt die Hose. Klar, in manchen Momenten erreiche ich die Kleine nicht sofort. Dann lasse ich sie halt im Supermarkt kurz am Boden weinen, auch wenn zehn Omas kopfschüttelnd vorbeilaufen. Dann setze ich sie in den Einkaufswagen und düse eine Runde mit ihr herum. Schon sind die Tränen und auch die verweigerten Süßigkeiten Schnee von gestern. Denn ich finde, wir Eltern dürfen nicht vergessen, dass uns ein Kind viel Spaß bringt. Erwartungen wird es später noch genug erfüllen. Und zwar dann, wenn es alt genug dafür ist. In der Zwischenzeit rate ich allen Mamas und Papas, ein paar spanische Vokabeln zu pauken.“

 

Martina Steinbach

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