Warum böse Scheiden-Bakterien eine Frühgeburt auslösen können und wie du vorbeugst

Viele von uns haben leider schon verdammt viel Erfahrung mit fiesen Keimen in der Scheide gemacht:

Sie haben zu Ausfluss geführt, zu Blasenentzündungen und geröteter Haut – oft begleitet von einem üblen Brennen oder anhaltendem Juckreiz. Nervig, aber normalerweise gut behandelbar.

Doch was ist, wenn eine Schwangere schädliche Bakterien in der Scheide hat? Können diese etwa einen negativen Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf haben?

Mit genau diesen Fragen haben sich jetzt Forscher des Imperial College of London beschäftigt. In ihrer Studie, die im Fachblatt BMC Medicine veröffentlicht wurde, untersuchten sie den Zusammenhang zwischen der bakteriellen Flora der Scheide und Frühgeburten, die durch einen vorzeitigen Blasensprung ausgelöst wurden.

Das Forscherteam untersuchte dazu vaginale Abstriche von 250 Schwangeren, von denen 27 einen vorzeitigen Blasensprung hatten. Bei knapp einem Drittel der Teilnehmerinnen mit Blasensprung war sowohl kurz vor als auch nach dem Blasensprung ein Ungleichgewicht in der Bakterienflora messbar.

In der gesunden Scheidenflora von Schwangeren sorgt normalerweise der sogenannte Lactobazillus für einen konstant niedrigen Ph-Wert, in dem sich pathogene, also „bösartige“ Keime nicht vermehren können.

Bei den untersuchten Frauen mit frühzeitigem Blasensprung war das Scheidenmilieu jedoch im Ungleichgewicht: Sie hatten nur eine geringe Konzentration des Lactobazillus, dafür aber erhöhte Werte pathogener Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken.

Da zwischen einem Blasensprung und der Geburt mehrere Tage liegen können, in denen Gebärmutter, Plazenta und auch der Fötus einer aufsteigenden Infektion ausgesetzt sind, wird in solchen Fällen häufig das Antibiotikum Erythromycin gegeben.

Die Studie stellte jedoch auch fest, dass diese Standardmaßnahme für 47 Prozent – also knapp die Hälfte der untersuchten Schwangeren –negative Folgen hatte.

Für diese zusätzliche Untersuchung wurden Abstriche von weiteren 87 Schwangeren analysiert, die mit einem frühzeitigen Blasensprung ins Krankenhaus kamen. Mit folgendem Ergebnis:

Zwar half das Antibiotikum den Frauen, die beim Blasensprung niedrige Lactobacillus Werte hatten, die bösen Keime in Schach zu halten. Bei den untersuchten Frauen jedoch, die trotz des Blasensprungs eine ausgewogene Lactobazillus Kolonie besaßen, tötete das Erythromycin auch diese gesunden Keime.

Dadurch konnten sich schließlich auch pathogene Bakterien ansiedeln, die sich vorher im gesunden Milieu nicht vermehren konnten. Laut der Studie erhöhte sich bei diesen Frauen somit das Risiko einer Sepsis bzw. Blutvergiftung des Neugeborenen.

Die Studie konnte also zum einen belegen, dass wie schon früher angenommen, Bakterien einen Blasensprung auslösen können. Zum anderen klärt sie aber auch darüber auf, dass in solchen Fällen nicht immer eine Behandlung mit Antibiotika von Vorteil ist.

Dr. Richard Brown, Wissenschaftler am Imperial College und maßgeblicher Autor der Studie, fasst dies im offiziellen Bericht zur Studie so zusammen:

„Das Ziel der antibiotischen Behandlung bei frühzeitigem Blasensprung ist, das Risiko einer aufsteigenden Infektion zu reduzieren. Unsere Ergebnisse legen jedoch nahe, dass ein individuelleres Vorgehen, welches nur auf die Frauen abzielt, denen das Antibiotikum mit hoher Wahrscheinlichkeit hilft, vorteilhafter ist als der derzeitige Ansatz einer gleichen Behandlung für alle.“

Und was bedeutet das für mich als Schwangere konkret?

Man kann Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt vorbeugen, wenn man sich in der Schwangerschaft um eine gesunde Scheide kümmert.

Dazu gehört, dass der Gynäkologe während der Vorsorgeuntersuchungen immer einen Abstrich macht und diesen untersucht. Fühlt sich etwas in der Vagina anders an als sonst oder tut weh, sollte man zum Arzt.

Die gute Nachricht ist: Ein bakterielles Ungleichgewicht in der Scheide kann man relativ leicht behandeln, indem man eine Kur mit z.B. Milchsäurekapseln macht, die man sich täglich in die Vagina einführt.

Auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung trägt zu einer guten Scheiden-Flora bei.

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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