„Urlaub mit Kindern ist kein Ponyhof!“

Wer hat eigentlich mal behauptet, Ferien würden der Erholung dienen? Vermutlich nicht die Eltern junger Kinder. Klar lieben wir unseren Nachwuchs über alles. Und sind sie nicht einfach zuckersüß, wenn sie mit ihren kleinen Füßen quietschend durchs Meerwasser waten? Aber während der übrigen Zeit sind sie zu den falschen Zeiten müde oder eben nicht. Sie haben Hunger/keinen Hunger, Durst/keinen Durst, keine Lust mehr als ein paar Schritte zu Fuß zu gehen, null Bock mit dem kleinen Geschwisterchen einen Eimer zu teilen… Und oft kann nur eine all dies richten – Mama. Unsere Leserin Meike (34) hatte nach den letzten Sommerferien nur noch ein Bedürfnis: mindestens eine Woche Urlaub, allein! Ohne Kinder (und ohne Mann).

Früher war Urlaub anders:

„Ich liebe meine Kinder. Ganz in echt! Aber darf ich mich mal kurz ausheulen? Ohne, dass jemand sagt, ich sei eine Rabenmutter, weil ich nicht ,Yippieh‘ schreie, wenn mein Sohn am Büffet so kreativ die Schokostreusel ins Gulasch kippt. (Oder mir unterstellt, ein Totalausfall in Sachen Erziehung zu sein, weil mein Sechsjähriger überhaupt auf diese Idee gekommen ist.)

Sobald wir unser Appartement verließen, hatte ich das Gefühl, ein Minenfeld zu betreten. Und wir reden da gerade von einem Pauschalurlaub auf Malle im Familienhotel! Nein, das ist nicht mein Traumurlaub. Ich schiele neidisch auf die Insta-Travel-Familien, die mit drei kleinen Kindern auf der Gemeinschaftsmatratze liegend – hinten im Retro-Bulli – den Sonnenuntergang in Kambodscha betrachten. Klar, dass sie alle ein seliges, entspanntes Lächeln im Gesicht tragen. Ist ja nicht so, als hätte ich keine Lust auf mehr Abenteuer — oder zumindest mehr Gelassenheit. Aber ich weiß genau, dass es bei uns niemals so aussehen würde, wie auf all den Bildern.

Spätestens am zweiten Tag hätten wir den schön rustikalen Holztisch mit Filzstift ruiniert, und jede Menge Kinderpipi hätte die gemütliche Liegewiese durchtränkt. Ich hätte dauernd Schiss, dass unsere Kleine gleich von einer fetten Giftspinne gebissen wird, oder sich der Große den Magen mit ungeschältem Obst verdirbt… Total spießig, ich weiß. Dabei habe ich früher sehr gerne ungeplante Rucksack-Trips mit meinem Mann unternommen. Ebenso gerne erinnere ich mich allerdings an das kuschelige Pärchenwochenende in Barcelona ein paar Monate vor der Geburt unseres ersten Kindes. Was haben wir uns als angehende Eltern dafür gefeiert, dass wir im Zelt so gut miteinander funktionieren wie beim Candle-Light-Dinner. Warum sollte das in zukünftigen Urlauben anders sein, nur weil wir (heiß ersehnten) Zuwachs bekommen?

Alles bleibt an mir hängen!

Das es heute statt Romantik oder coolem Nichtsplanen vor allem viel Plackerei und Nervkram gibt, scheint den Vater meiner Kinder genauso zu wurmen wie mich. Immer häufiger schlägt mein Mann vor, wir sollten uns ruhig etwas mehr Abenteuer zutrauen. Er hat gut reden, schließlich springe ich meistens, wenn etwas schief geht. Mein Mann hat die beneidenswerte Gabe, das nächtliche Weinen unserer Kleinen zu verschlafen, und ,Missetaten` des Großen zu übersehen. Während ich am Strand noch darum kämpfe, ein brettsteifes Kind in ein hautenges Sonnenschutzshirt zu zwängen (und wer hat wohl die Strandtasche gepackt?), blättert er schon in seinem Krimi.

Wenn ich dann ein paar Minuten einfach die Augen schließen möchte und ihn bitte, die Kinder für diese Zeit im Auge zu behalten, höre ich sofort den nächsten durchdringenden Schrei. ,Die machen das schon‘, sagt mein Mann und bleibt liegen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich aber weiß aus Erfahrung, dass es darum geht, eine größere Rangelei zu verhindern, die die Aufmerksamkeit aller Badegäste auf sich zieht und die Stimmung für die nächsten Stunden ruiniert. Also begebe ich mich mal wieder auf Mama-Mission.

Ich will nach Hause

Dass die Aufgabenverteilung in unseren Urlauben so unausgeglichen ist, hängt sicher auch mit unserem Alltag zusammen. Ich arbeite in Teilzeit, was bedeutet, dass ich auch im Alltag fast alles regele, was die Kinder betrifft. Inzwischen nehmen mein Mann und ich das wohl beide als viel zu selbstverständlich hin. Außerdem arbeitet er mindestens Stunden pro Woche und schafft somit einen Großteil des Geldes ran, mit dem wir Urlaube wie diesen bezahlen. Ich sehe ein, dass er nach Erholung lechzt und sie verdient hat.

Aber es ist ja nicht so, dass ich neben meiner 20-Stunden-Woche gar nichts tue. Ich bin in der restlichen Zeit für die Kinder da und halte den Haushalt am Laufen. Was das angeht, mache ich also im Urlaub das Gleiche wie zu Hause, nur eben rund um die Uhr. Wie Ferien fühlt sich das echt nicht an. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie ich währenddessen denke: ,Ich will nach Hause‘. Mein Mann würde beim nächsten Mal gerne mit uns campen. Er sieht sich mit seinem Sohn Äste schnitzen, auf denen später Stockbrot gebacken wird, und mit der Kleinen Käfer sammeln. Naturerlebnisse pur. Ich sehe Mücken und motzige Kinder auf zwei Quadratmetern. Und wer würde wohl morgens aus dem Zelt kriechen, um den Instant-Kaffee zu kochen?

Das soll anders werden

Nach dem letzten Urlaub fühlte ich mich fix und fertig, sollte aber gleich weiter funktionieren. Ich habe mich kurz darauf von einer Freundin zu einem Wellness-Wochenende überreden lassen. ,Wir hatten doch gerade erst Urlaub‘, sagte mein Mann überrascht. ,Das hat sich so ergeben‘, erklärte ich. Er hatte den Anstand, mir viel Spaß zu wünschen. Schließlich plante er gerade eine einwöchige Kumpel-Herbst-Wandertour in den Alpen.

Als ich am Sonntagabend wiederkam, seufzte mein Mann glücklich: ,Das war doch ganz schön anstrengend allein mit den Kindern. Wahnsinn, wie du das immer wuppst‘. Willkommen in meinem Alltag – und meinem typischen Urlaub! So wollte ich das nicht mehr und kündigte meinem Mann an, dass er zukünftig in den Ferien mehr ,Exklusiv-Zeit‘ mit unseren Kindern genießen dürfe. An dem Wochenende ohne sie habe ich nämlich gemerkt, wie sehr ich meine Familie plötzlich vermisste, und wie gerne ich (eigentlich) viel Zeit mit den Dreien verbringen möchte.

Aber ich brauche wohl zwischendurch einfach ein paar Momente für mich, um das zu spüren. In diesen Momenten sammele ich ausreichend Kraft, um jeden Sandburgenstreit gelassen zu schlichten. Dann sehe ich auch wieder viel besser, wie cool unsere Kinder eigentlich sind. Wie oft sie mich rühren – zum Beispiel, wenn ich sehe, wie unsere Kinder aneinander gekuschelt in einem Buch blättern, wie sie verschwörerisch die Köpfe zusammenstecken, oder unser Großer die Kleine davor beschützt, von anderen Großen geärgert zu werden. Zum Glück verstand mein Mann inzwischen, dass es kein Urlaub für mich ist, mich allein um die schwierigen Momente mit Kindern zu kümmern – und auch mein Alltag kein Ponyhof ist.“

Danke, liebe Meike, für diese echte und ehrliche Geschichte.

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Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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