Untertauchen beim Babyschwimmen? Darum raten Experten ab

Fotos von tauchenden Babys sind einfach zuckersüß (denkt dabei noch jemand sofort an DAS „Nevermind“-Cover von Nirvana?). Überhaupt gilt das Babyschwimmen oft als absolutes Muss. „Wenn du mit deinem Sohn nur einen einzigen Kurs machst, dann den“, wurde mir andauernd geraten. Ich hab’s geglaubt, bin aber daran gescheitert, dass es in ganz Hamburg keinen freien Kursplatz mehr gab. Trotzdem weiß ich von Freundinnen, dass das Untertauchen immer noch ein beliebtes Ritual in vielen dieser Kurse ist. Dafür haben die Winzlinge doch diesen supercoolen Atemanhalte-Reflex, oder? 

Darum rät die DLRG vom Untertauchen deines Babys ab

Neugeborene halten automatisch die Luft an, wenn sie Wasser ins Gesicht bekommen. Ein genialer Schutzmechanismus, aber: Der Atemanhaltereflex verschwindet meist im ersten Lebensjahr, manchmal aber auch schon nach vier Wochen. Wie lange er bei deinem Baby anhält, kann niemand vorhersagen. Zwar kann man mit ein paar Kniffen testen, ob der Reflex noch besteht. Doch das müsste man dann vor jeder Kursstunde durchziehen – und dann auch noch die Reaktionen des Babys richtig deuten. Deshalb rät die medizinische Leitung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) von Untertauchübungen ab.

Falls du also an einem Kurs teilnimmst, in dem eure Babys untergetaucht werden sollen, scheue dich nicht, bei dieser Übung zu passen – ganz egal, wie hypermotiviert Trainerin oder Trainer wirken, und ob andere Eltern die Augenbrauen hochziehen. Das ist besser, als wenn du dir Sorgen machst, ob dein Baby womöglich einen Erstickungsanfall erleidet, auch wenn das zum Glück nur selten vorkommt.

Was muss ich beim Babyschwimmen außerdem beachten?

Wenn dein Baby gesund und mindestens drei Monate alt ist, steht einem Schwimmbadausflug ansonsten nicht viel im Wege. Gut ist es aber, wenn ihr die Impfung gegen Rota-Viren bereits hinter euch habt, und diese schon ein paar Wochen zurückliegt, damit keine Erreger mehr ausgeschieden werden. Laut einer Studie  kommt es beim Babyschwimmen schneller zu Durchfallerkrankungen.

Außerdem verbindet sich im Becken Chlor mit Schweiß, Urin etc. Dabei entstehen sogenannte Chloramine. Die sind nicht gerade toll für die Atemwege und die Haut. Lass dein Baby möglichst kein Wasser schlucken, und dusche es nach dem Schwimmen gründlich ab.

Falls in deiner Familie Asthma oder Allergien ein Problem sind, nutzt du am besten eine kinderärztliche Beratung, bevor es ins Chlorwasser geht.

Ist das Babyschwimmen etwa schädlich?

Ich geb’s zu: Mich hat es ein bisschen nervös gemacht, dass ich damals keinen Kursplatz ergattern konnte. „So gut für die motorische Entwicklung!“ Gerade als Erstmutter will man ja alles perfekt machen (später ist man klüger, lach).

Dabei bestand kein Grund zur Sorge, wie ich heute weiß: Es gibt keine wissenschaftliche Belege dafür, dass dein Baby durch die frühe Wassergewöhnung motorisch fitter wird. Bewegungsanreize sind dafür natürlich immer gut, aber die kannst du deinem Kind auch außerhalb des Wassers, bzw. mit dir zusammen in der Badewanne anbieten. Auch die Annahme, dass durch solche Kurse die Fähigkeit, sich selbst zu retten, verbessert wird, ist bislang nicht durch Fakten untermauert.

Das alles bedeutet aber nicht, dass du das Babyschwimmen nun lieber meiden solltest. Es gibt natürlich auch positive Aspekte. Möglicherweise hat dein Kind dadurch später weniger Angst vor dem Wasser.

Ihr habt so außerdem eine weitere Möglichkeit, schön viel nackige Körpernähe zu tanken. Dazu kommen die Abwechslung und die sozialen Kontakte. Beides braucht dein Baby noch nicht so, aber du als frischgebackene Mama vielleicht umso mehr? Falls ihr beide Spaß daran habt, nutzt also gerne das Wasser (mit obigen Hinweisen im Hinterkopf) für tolle gemeinsame Entdeckungen und Erfahrungen.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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Jo Berger
Jo Berger
3 Monate zuvor

Lest doch mal, was die WHO dazu sagt.
Es gibt kein Stilles Ertrinken.
Gab es nie.
Ihr beteiligt euch an Panikmache.