„Triage in der Kinderpsychiatrie!“: Wie schlimm ist es wirklich?

Gerade hat eine aktuelle Studie (COPSY-Studie) des Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE) in Hamburg eine der Folgen der Pandemie und der mit ihr einhergehenden Beschränkungen aufgezeigt, die besonders Eltern ans Herz geht:

Laut der Studie leide jedes dritte Kind unter „psychischen Auffälligkeiten“.

Wir berichteten: Ängste und depressive Symptome hätten zugenommen und auch psychosomatische Probleme treten häufiger auf.

Das zeigen auch die Aussagen von Tübingens Bürgermeister Boris Palmer, der zu Gast in der Talkshow „Maischberger“ war: „Ich glaube, das hier auch Schäden entstehen, die wir nicht aufholen können.“ Um die Dramatik des Themas zu verdeutlichen, erzählt er, dass viele Einrichtungen für die psychische Behandlung von Kindern derzeit überlastet werden.

„Wir haben Triage inzwischen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, nicht auf Intensivstationen.“

Da könnten Kinder mittlerweile nicht mehr aufgenommen werden, die Einrichtungen seien total überlastet.

(Zur Erklärung: Im medizinischen Kontext beschreibt „Triage“ die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen, hier eben psychischen Beschwerden. Dadurch können Ärzte und Pfleger leichter entscheiden, wer zuerst behandelt wird.)

Eine absolut erschreckende Aussage.

Jetzt stellt aber ein Psychiater klar, wie die aktuelle Lage aus seiner Sicht ist:

Prof. Tobias Renner, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Tübingen, wird in der BILD folgendermaßen zitiert: „Es gibt bei uns keine Triage, jeder Notfallpatient wird versorgt.“

Es könne keine Rede davon sein, dass seine Klinik kranke Kinder abweisen müsste. Aber: Seine Klinik war auch vor der Pandemie immer sehr gut ausgelastet, jetzt im Herbst hatten sie aber tatsächlich 30 Prozent mehr junge Notfall-Patienten.“ Dadurch seien die Plätze in der stationären Behandlung natürlich recht knapp geworden, das stimme.

Vor allem Notfälle wegen Anorexia nervosa (Magersucht) und Zwangsstörungen haben während der vergangenen Monate stark zugenommen. Den Grund dafür sieht Prof. Renner in psychischen Belastungen wegen der Pandemie-Bedingungen: „Die Patienten berichten von starken Veränderungen in ihren Tagesabläufen und dass sie sich nicht gut daran anpassen können.“

Wie genau nun die Zahlen sind, wie man es dreht und wendet: Die Pandemie ist eine große Belastung für Kinder.

Wie gut sie mit dieser Belastung umgehen können, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Die COPSY-Studie hat gezeigt: Mal wieder trifft es die, die es sowieso schon schwer haben. Denn vor allem bei Kindern und Jugendlichen aus sozial schwächeren Familien lassen sich die psychischen Auffälligkeiten durch die Pandemie nachweisen. „Unsere Ergebnisse zeigen erneut: Wer vor der Pandemie gut dastand, Strukturen erlernt hat und sich in seiner Familie wohl und gut aufgehoben fühlt, wird auch gut durch die Pandemie kommen“, sagt Ulrike Ravens-Sieberer, Leiter der Copsy-Studie und Forschungsdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Also, behalten wir unsere Kinder gut im Blick und im Arm. Versuchen wir, ihnen Halt zu geben, Unbeschwertheit und Routinen, so gut es in der aktuellen Lage eben geht.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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