Touched out: Ist es okay, wenn Mamas sich „überberührt“ fühlen?

Kuscheln, Knuddeln, Knuffen, Knutschen mit unseren Kindern: Das ist der Himmel auf Erden, oder? „Aaarrrghhhh, ich habe dich zum Kuscheln gemacht!!!!“ sage ich oft scherzhaft zu meiner Tochter, bevor ich mich zu einer Riesenumarmung auf sie stürze. Nur manchmal, kennt ihr das auch? Manchmal ist man so angespannt vom Tag, so gereizt von den lieben Kleinen, vom Partner, vom Job – das Kuscheln plötzlich gar nicht mehr schön, sondern nur schwer zu ertragen ist. Touched out wird dieses Phänomen genannt, dass zwar extrem weit verbreitet ist – einem aber trotzdem ein gehörig schlechtes Gewissen macht.

Ein echtes Tabu-Thema?

Denn: Wie kann es uns denn bloß stören, dass uns diese kleinen Hände berühren? Diese oft so klebrigen kleinen Hände? Diese klebrigen kleinen Hände, die schon so richtig fest klammern und uns gleichzeitig überall anfassen können? An denen Arme hängen, die sich noch viel fester um uns schrauben können?

Wie kann es uns stören, wenn unser Baby quasi pausenlos an unserer Brust hängt, weil es dort eben am schönsten ist?

Wie kann es uns stören, dass nach einem Tag voller Nähe wir auch noch nachts einen heißen, kleinen Fuß an unserer Wade kleben haben?

Das alles ist natürlich ziemlich überspitzt dargestellt, aber manchmal fühlt es sich eben so an: Touched out.

Ist Touched out denn ein echtes Problem?

Das kommt ganz darauf an. Im „Normalfall“ (was ist schon normal an Gefühlen, nicht wahr?) hat man/Mama sich ja spätestens am kommenden Tag regeneriert und freut sich wieder über all die Bussis und die kleine Hand, die sich in die eigene schiebt. Bleiben tut höchstens das doofe Gefühl, dass man ungerecht und hypersensibel war – was im Übrigen auch mal völlig okay ist!

In seltenen Fällen allerdings kann Touched out sogar zu Beziehungsproblemen führen. Das Magazin Parents berichtet, dass viele Mütter erklären, dass sie ihren Partner nach einem ganzen, langen Tag, an dem sie von ihren Kindern festgehalten wurden, nicht mehr umarmen, küssen oder mit ihm in irgendeiner Weise intim sein wollen. Sie schaudern eher bei der Vorstellung, an diesem Tag noch ein einziges Mal berührt zu werden. Und diese Tage häufen sich.

Was ist der Grund für diese Gefühle?

Ganz klar: Mamas (und Papas), die es beim Gedanken an die Berührungen ihrer Lieben regelmäßig graust, haben zu wenig Zeit für sich. FÜR SICH. Nicht als Mama, nicht als Berufstätige, nicht als Partnerin… Sondern als Laura, Marie, Silke – eben für sich. Und für das, was man gerne für sich macht. Denn wer sich an allen Ecken und Enden für andere zerreißt, der entwickelt irgendwann ein Ventil dafür, seine Psyche zu schützen. Keine Lust mehr auf Berührungen zu haben, kann eines dieser Ventile sein. Das heißt: Touched out hat in der Regel nichts mit den Gefühlen denen gegenüber, die wir grad körperlich wegstoßen möchten! Ganz wichtig!

Was kann gegen Touched Out helfen?

• Es liegt auf der Hand: Pausen machen. Me-Time nehmen. Das ist so viel leichter gesagt als getan, ich weiß das wohl. Aber irgendwie müssen wir es schaffen! Auch, wenn „MÜSSEN“ einen gleich schon wieder stresst, nicht wahr? Aber dieses ist ein „To-Do“, das sich wunderbar auszahlen wird.

• Miteinander reden: Kleine Kinder werden die Problematik kaum verstehen und als Ablehnung auffassen. Der richtige Ansprechpartner ist hier der Partner. Wie kann er die Mama entlasten? Wie kann er es einordnen, wenn sie ihn mal wegstößt?

• Die eigenen Erwartungen herunterschrauben: Es ist okay, wenn man mal nicht berührt werden möchte. Es ist okay, mal Fünfe gerade sein zu lassen – im Haushalt, bei den Kindern…. Seien wir freundlich zu uns selbst, wir machen das alles bombig und keiner erwartet von uns, dass wir immer 100 Prozent geben.

• Berührungen, die nur für uns sind: Diesen Tipp gibt die Expertin beim Parents-Magazin. Damit ist keine Selbstbefriedigung gemeint (obwohl die natürlich auch gut tun kann!), sondern z. B. Massagen und andere Wellnessanwendungen. Etwas zu tun, das sich ausschließlich darauf konzentriert, sich selbst etwas Gutes zu tun und dabei Berührungen als Hauptbestandteil einzubeziehen, ist eine großartige Möglichkeit, sich daran zu erinnern, wie wundervoll Berührungen eigentlich sind.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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