Taufe – verstaubter Quatsch von gestern?

Früher wurden Babys quasi standardmäßig getauft. Auch für viele Eltern, die nicht besonders gläubig waren, war dies ein Ritual, das einfach zur Geburt gehörte. Ich selbst wurde erst getauft, als ich fünf Jahre alt war. Ich sollte selbst entscheiden können. Aber mit der freien Entscheidung ist es in diesem Alter natürlich nicht so weit her. Wer sagt schon Nein zu einer schönen Familienfeier und Geschenken? Später bin ich aus der Kirche ausgetreten – und spende seither das gesparte Geld an Einrichtungen, die ich mir selbst aussuche und toll finde. Unseren Sohn haben wir nicht taufen lassen. Dabei bin ich nicht einmal eingefleischte Atheistin (allerdings auch nicht unerschütterlich gläubig), sondern fühle mich nur in der Institution Kirche nicht wirklich zu Hause.

Die Kirche ist nicht (mehr) selbstverständlicher Bestandteil des Alltags

Heute läuft die Taufe nicht mehr automatisch mit, auch weil Kirchen viele Menschen in den letzten Jahren mit einigen Negativ-Schlagzeilen abgeschreckt haben. Eltern entscheiden sich bewusster dafür/dagegen oder kommen gar nicht auf den Gedanken, weil Glaube und Kirche in ihrem Leben einfach keine Rolle spielen. In den neuen Bundesländern wird aus diesem Grund ohnehin selten(er) getauft. In der DDR galten Christen als „Andersdenkende“, die Taufe ist deshalb bei den meisten nicht Teil einer Tradition.

Was dir bei der Entscheidung helfen kann

Für diejenigen, die gläubig und in der Kirche verankert sind, ist die Entscheidung für eine Taufe vermutlich genauso schnell getroffen, wie sich Kirchengegner dagegen entscheiden. Falls du dir unsicher bist, wie du selbst dazu stehst, haben wir hier Gedankenanstöße gesammelt, die deine Familie weiterbringen können.

Für die Taufe eines Babys spricht:

  • In manchen Regionen gehört sie immer noch zum Alltagsleben dazu. Teil der (christlichen) Gemeinschaft zu sein, kann ein angenehmes Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln.
  • Bei diesem Ritual werden Paten bestimmt, die das Kind auch dann begleiten, wenn den Eltern etwas passiert. Diese Aufgabe lässt sich auch ohne Taufe und Religion schriftlich festhalten, was aber die wenigsten tun.
  • Ihr seid nicht abgeneigt, dass euer Kind sich für die Religion/Kirche entscheidet? Dann bekommt es mit der Taufe eine gute Chance, sie richtig kennenzulernen. Es kommt z.B. in der Schule automatisch in den Religionsunterricht
  • Viele heiraten in der Kirche, obwohl sie nicht tiefgläubig sind – zum Beispiel, weil sie’s dort besonders feierlich finden. Genauso kann die festliche Taufe ein schönes Ritual sein, gemeinsam die Ankunft dieses wunderbaren kleinen Menschen zu feiern. Allerdings legen viele Pastoren und Priestern verständlicherweise Wert darauf, dass die Eltern des Täuflings mit dem Thema Glauben zumindest etwas anfangen können – und ihr Kind nicht nur wegen der tollen Location und der „Party“ mit Wasser übergießen lassen.

Gründe, warum die Taufe für euch überflüssig sein könnte:

  • Vielleicht möchtet ihr, dass euer Kind viele Religionen kennen lernt – und auch den Atheismus. Eine freie Wahl ist (meistens) die bessere Wahl. Taufen lassen kann sich euer kleiner Schatz später immer noch. Auch um in den Religionsunterricht aufgenommen zu werden, muss man nicht getauft sein.
  • Werte lassen sich auch ohne Religion vermitteln. Die Goldene Regel ist und bleibt: „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ Ob es nun wie in der Bibel heißt: „Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso!“ Oder wie im Volksmund: „Was du nicht willst, das man dir tu…“
  • Eure Wunsch-KiTa hat einen christlichen Hintergrund? Macht nichts, normalerweise werden auch konfessionslose Kinder aufgenommen

Habt ihr euer Kind taufen lassen oder habt ihr vor, das zu tun? Habt ihr euch bewusst dafür oder dagegen entschieden? Falls ja: Mögt ihr was über eure Gründe erzählen?

Du wünschst dir einen christlichen Vornamen für deinen Sohn? Hier findest du die schönsten christlichen Jungennamen.

 

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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