Symptome von ADHS: Ist mein Kind betroffen?

Dein Kind eckt in Kindergarten oder Schule an, kann sich schlecht konzentrieren und leidet unter einer inneren Unruhe? Das sind möglicherweise Symptome von ADHS. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung betrifft tatsächlich jede fünfte Familie und kann unerkannt zu einer großen Belastung werden. Wir erklären dir, was Anzeichen dafür sein könnten, dass dein Schatz betroffen ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • ADHS ist eine neurobiologische Erkrankung, deren Diagnose bei kleinen Kindern besonders schwer ist.
  • Die Kernsymptome von ADHS sind Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität.
  • Für die Entstehung von ADHS spielen neben genetischen Komponenten auch noch andere Faktoren eine Rolle.
  • Zur Behandlung können neben therapeutischen Maßnahmen auch Medikamente sinnvoll sein.
  • Ein strukturierter Alltag, konsequente Regeln und eine direkte Kommunikation können deinem Kind helfen.

ADHS: Was ist das eigentlich?

Bei ADHS handelt es sich um eine neurobiologische Erkrankung. Einfach gesagt sind die Übertragungswege von Informationen im Gehirn von Betroffenen anders, als bei Menschen ohne ADHS. Doch Vorsicht: viele Kinder sind lebhaft und unruhig, das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie ADHS haben. Besonders bei jüngeren Kinder ist es deswegen sehr schwer, eine Diagnose zu stellen.

Kleinkinder entwickeln sich schnell und was dir heute Sorgen macht, hat sich möglicherweise mit dem nächsten Entwicklungsschub wieder erledigt. Hält das auffällige Verhalten deines Kindes jedoch länger an, dann könnte es tatsächlich sein, dass dein Kind hyperaktiv ist oder eine ADHS hat.

Das sind Symptome von ADHS

Kinder, die betroffen sind, fallen meistens schon im Kindergarten auf, weil sie selten zu ruhigen Beschäftigungen fähig und körperlich extrem unruhig sind. Die Kleinen können sich kaum konzentrieren und sind beim Spielen sehr sprunghaft. Die Symptome von ADHS stechen besonders im direkten Vergleich mit anderen Kindern ins Auge, weswegen es oft die Erzieher*innen oder Lehrer*innen sind, die einen ersten Verdacht äußern.

Kernsymptome von ADHS

  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität

Nebensymptome von ADHS

  • Desorganisation
  • Schnelle Stimmungswechsel
  • Geringe Stressresistenz
  • Verminderte Gefühlskontrolle
  • Vergesslichkeit
  • Ungeduld

So können sich Symptome von ADHs bei Kindern äußern

Du bist die Symptome für ADHS durchgegangen, es fällt dir aber schwer, dir etwas darunter vorzustellen?

Dann kannst du diese Anzeichen prüfen:

  • Du oder Andere beschreiben dein Kind als „Zappelphilipp”?
  • Dein Kind hat Probleme mit Autoritäten und bricht gerne Regeln?
  • Es provoziert oft und schiebt die Schuld auf andere Kinder?
  • Dein Kind hat ständige Ausraster und wird immer wieder von extremen Gefühlen überrollt?
  • Deinem Kind fällt es schwer, Freundschaften zu schließen und es ist oft der Außenseiter?
  • Beim Malen und Basteln hat dein Kind im Vergleich zu Altersgenossen Defizite?
  • Puzzle oder Gedächtnisspiele fallen deinem Schatz besonders schwer?
Einzelne Punkte können zu einer normalen Entwicklung dazu gehören und betreffen deswegen viele Kinder. Je mehr der Fragen du jedoch mit einem Ja beantwortest, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um Symptome von ADHS handelt.
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Was sind Ursachen von ADHS?

Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie es dazu kommt, dass ein Kind ADHS entwickelt. Wissenschaftler*innen gehen aber davon aus, dass für die Entstehung mehrere Faktoren zusammenkommen müssen. Zum einen ist eine Veranlagung für die Störung erblich, das heißt, genetische Komponenten spiele eine wichtige Rolle.

Doch auch Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen sowie Umwelteinflüsse können ADHS begünstigen. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, warum ein Kind Symptome von ADHS zeigt. Die Ursache für die gezeigten Verhaltensauffälligkeiten liegen, wie bereits erwähnt, im Gehirn der Betroffenen und konnten in neuroanatomischen Studien nachgewiesen werden. ADHS ist also alles andere als eine „Modeerscheinung”, wie leider viele Menschen fälschlicherweise immer noch glauben.

Wie kann mein Kind bei Symptomen von ADHS behandelt werden?

Bei Kindern mit ADHS ist eine kognitive Verhaltenstherapie sinnvoll. Sie erlernen in der Therapie, Techniken, die mit dem Gedächtnis, den Gedanken und den geistigen Fähigkeiten zu tun haben. Einige davon können Eltern unter Anleitung des Therapeuten üben, um sie ebenfalls bei ihrem Kind anzuwenden.

Die in der Therapie erlernten kognitiven Methoden können deinem Kind helfen, Aufgaben strukturierter anzugehen und umzusetzen. So können Kinder mit ADHS mit der Zeit lernen, sich mithilfe von „Wenn-Dann-Sätzen” selbst zu motivieren („Wenn ich meine Spielzeug weggeräumt habe, dann mache ich mein Bett”) und sich mit der Aufteilung einer Aufgabe in kleine Schritte besser zu organisieren. Doch das alles braucht Zeit und vor allem eine professionelle Anleitung.

Mein Kind zeigt Symptome von ADHS, muss es Medikamente bekommen?

Manchmal reichen die therapeutischen Ansätze jedoch nicht aus, um das Kind aufzufangen. Besonders bei Kindern mit einer ausgeprägten ADHS  ist eine Kombination mit Medikamenten erforderlich. Diese müssen jedoch von Fachärzt*innen oder von Kinder- und Jugendmedizin oder -psychiatrie verschrieben werden.

Dabei solltest du dir doch darüber bewusst sein, dass Medikamente zwar die Symptome von ADHS lindern können, aber nicht die anderen Probleme lösen. Deswegen sollten sie immer nur zusammen mit therapeutischen Maßnahmen angewendet werden.

Hilfe, mein Kind mit ADHS macht mich wahnsinnig

Kinder mit ADHS bringen Eltern an ihre Grenzen. Der Familienalltag ist meistens von Konflikten geprägt und dein Kind benötigt besonders viel Aufmerksamkeit. Dazu kommen noch die Probleme in der Schule und beim Lernen. Es ist völlig normal, dass du dich als Mutter oder Vater davon überfordert fühlst. Vielleicht bist du auch schon wütend geworden, hast dein Kind angeschrieen und fühlst dich jetzt schuldig?

Bitte mache dir bewusst, dass dein Kind sich nicht absichtlich so verhält. Eigentlich weißt du das selbst: Wütende Vorwürfe helfen deinem Kind nicht. Stattdessen braucht ihr als Familie Strategien, um den Alltag zu strukturieren und zu bewältigen.

Die große Mama-Wut kennen nicht nur Mütter von Kindern mit ADHS. Vielleicht helfen dir die Tipps in diesem Beitrag: „Warum wir Mamas so wütend werden – und was uns helfen kann”.

Wie kann ich meinem Kind helfen, mit ADHS zurechtzukommen?

Klare Regeln und Anweisungen sind bei Symptomen von ADHS wichtig, um deinem Kind Sicherheit und Orientierung im Alltag zu vermitteln. Viele betroffene Familien empfinden es außerdem als hilfreich, feste Routinen zu etablieren und sehr direkt mit dem Kind zu kommunizieren.

Ein Beispiel: Anstatt zu sagen: „Bitte mache deine Hausaufgaben” bleibe konkret und sage lieber „Bitte schlage dein Lesebuch auf und lies mir den Text auf Seite 4 vor.” Wichtig ist außerdem, dass du dein Kind lobst, wenn es etwas erfolgreich erledigt hast.

Tipps für den Alltag mit Kindern, die Symptome von ADHS zeigen

  • Achte darauf, dass du dein Kind nicht zu vielen Reizen aussetzt. Ein reizarmer Schlaf- und Arbeitsplatz können Wunder bewirken.
  • Bleibe mit ihm im Gespräch und versuche, herauszufinden, was der Auslöser für den Ausraster war.
  • Sport und Bewegung sind für viele Kinder mit ADHS ein sinnvolles Ventil. Diese sollten jedoch gut angeleitet werden, da Kinder mit ADHS unvorsichtiger sind als andere Kinder.
  • Versuche, dein Kind bei Hobbys zu unterstützen, damit es eine Beschäftigung findet, auf die es sich gerne konzentriert.
  • Beziehe Kindergarten und Schule unbedingt ein, um gemeinsam Lösungen zu finden und Verständnis für das Kind zu sichern.
  • Denke an ehrliches Lob für dein Kind. Kinder mit ADHS leiden oft darunter, dass sie zu wenig positive Reaktionen und Anerkennung erfahren, deswegen solltest du keine Gelegenheit auslassen, kleine Schritte zu loben.
  • Achte auf dich! Es ist wichtig, dass Eltern ihre eigenen Grenzen erkennen und sich rechtzeitig Hilfe holen, wenn sie sich ihrem Kind mit ADHS nicht mehr gewachsen fühlen. Denn nur, wenn du immer wieder etwas Abstand bekommst, gelingt es dir langfristig, gelassen mit deinem Kind umzugehen.

Und denke immer daran: Dein Schatz mag mehrere Baustellen haben, aber du kannst sie nicht alle von heute auf morgen lösen. Es ist wichtig, das zu akzeptieren und sich auf das Tempo des Kindes einzulassen. Ansonsten könntest du es überfordern, was wiederum zu Frust auf allen Seiten führt.

Dabei hilft dir vielleicht der Austausch mit anderen betroffenen Eltern: HIER findest du verschiedene Selbsthilfegruppen. Der ADHS Deutschland e.V. bietet außerdem Beratungsmöglichkeiten per E-Mail oder telefonisch. Eine umfangreiche Auflistung von Therapeuten, Selbsthilfegruppe, Ärzt*innen und anderen Expert*innen für ADHS stellt die ADHS-Deutschland Community HIER zur Verfügung.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Fynn
Fynn
2 Jahre zuvor

Sehr gerne habe ich euren Artikel in unserem ADHS-Deutschland Community Forum geteilt: https://www.adhs-community.de/forum/thread/1222-symptome-von-adhs-ist-mein-kind-betroffen/

Desweiteren findet ihr eine sehr Umfangreiche Adressauflistung von Therapeuten, Selbsthilfegruppen, Ärzte u.v.m. die laufend aktualisiert wird. https://www.adhs-community.de/adhs-autismus-adressen/