Spielzeugwaffen für Kinder: schädlich für die Entwicklung?

Kontrovers diskutierte Themen gibt es bei Eltern viele. Spielzeugwaffen für Kinder im Kinderzimmer sind eines davon. Es wird nicht ganz so leidenschaftlich diskutiert wie beispielsweise das Stillen, aber anders als beim Impfen gibt es hier kein eindeutiges Richtig oder Falsch.

Sicher ist nur: Es ist hauptsächlich ein Jungs-Thema. Kleine Jungs (und manchmal auch Mädchen) lieben Waffen. Manche gehen davon aus, dass es wie so oft Vorbilder sind, die sie dazu bringen Besonders im Alter von 3 bis 5 Jahren, so Experten, identifizieren sich Kinder – dank rosa-pinker (Aussen)welt – besonders mit dem eigenen Geschlecht und wollen unbedingt dazugehören.

1. Imitation als Entwicklungsschritt

Sie imitieren Männer, die sich als besonders stark und mächtig ansehen. Wer eine Waffe hat, wirkt laut Studien eben besonders stark und mächtig. Man kann als Elternteil noch so dagegen sein und gut auf sein Kind aufpassen, irgendwann wird der Junge anfangen, aus Duplo eine Spielzeugwaffe zu bauen oder den eben eingesammelten Stock anzulegen und „Pfew pfew pfew“ zu rufen. Und als Elternteil steht man mit offenem Mund daneben und fragt sich, wo bitteschön er das gesehen hat.

Während einige Eltern ihrem Kind in dieser Phase ohne mit der Wimper zu zucken eine AK 47 aus Plastik kaufen, tun sich viele schwer damit. Dabei, so eine Meinung, ist es doch nichts anderes als einem Mädchen einen Feenstab zu kaufen. Schließlich ist es ein Spiel und Kinder begreifen nicht, dass Gewehre dazu da sind, andere zu töten. Selbst wenn sie dann ein glückliches „Jetzt bist du tot!“ ausrufen, können wir sicher sein, dass sie in diesem zarten Alter nicht wissen, was das eigentlich bedeutet. Sie begreifen nicht, dass der Tod mit Schmerzen und einer endgültigen Abwesenheit einhergeht.

2. Spielen Kinder mit Spielzeugwaffen normale Rollenspiele?

Stattdessen kann man das Schießen mit Spielzeugwaffen als völlig altersgerechtes Rollenspiel begreifen. Manchmal spielen die Kinder Vater-Mutter-Kind und manchmal eben Superhelden oder Polizisten, die bekanntlich Pistolen haben und damit auf Verbrecherjagd gehen. Sich in andere Rollen hineinzuversetzen zeugt doch eigentlich von viel Fantasie und immerhin spielen die Kinder dann miteinander und sitzen nicht vor dem Fernseher.

Werden solche Waffenspiele grundsätzlich verbannt, so eine Meinung, so bekommen sie umso mehr Wichtigkeit. Wie wir wissen, sind die verbotenen Früchte bekanntlich die süßesten. Darum kann eine völlige Verbannung dazu führen, dass wir unsere Kinder damit erst recht in die gegenteilige Richtung treiben und sie Waffen besonders interessant finden.

25 Tipps, wie dein Kind besser schläft (kostenloser Download)

Abonniere unseren Newsletter und erhalte deine kostenlosen Schlaftipps sofort via E-Mail:

Wir schicken dir in regelmäßigen Abständen E-Mails mit spannenden neuen Artikeln, Neuigkeiten aus unserer Community und Updates von Echte Mamas.  Mit dem Absenden deiner Daten abonnierst du unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter und akzeptierst unsere Datenschutzerklärung.


3. Vermehrte Aggression durch Spielzeugwaffen?

Gegen Spielzeugwaffen im Kinderzimmer sprechen andere Psychologen und Studien. Eine davon stammt bereits aus dem Jahr 1967. Damals zeigten Berkowitz und LePage in einem Experiment, dass alleine das Vorhandensein von Waffen Auswirkungen auf die Psyche hat. Frustrierte Testpersonen wurden in einem Raum, in dem Waffen lagen, aggressiver, als in einem Raum, in dem sich nur Alltagsgegenstände befanden.

Dass Kinder aber ihre Aggressionen mit Waffen abbauen dürfen, erscheint uns falsch. Schließlich können wir uns nicht vorstellen, dass es keinerlei Spuren im Gehirn hinterlässt, wenn sie schon als unschuldige Kinder so tun, als würden sie schießen.

Dabei müssen wir wohl differenzieren: Haben wir nicht früher auch mit Pfeil und Bogen gespielt? Und bekommt der Ritter im Fasching nicht auch automatisch ein Schwert, das auch in der Zeit nach Karneval noch bespielt werden darf? Nun kann man argumentieren, dass sowohl Pfeil und Bogen als auch Schwert nicht unmittelbar tödlich sind und, insbesondere ersteres, eher für die Jagd entwickelt wurde.

4. Sind Spielzeugwaffen Symbole der Selbstbehauptung

Gewehre und Pistolen aber sind dazu da, um Menschen zielgerichtet und schnell zu töten. Das nun unseren Kindern in die Hand zu geben, wirkt falsch. Tatsächlich meint Buchautorin („Leben mit einem Neugeborenen“) Barbara Sichtermann: „Kinder setzen Spielzeugwaffen als Symbole der Selbstbehauptung ein.“

Wenn sie dafür aber Waffen unbedingt brauchen, spreche nicht unbedingt für eine gute Beziehung zu den Eltern. Genauso gilt: Haben die Eltern bereits Waffen, gibt es im Umfeld Waffen, dann ist es problematisch, den Kindern ebenso welche in Spielzeugform zu kaufen. Denn so erzieht man sie dazu, auch in dieser Hinsicht, den Erwachsenen nachzueifern. Das Argument, das Vorhandensein von Waffen alleine mache noch keine tötenden Menschen ist das, welches die Waffenlobby in den USA schon seit Jahren benutzt. Mit traurigen Ergebnissen…

5. Spielzeugwaffen für Kinder: Klare Regeln sind wichtig

Am Ende müssen die Eltern selbst entscheiden, ob sie ihren Kindern Spielzeugwaffen im Kinderzimmer erlauben. Lautet die Antwort aber ja, so sollte man klare Regeln aufstellen:

1. Möglichst nicht echt:

Waffen sollten sich optisch deutlich von echten Waffen unterscheiden.

2. Gespräch suchen:

Kinder kindgerecht aufklären, diese Devise gilt auch für das Thema Waffen. Dabei sollte man deutlich machen, welche Gefahren von echten Waffen ausgehen, und dass man diese nie verwenden darf. Es sei denn, man ist erwachsen und Polizist

3. Nicht auf Menschen und Tiere zielen:

Tiere sind immer tabu, bei Menschen braucht es eine Erlaubnis. Wenn der Kindergartenfreund es in Ordnung findet, vom Kind (imaginär) beschossen zu werden, dann ist es das auch.

4. Stopp heißt Stopp!

Echte Konflikte dürfen niemals mit Spielzeugwaffen (oder echten, natürlich) ausgetragen werden.

5. Gute Beziehung:

Sorge für eine gute Beziehung zu deinem Kind und stärke sein Selbstvertrauen so, dass es keine Waffe braucht, um sich stark zu fühlen.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

Alle Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.