„Spät entdeckte Schwangerschaft: Warum ich mein Kind nicht sofort lieben konnte“

Die vielen Wochen, in denen Schwangere ihr Baby in sich tragen, geben ihnen die Zeit, eine innige Beziehung zu dem Ungeborenen aufzubauen und sich auf ihre neue Rolle als Mama vorzubereiten. Aber wie fühlt es sich an, wenn man erst sehr spät von seiner Schwangerschaft erfährt? Ändert sich unter diesem Umständen etwas an den Gefühlen einer werdenden Mutter?

Mama Bernadette (24) aus dem Chiemgau in Oberbayern erzählt, wie sie diese Situation erlebt hat:

Foto: privat

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Das M in Mama steht für müde ? Das andere M auch ?

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„Es ist erst ein halbes Jahr her, dass wir von unserem dritten Wunder erfahren haben. Das war zehn Wochen vor dem Entbindungstermin. In diesem halben Jahr musste ich verdammt oft mit der neuen Lebenssituation und meiner Einstellung dazu kämpfen – auch wenn ich das ganz gut verbergen konnte.

Mit einer Schwangerschaft hatte ich tatsächlich überhaupt nicht gerechnet, weil ich mit einer Spirale verhütete. Diese war anscheinend verrutscht, ich hatte davon nichts bemerkt.

Wirklich jeder guckte uns ungläubig an, als wir die frohe Botschaft verkündeten. Das ist ja auch verständlich, auch wir mussten uns erst an das plötzliche Glück und den so spontanen Zuwachs unserer Familie gewöhnen. Zu dieser Zeit stritten mein Mann und ich sehr viel. Er sagte zwar immer: ,Das schaffen wir schon!´, aber so ganz kam er mit dieser Situation anfangs nicht zurecht. Es war aber auch einfach so unrealistisch, wir fühlten uns wie in einem Film. Oder einem Traum, aus dem wir jederzeit wieder erwachen könnten.

Unsere Familie war am Anfang auch nicht sehr erfreut. Drei Kinder? Und dann noch so schnell nacheinander? (Meine Kinder sind drei und fast zwei Jahre alt) ,Das kann doch nicht gut gehen!`

Ich fühlte mich total einsam und verlassen. Dieses Gefühl überspielte ich. Ich hatte ja noch meine zwei Kinder zu Hause, die mich brauchten. Es musste weitergehen.

Der Entbindungstermin rückte auf dem Kalender immer näher. Und ich? Ich war innerlich null darauf eingestellt. Wie auch! Bei meinen anderen Kindern konnte ich mich knapp 40 Wochen lang auf dieses Wunder vorbereiten. Es spüren und kennenlernen. Eine Bindung aufbauen.

Und jetzt? Da war nix. Einfach gar nix. Und das machte mich unendlich traurig.

Ich fragte mich immer: ,Kann ich dieses Kind so lieben wie die anderen? So von jetzt auf gleich?´ Klar, es gab auch Momente, in denen wir uns freuten. Aber es fühlte sich einfach so verdammt komisch an.

Irgendwann setzten dann die Wehen ein, eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin. Anfangs lief alles super. Bis dann die Herztöne schwächer wurden und wir uns deshalb für einen Kaiserschnitt entschieden. Die Ärzte sagten mir, dass sie mir mein Baby gleich nach der Geburt auf die Brust legen würden.

Doch plötzlich war alles anders. Ich sah, wie sie das Baby hochhebten. Ich hörte aber keinen Schrei, wie ich ihn von meinen anderen Geburten kannte. Und auf einmal rannte die Hebamme mit dem Kind raus, zu den Ärzten.

Ich hatte Panik. Habe geweint. Und geschrien. ,Wo verdammt nochmal ist sie mit meinem Kind hin?`Mir wurde gesagt, die Nabelschnur hätte sich der Kleinen drei Mal um den Hals gewickelt. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Hebamme wieder. Mit meinem Kind auf dem Arm.

Da war sie nun. Meine Tochter.

Und alles fühlte sich so verdammt fremd an. Nicht nach meinem eigenen Fleisch und Blut. Und ich fühlte mich so verdammt mies, für dieses Kind nicht die Gefühle zu haben wie für die anderen zwei.

Foto: privat

Am ersten Tag wollte ich Niemanden außer meinem Mann sehen. Das war auch gut so, denke ich heute. Wir konnten kuscheln und sie kennen lernen. Zumindest etwas.

Wieder zu Hause, erzählte ich meinen Freunden und Bekannten meine Geschichte. Und tauschte mich online in diversen Mama-Gruppen aus, immer in der Hoffnung, Unterstützung und Zuspruch zu bekommen. Allerdings geschah dann etwas, das mich extrem verletzt hat.

Mir wurde nicht geglaubt. Zumindest von vielen nicht. Sie warfen mir vor, ich hätte mir das alles nur ausgedacht. Den Teil mit der spät realisierten Schwangerschaft verstand ich ja mit viel Wohlwollen noch – ich hätte vorher auf nicht gedacht, dass es das gibt: Eine Schwangerschaft muss man doch merken! Aber die Geburt? Wie krank müsste man sein, um sowas zu erfinden? Diese Ängste, die ich im Kreißsaal ausstehen musste, verfolgen mich bis heute. Ich träume davon und denke fast täglich daran zurück.

Nun ja, da saß ich also mit meinem Neugeborenen, zwei Kleinkindern und fühlte mich verachtet. Und unendlich allein.

Foto: privat

Aber: Nach und nach wurde es besser. Ich habe es geschafft, diese negativen Leute und Aussagen auszublenden. Ich habe jeden Tag dieses kleine Wunder bestaunt. Mein Wunder. Und habe es gelernt, meine Tochter zu lieben. Auch wenn sich das für viele sicher böse anhört.

Nun ist unsere Raupe schon knapp vier Monate bei uns. Es ist wunderbar. Mittlerweile könnte ich sie mir nicht mehr wegdenken. Es ist so, als wäre sie schon immer da gewesen.

Und ich liebe sie so sehr wie die anderen zwei auch. Bin glücklich, sie zu haben.

Ich weiß zwar nicht, ob ich es mir je verzeihen kann, sie nicht von der ersten Minute an so geliebt zu haben wie meine ersten zwei Kinder. Aber ich weiß, dass mich auf ewig diese ganz besondere Geschichte mit ihr verbinden wird.

Und irgendwann, irgendwann werde ich hoffentlich auch nicht mehr so sehr an der ganzen Geschichte zu knabbern haben wie jetzt noch.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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