Schwimmen in der Schwangerschaft: Ist das okay?

Man fühlt sich leicht und schwerelos, nichts tut einem weh und man kommt in eine wunderbare Streckung! Schwimmen ist anstrengend und schonend zugleich. Dass ich im Schwimmbad viele Schwangere sehe, die regelmäßig schwimmen, verwundert mich daher nicht! Ob schwimmen in der Schwangerschaft aber wirklich ratsam ist, erfahrt ihr hier:

Schwimmen tut einfach gut!

Je fortgeschrittener man in der Schwangerschaft ist, desto schwieriger ist es, einen Sport zu finden, der problemlos ausgeführt werden kann. Laufen geht irgendwann auf die Hüfte und die Knie, Fahrradfahren in den unteren Rücken, Krafttraining und Yogaübungen können aufgrund der wachsenden Babykugel nur noch bis zu einem gewissen Grad ausgeführt werden.

Sport ist aber wichtig, um fit zu bleiben, und sich vor allem auf die Geburt vorzubereiten. Der Schwangerschaftsratgeber des Universitätsspitals Zürich empfiehlt, mindestens fünfmal die Woche für circa 30 Minuten sportlich aktiv zu sein. Was also tun?

Hier kommt Schwimmen ins Spiel. Der Wassersport gilt als DER Schwangerschaftssport schlechthin. Er ist besonders sanft zu deinem Körper, da sich dein Gewicht im Wasser nur noch minimal anfühlt. Rückenbeschwerden, Kurzatmigkeit und weitere typische Schwangerschaftsbeschwerden haben hier so gut wie keine Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen. Ganz im Gegenteil – die Gelenke und Knochen werden entlastet, die Kondition wird verbessert, dein Baby wird im Bauch nicht durchgeschüttelt und das Herz-Kreislaufsystem wird positiv angeregt. Besonders für Schwangere mit Bandscheibenbeschwerden ist Schwimmen ideal. Je mehr Gewicht nämlich tagsüber auf die Bandscheiben und das Becken drückt, desto stärker werden die Schmerzen. Beim Schwimmen kann sich der Rücken entspannen, und das wirkt sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden aus. Ein weiterer Vorteil ist die Senkung des Thromboserisikos und die Stärkung des Immunsystems. Außerdem besteht beim Schwimmen nur ein sehr geringes Verletzungsrisiko, da Stürze und Kollisionen in der Regel nicht passieren. Also: Auch, wenn du mit zwei linken Füßen ausgestattet sein solltest, bist du im Wasser bestens aufgehoben.

Schwangere treibt entspannt im Pool

Schwerelos: Schwimmen in der Schwangerschaft entlastet den Rücken und fühlt sich einfach wunderbar an. Foto: Bigstock

Schwimmen in der Schwangerschaft: Der beste Stil

Zwar sind alle Schwimmstile gut, trotzdem solltest du Kraulen und Rückenschwimmen vorziehen. Durch die stärkere Streckung wird deine Wirbelsäule ideal in die Länge gezogen, und das fördert die Entlastung der Gelenke.

Schwimmdauer

Weniger ist mehr! Um das meiste für deinen Körper rauszuholen, sind 20-30 Minuten-Einheiten/drei- bis viermal pro Woche am besten. Du musst also nicht von jetzt auf gleich ein Leistungsschwimmer werden! Regelmäßigkeit und sanftes Training sind perfekt für dich und dein Baby.

Wassergymnastik als Alternative

Wenn dir das monotone Bahnen ziehen zu langweilig ist, dann ist Wassergymnastik wie Aquafitness oder Wasseryoga vielleicht genau das Richtige für dich. Hierzu gibt es oft auch spezifische Kurse, die extra für Schwangere ausgelegt sind – und die zum Teil von den Krankenkassen bezuschusst werden. Frag dazu einfach mal in deinem Schwimmbad nach.

Achtung!

Wie bei allen Sportarten und besonders in der Schwangerschaft solltest du genau auf deinen Körper hören und es nicht übertreiben. Wenn du frierst, Kreislaufprobleme oder Schwindel verspürst, dann leg sofort eine Pause ein. Denn auch, wenn man sich im Wasser leicht wie eine Feder fühlt, ist Schwimmen ein anstrengenderer Sport, als man glaubt, da er den gesamten Körper trainiert. Besonders bei Kälte solltest du aufpassen, da es sonst zu Kontraktionen in der Gebärmutter kommen kann.

Besteht eine Infektionsgefahr beim Schwimmen?

Nein! Zwar stimmt es, dass eine Scheidenpilzinfektion in der Schwangerschaft (die man „in anderen Umständen“ auch noch schneller bekommt) das Fehl- oder Frühgeburten-Risiko deutlich erhöht – Schwimmen hat damit aber nichts zutun! Viele Frauen glauben, dass man sich im Schwimmbad schneller an einer Infektion ansteckt, eine Ansteckung erfolgt aber nur aufgrund eines geschwächten Immunsystems oder einer Vorerkrankung. Solltest du also an einer Pilzinfektion erkranken, dann liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit an begünstigenden Faktoren, wie der Einnahme von Antibiotika, Erkrankungen wie Diabetes mellitus, übertriebener Intimhygiene oder einer Störung im Hormonhaushalt. Neigst du zu Pilz- oder bakteriellen Infektionen, dann besprich deinen Plan vorher trotzdem einmal mit deinem Frauenarzt. Er oder sie wird dir dann wahrscheinlich ein Intimzäpfchen verschreiben, was deinen Bakterienhaushalt im Reinen hält.

Lass dir grundsätzlich den Besuch im Schwimmbad also nicht ausreden, denn er tut deinem Körper in der Regel wirklich gut und birgt für dein Baby und dich keine Gefahr. Dennoch, solltest es passieren, dass es juckt, brennt oder schmerzt in der Scheide und/oder im Bauch, dann geh bitte sofort zu deinem Arzt und lass die Ursache abklären!

So kannst du Schwimmen in der Schwangerschaft richtig genießen:

  1. Gehe langsam ins Wasser
    Den Sprung vom Beckenrand würde ich jetzt erstmal weglassen. Die Gefahr auszurutschen besteht hier nämlich doch noch, und außerdem solltest du deinen Babybauch erstmal an das kalte Wasser gewöhnen.
  2. Schwimme nicht alleine, aber meide trotzdem Stoßzeiten
    Damit bei Kreislaufproblemen oder Schwindel sofort jemand bei dir sein kann, sollte immer jemand mit dir im Schwimmbad oder am Beckenrand sein (zum Beispiel der Bademeister), damit schnell eingegriffen werden kann! Das heißt aber nicht, dass du bei einem megavollen Schwimmbad im Wasser planschen sollst, hier besteht nämlich wiederum die Gefahr, mit jemandem unschön zusammenzustoßen oder einen Tritt gegen den Bauch zu bekommen. Versuche also, ein Mittelding zu finden, dann sollte alles glatt laufen. Des Weiteren ist die Wasserqualität deutlich besser, wenn das Becken nicht so überfüllt ist.
  3. Achte auf deinen Puls
    Wenn du Kurse mit anderen Schwangeren besuchst, achtet ein Trainer natürlich darauf. Wenn du aber lieber alleine deine Bahnen ziehen möchtest, ist es ratsam, selber auf seinen Puls zu achten. Ein Puls von maximal 100 bis 120 Schlägen in der Minute sind in Ordnung. Verlange dir aber nicht mehr ab, damit dein Herz geschützt bleibt. Die beste Kontrolle hast du mit einer Pulsuhr!
  4. Immer direkt duschen und gut abtrocknen
    Um zum einen den Chlorgeruch loszuwerden und zum anderen etwaige Keime und Erreger zu eliminieren, solltest du dich nach dem Schwimmen direkt gründlich duschen. Danach ist es ratsam, sich gut abzutrocknen, da Keime sich besonders in feuchten Milieus vermehren. Das gilt besonders für den Intimbereich und für die Füße.
  5. Lege dir Badelatschen zu
    Obwohl ich auch lieber direkt barfuß von der Kabine zum Becken husche, sind richtige Badelatschen (keine Flip-Flops) doch ratsam – besonders wenn der Boden etwas glitschig ist! Aus dem risikoarmen Sport muss ja keine risikoreiche Angelegenheit werden.

Schwimmen in der Schwangerschaft: Bis in den 9. Monat?

Schwimmen ist eine Ganzkörperbewegung und beansprucht sanft alle Muskelgruppen ohne das Gewicht des Babybauches oben drauf. Der hydrostatische Druck kommt Schwangeren nur zu Gute und sorgt für einen angenehmen Auftrieb. Du kannst dich also völlig frei bewegen und leicht wie eine Feder fühlen. Wenn dein Frauenarzt keine Einwände hat, kannst du sogar bis kurz vor der Geburt ohne Bedenken schwimmen gehen. Kurzum, Schwimmen ist ein fantastischer Sport – generell und in der Schwangerschaft umso mehr.

Wenn du also nicht schon eine Wasserratte bist, dann probiere es unbedingt mal aus und genieße das Gefühl, zu schweben!

Antonia

Gebürtige Hamburgerin aus einer niederländischen Großfamilie, in der es von Kindern nur so wuselt. Seit ich denken kann, habe ich auf Babys aufgepasst und daher einiges über sie und über das Leben mit ihnen lernen können. Seit Sommer 2019 arbeite ich als Freelancer bei „Echte Mamas“ und bin stolz, ein Teil des Unternehmens sein zu dürfen!

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