„Schwanger oder zu viel Pasta?“ Das ist übergriffig und unverschämt!

Heute muss ich mir hier einmal Luft machen! Vielleicht habt ihr es mitbekommen: Vor einigen Tagen tauchten im Internet Fotos von Lady Gaga beim Probeessen für die Hochzeit ihrer Schwester auf. Dabei trug die Sängerin ein schwarzes Kleid, unter dem (kreisch!) ein kleiner Bauchansatz zu sehen war. Genau der sorgte für helle Aufregung, denn – oh, mein Gott! – „Ist Lady Gaga schwanger?“. Laut der Berichte habe die Sängerin „die Babygerüchte angeheizt“, indem sie das figurbetonte Kleid trug, unter dem man das Bäuchlein sehen konnte. Ganz ehrlich, geht’s eigentlich noch?! Das ist einfach Bodyshaming vom Feinsten und sowas von übergriffig und unverschämt!

Entweder sie ist schwanger – oder hat „zu viel“ gegessen

Warum mich das Thema so aufregt? Weil gefühlt jedes Mal, wenn eine Promi-Dame es wagt, sich in einem Outfit zu zeigen, dass einen Bauch auch nur erahnen lässt, sofort Spekulationen laut werden. Jeder will der erste sein, der das gut gehütete Geheimnis „aufgedeckt“ und die Neuigkeit zuerst veröffentlicht hat – ob sie nun stimmt oder nicht.

Doch es geht noch eine Stufe weiter: Ein paar Tage vor Lady Gaga stand nämlich Taylor Swift plötzlich im Rampenlicht. Und zwar nicht nur auf der Bühne im Rahmen ihrer „The Eras Tour“, sondern danach auch direkt in den Klatschspalten.

Die Sängerin hatte nämlich während eines Auftrittes ein körperbetones, rotes Kleid an, unter dem man – ihr ahnt es schon – den Hauch eines Bäuchleins erkennen konnte. Damit es auch wirklich jede*r sieht, wurde auf dem Foto ein roter Kreis um den vermeintlich verdächtigen Bauch gelegt. Dazu sinngemäß der Text „Schwanger oder zu viel Pasta?“ Heißt also übersetzt, wenn Frau ein Bäuchlein hat, bekommt sie entweder ein Baby oder sollte dringend ihr Essverhalten überdenken.

Mehr Bodyshaming geht doch nicht!

Mir fällt dazu eine kleine Geschichte aus meinem Alltag ein: Mein Mann und ich waren neulich zu einer Veranstaltung eingeladen. Wir standen also in unseren Outfits vor dem Spiegel, und er meinte mit Blick auf sein Bäuchlein, er müsse unbedingt mal wieder zum Sport. Ich habe nur geantwortet: „Bei mir denken die Leute wenigstens, dass ich schwanger bin!“ Wir mussten beide lachen, aber im Prinzip ist es ja genau das. Sobald eine Frau nicht dem „Idealbild“ entspricht – wer auch immer das definiert – gibt es Spekulationen darüber, woher die „Abweichung“ kommt. Das ist einfach Bodyshaming vom Feinsten und mehr als übergriffig.

Nein, ich bin nicht schwanger - und wehe, jemand fragt!

Nein, ich bin nicht schwanger – und wehe, jemand fragt!
Foto: privat

Warum ich zuhause trotzdem darüber lachen konnte? Weil ich selbst es sagen darf – über MICH! Und zwar NUR über mich. Und auch nur leise, damit meine Kinder es nicht hören. Denn genau das ist doch auch Teil des Problems: Mit solchen Aussagen und Spekulationen vermitteln wir schon den Kleinsten das Gefühl, dass sie einem vermeintlichen Ideal entsprechen müssen. Und dass etwas mit ihnen nicht stimmt, wenn sie es nicht tun. Ganz ehrlich, das ist doch furchtbar! Dabei sollten wir alles tun, um unseren Kindern ein positives und gesundes Körpergefühl zu vermitteln, und ihnen zu zeigen, dass sie genau richtig sind, wie sie sind – ob mit Bäuchlein oder ohne.

Woher nehmen wir uns das Recht, einen Körper zu kommentieren?

Ich bin ehrlich: Im Normalfall komme ich ganz gut mit meinem Bauch klar. Ich bin nicht mehr die Jüngste (hüstel), habe zwei Kinder bekommen, und meine Begeisterung für Sport hält sich auch in Grenzen (jaaa, ich weiß….). Deshalb kann ich in den meisten Fällen mit dem Blick in den Spiegel ganz gut leben. Aber: Es gibt auch (genug) Tage, an denen das nicht so ist. An denen es mich frustriert, dass mir das Oberteil nicht mehr passt, das ich früher so gern getragen habe. Ich am liebsten den weitesten aller Schlabberpullis anziehen würde, damit bloß niemand (und ich schon gar nicht!) den Bauch sieht. Mich maßlos darüber ärgere, dass ich so ein Sportmuffel bin. Und mich einfach nicht wohl in meiner Haut fühle.

Wenn ich mir vorstelle, dass mich an diesem Tag jemand anspricht und fragt: „Oh, bist du wieder schwanger?“ – ich glaube, ich würde ausrasten. Oder heulen. Genauso geht es vermutlich viel zu vielen Frauen, von denen einige nicht die guten Phasen haben. Viel zu viele sind unglücklich mit ihrem Körper oder schämen sich sogar dafür. Und ein Grund, da bin ich mir sicher, sind die dämlichen Idealbilder, die wir ständig und überall vermittelt bekommen. Und die übergriffigen Spekulationen, Fragen und Bemerkungen über unsere Körper.

Dazu kommt noch ein anderer wichtiger Punkt: Was ist, wenn eine Frau sich ein Baby wünscht, es aber einfach nicht klappt? Schon mal darüber nachgedacht, was so ein Kommentar dann bei ihr anrichten kann?

Grundsätzlich ist doch die Frage: Woher nimmt man sich das Recht, den Körper einer anderen Person zu kommentieren? Egal, ob Promi oder nicht – es geht uns einfach gar nichts an! Niemand weiß, was so ein Kommentar auslösen kann, welche Zweifel er befeuert, oder welche Wunden er aufreißt. Deshalb: Bitte einfach sein lassen!

Taylor Swift springt Lady Gaga zur Seite – und bringt es auf den Punkt

Lady Gaga hat übrigens mit einem TikTok-Video relativ schlagfertig auf die Schwangerschaftsgesrüchte reagiert. Untertitel: „Nicht schwanger. Weine nur gerade im Fitness-Studio“. Im Original ist das ein Zitat („Just down bad crying at the gym“) aus einem Song von Taylor Swift. Wohl kein Zufall, nachdem beide sich mit den gleichen Spekulationen zu ihren Bäuchen herumschlagen mussten.

Taylor Swift wiederum reagierte auf das Video mit einem Kommentar und bringt es damit auf den Punkt: „Können wir uns alle darauf einigen, dass es übergriffig und verantwortungslos ist, den Körper einer Frau zu kommentieren. Gaga schuldet niemandem eine Erklärung, und das gilt auch für jede andere Frau.“

Taylor Swifts Kommentar zu Lady Gagas Video.

Taylor Swifts Kommentar zu Lady Gagas Video.
Foto: Screenshot/TikTok

Ich fasse also noch einmal zusammen:

Was gehen uns die Körper anderer Menschen an? NICHTS!
Wann geben wir einen Kommentar dazu ab? NIE!
Wann fragen wir eine Frau, ob sie schwanger ist? NIE!
Und wenn der Bauch deutlich sichtbar ist? AUCH DANN NICHT!
Wann gratulieren wir zu einer Schwangerschaft? Wenn die Frau uns selbst davon erzählt – VORHER NICHT!

Alles klar?  Ich gehe jetzt übrigens Pasta essen – und zwar so viel, wie ich will!

Wie ist es bei dir: Musstest du dir auch schon Kommentare über deinen Körper anhören? Hast du vielleicht sogar selbst schon Bodyshaming erlebt? Wenn du davon erzählen magst, schreib mir deine Erfahrungen gern in die Kommentare –

ich freue mich!
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Wiebke Tegtmeyer
Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Nach meinem Bachelor in Medienkultur an der Uni Hamburg, einem Volontariat zur Online-Redakteurin und einigen Jahren Erfahrung als (SEO-)Texterin bin ich nach meiner zweiten Elternzeit bei Echte Mamas gelandet. Hier kann ich als SEO-Redakteurin meine Leidenschaft für Texte ausleben, und auch mein Herzensthema Social Media kommt nicht zu kurz. Dabei habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Ernährung von der Schwangerschaft über die Stillzeit bis hin zum Babybrei beschäftigt. Und wenn ihr auf der Suche nach einem Vornamen für euer Baby seid, kann ich euch garantiert passende Vorschläge liefern. Außerdem nutze ich die Bastel-Erfahrungen mit meinen beiden Kindern für einfache DIY-Anleitungen. Wenn der ganz normale Alltags-Wahnsinn als 2-fach Mama mich gerade mal nicht im Griff hat, fotografiere ich gern, gehe meiner Leidenschaft für Konzerte nach oder bin im Volksparkstadion zu finden.

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