Schwanger im Bus: Liebe Mitfahrer, wo sind eure Manieren?!

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, schon klar. Aber manchmal fühlte ich mich trotzdem so. Die Füße waren geschwollen, der Rücken tat weh, die Brust auch. Der Bauch zog nach unten, die Übelkeit nervte und spätestens nach einem Tag bei der Arbeit wollte ich meistens nur noch ins Bett. Auf dem Weg dorthin aber musste ich aber oft noch eine große Hürde nehmen: die Fahrt mit Bus und Bahn.

Da könnte man meinen, es wäre nichts leichter als das. Schließlich gibt es in jeder Bahn, in jedem Bus mindestens vier Sitze, die für Ältere, Gebrechliche und eben auch Schwangere frei gemacht werden müssen. Oder?

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Bevor ich eine Horror-Schwangerschaft mit Hyperemesis gravidarium durchlitt, war ich eigentlich immer eine in-den-Öffis-Steherin. Ich setzte mich nie und brachte auch meinem älteren Kind bei, dass es nur dann einen Sitzplatz in Anspruch nehmen darf, wenn alle älteren Menschen im Bus bereits einen haben. Steigt jemand zu, der entweder Oma sein könnte, der humpelt oder sonst irgendwie schwach wirkt, musste mein gesundes Kind seinen Platz räumen und stehen. Eine Selbstverständlichkeit, dachte ich, und achtete darum eher nicht darauf, ob meine Mitmenschen das ebenso machten.

Erst, als ich selbst einen Platz brauchte, wurde mir bewusst, wie wenige Leute wirklich diese banale Höflichkeitsregel befolgen. So oft wurde ich nicht beachtet, während ich mit meinem riesigen Bauch im Gang stand und mich an die Haltestangen klammerte.

Unhöfliche Smombies

Ganz oft sah ich Schüler und Schülerinnen, Business-Männer und -Frauen in Anzügen auf ihre Smartphones starren, oft mit eingestöpselten Kopfhörern. Grob geschätzt 87 Prozent von ihnen sahen im Laufe der Fahrt im Bus mindestens ein Mal hoch – blickten mich an, starrten eine Sekunde zu lang auf meinen Bauch, sahen wieder zurück in mein Gesicht. Dann dachte ich jedes Mal: ,Juhu, jetzt darf ich doch sitzen!‘ Aber nichts da. Keiner von ihnen stand auf. Sie senkten wieder den Blick und swipten weiter.

Das Smartphone in der Hand, milt den Gedanken überall – nur nicht im Hier und Jetzt. © Unsplash / William Iven

Aber man darf nicht alle über einen Kamm scheren – es gab durchaus Menschen, die mir ihren Sitzplatz in der Rush Hour überlassen haben. Frauen, denen man ansah, dass sie auch mal in meiner Situation waren und – hört, hört, liebe Jugendliche! – ältere Leute. In der Tat waren es meistens Rentner, die nicht zögerten und im Bus sofort aufstanden. Wirkten sie vergleichsweise fit, bedankte ich mich und ließ mich fallen. Wenn nicht, lehnte ich dankend ab und versuchte, die anderen Sitzenden möglichst böse anzublicken.

Selbst ist die Frau!

Damit begnügte ich mich die meiste Zeit meiner sichtbaren Schwangerschaft. Die letzten Wochen allerdings nicht mehr. Da wurde ich dreist, so würden es zumindest einige Menschen nennen. Ich holte mir, was mir meiner Meinung nach zustand.

,Entschuldigen Sie, sind Sie körperlich gesund?‘ oder auch: ,Entschuldigen Sie, haben Sie eine Gehbehinderung?‘ Diese zwei Fragen richtete ich dann, betont freundlich und mit dem höflichsten Lächeln, das ich aufbringen konnte, an die Geschäftsmänner und -frauen. Bei den Jugendlichen sagte ich schlicht: ,Ich möchte gerne sitzen.‘ Keine Entschuldigung, keine Begründung, schließlich war mein Bauch für nichts und niemanden zu übersehen.

Die meisten Menschen entschuldigten sich übrigens ihrerseits, nachdem ich sie auf diese Art und Weise aus ihrer Smartphone-Trance geholt hatte. Und ich hoffe inständig, dass ich damit einen Eindruck hinterlassen habe und sie für die nächste Schwangere, den nächsten älteren Mann/die nächste ältere Frau oder den nächsten Mitfahrer mit Gehstock im Bus  gleich aufstehen und nicht erst auf eine Aufforderung warten.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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