Schulhofjogging: „Mensch, freut mich, dass Homeschooling bei euch so supi klappt!“

„Haaaaiii…… na bist du auch hier hin gejoggt?“

Ich schaue an mir runter und sehe mich in meiner bequemen grauen Sofajoggingbuxe, halb offenen Schuhen und einer Wollmütze auf den unfrisierten Haaren auf dem Schulhof stehen. Heimlich hatte ich gehofft, dass ich um diese Zeit niemanden hier antreffen würde, weil alle anderen Mütter bereits um acht Uhr die Distanzlernmaterialien für ihren Nachwuchs abholen.

Es war jetzt 11 Uhr 21, 9 Minuten später würde sich dieser Schulmaterial Umschlagplatz wieder für eine Woche schließen. Niemand, wirklich NIEMAND würde es wagen, zu spät hier zu erscheinen und die Klassenlehrerin anrufen zu müssen, um zu offenbaren, dass man zu doof war, rechtzeitig für das Material seines Kindes zu sorgen.

„Heeeeerrrlich, oder?“ fragt die Joggingmutter.

Ich wohne 500 Meter von der Schule entfernt und bin definitiv NICHT hierhin gejoggt.

Dafür hatte ich aber bereits eine halbe Tafel Schokolade inhaliert und kurz überlegt, ab wieviel Uhr es wohl legitim sein könnte, zum Homeschooling das erste Glas Rotwein zu trinken.

„Nein! Heute ist mein Pilates Tag, aber gestern bin ich eine tiptop herrlich große Runde gelaufen!“
Das war gelogen. Beides!

„Ich finde das ja SUUUPER mit dem Homeschooling, unsere Marlene-Maditha arbeitet total selbstständig, und danach hilft sie mir immer beim Kochen. Ich bekomme jetzt richtig viel im Haushalt weggearbeitet und das Wohnzimmer habe ich gestern auch komplett gestrichen!“

In meinem Geiste wedele ich mit zwei ausgestreckten Mittelfingern vor ihrem Gesicht herum und ziehe dabei eine unvorteilhafte Grimasse. Dazu forme ich mit dem Mund ein leicht prolliges „Fick dich!“

Was ich wirklich sage ist: „Toll!“ Mein falsches Lächeln sieht man nicht, Maskenpflicht.

Ganz ehrlich: Ich bin froh, wenn ich mal geduscht habe, ohne dass sich meine zwei Söhne statt mit ihren Distanzlern-Aufgaben mit sich beschäftigen und am Ende einer weinend in der Ecke liegt, meistens der kleine. Schlecht gelaunt sind dann aber beide. Und ich. Und noch nass.Und warum liegt meine Jogginghose nicht neben der Dusche?

Ich habe das Duschen übrigens grundsätzlich verschoben. Statt morgens dusche ich jetzt immer um kurz vor zwölf, denn ansonsten wäre genau DAS gefühlt die Zeit für den ersten Rotwein. Spätestens. Das ist dann mein großer Wellness-Moment, bis meine Haut schrumpelig und das Wasser kalt wird. Vielleicht hätten wir damals doch einen größeren Warmwasserpufferspeicher nehmen sollen…

Notiz für den nächsten Distanzlernmaterial-Abholtag:
1. Joggingschuhe anziehen

2. Außerdem unbedingt das alte Sweatshirt mit den Farbspritzern vom letzten Streichen

3. Leggings kaufen.

(Ich streiche „Leggings kaufen“. Ein bisschen Würde will ich mir doch erhalten.)

4. Die leeren Rotweinflaschen VOR betreten des Schulhofes zum Glascontainer bringen.


Liebe Davina Sauer, 1000 Dank für diesen herrlichen Gastbeitrag!

Davina

Davina Foto: privat

Auf LandMausFlausen – Texte aus der Provinz schreibt Davina über ihren Alltag „in der kuscheligen und übersichtlichen Sicherheit des Landlebens“. Und das zu lesen, macht einen Heidenspaß! Schaut unbedingt mal auf ihrem Blog vorbei.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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