Schmerzfreie Geburt: So kann es klappen

Viele werdende Mamas haben Angst vor der Geburt. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Ursachen, doch ganz oben auf der Liste ist meist die Furcht vor den Schmerzen. Kein Wunder, hört man doch unzählige Schauergeschichten über die Schmerzen bei der Geburt und leider nur sehr wenige positive Berichte. So ist es schon fast zum Common Sense geworden, dass Geburt nun mal Leiden bedeutet und wir Frauen uns wohl damit abfinden müssen. Diese allgemeine Konditionierung geht sogar soweit, dass man einer positiven Geschichte schon fast nicht glauben mag oder diese als zufälligen Einzelfall abtut, so selten scheint sie zu sein. Ist die schmerzfreie Geburt also doch nur ein Mythos? Das weiß Nives Haag von Mama by nature.

Nives hat die wichtigsten Fragen zum Thema schmerzfreie Geburt erklärt:

Was sind denn eigentlich Schmerzen?

1. Das Ergebnis der inneren Einstellung

Schauen wir uns im ersten Schritt einmal an, was Schmerzen überhaupt sind. Genau genommen beschreibt das Wort Schmerz ja nur relativ vage ein unangenehmes Körpergefühl. Es sagt jedoch nichts Konkretes darüber aus, wie diese Empfindung sich tatsächlich anfühlt. Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln so stark, dass wir allein hier schon einen großen Unterschied bewirken können. Wir könnten z.B. das Wort Schmerz ersetzen, durch das, was es wirklich ist. Druck? Spannung? Ein Ziehen? Oder etwas ganz anderes? Wir können für einen Moment einmal genau hinsehen und hineinfühlen, was genau es ist, was wir da spüren – ganz ohne Interpretation und Bewertung. Alleine schon diese achtsame Auseinandersetzung mit dem, was gerade ist, macht das Gefühl oft schon um einiges angenehmer.

Die Schmerzen bei der Geburt sind in unserer Kultur zum Teil auch antrainiert. Weil wir erwarten und glauben zu wissen, dass die Geburt schmerzhaft sein wird, wird es auch so sein. Das heißt, dass man mit der eigenen, inneren Einstellung zu dem Thema schon sehr viel erreichen kann.

2. Schmerzen durch Anspannung

Dann gibt es aber auch noch den Teil, der tatsächlich schmerzhaft sein kann. Und hier kommt das so genannte Angst-Spannungs-Schmerz-Syndrom ins Spiel, dass zum ersten Mal von Dr. Grantley Dick-Read in den 30er-Jahren benannt wurde. Laut ihm gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Angst und somit psychischen Anspannung der Mutter und der daraus resultierenden tatsächlichen, physischen Anspannung in der Gebärmutter. Wie auch im Alltag, wenn wir uns unwohl fühlen, spannt sich unser Körper an und verkrampft sich. Genau das gleiche passiert in der Gebärmutter und verursacht dadurch Schmerzen, was wiederum noch mehr Angst zur Folge hat usw. Schließlich ist Schmerz in jeder anderen Situation in unserem Leben ein Alarmsignal, dass uns auf eine mögliche Gefahr hinweist.

3. Die Kraft der Hormone

Auch unsere Hormone spielen dabei eine Rolle. Schütten wir während der Geburt Stresshormone aus, wird unser Körper in einen Kampf- oder Fluchtmodus versetzt. Sauerstoffreiches Blut wird in die Extremitäten gepumpt um kämpfen oder flüchten zu können. Dieses Blut fehlt unserer Gebärmutter und unserem Baby, um die Geburt harmonisch fortsetzen zu können. Oft ist ein so genannter Geburtsstillstand dann die Folge.

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Und wie ist eine schmerzfreie Geburt nun möglich?

Nun ist glücklicherweise genau das Gegenteil der obigen Situationen möglich, wenn die Mutter ihre körpereigenen Wohlfühlhormone ausschüttet, die Endorphine, die bis zu 200 Mal stärker als Morphium wirken können. Die Gebärmuttermuskeln arbeiten harmonisch zusammen, der Muttermund öffnet sich leicht und die Mutter befindet sich in einem amnestischen Zustand.

Nehmen wir also an, wir könnten die beiden Komponenten Angst und Stress aus dem Geburtsprozess rausnehmen und sie stattdessen durch Vertrauen und Entspannung ersetzen. Wo Vertrauen und Zuversicht ist, kann keine Angst sein und wo Entspannung ist, kann auch kein Stress sein. Es können also nur entweder Stresshormone ODER Wohlfühlhormone ausgeschüttet werden, niemals beides. Genau das können wir zu unserem eigenen Wohl nutzen.

Doch was bedeutet das konkret?

Tipps für eine schmerzfreie Geburt

1. Vertrauen stärken:

Es klingt banal und auch irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Doch tatsächlich ist unser Unterbewusstsein der Schlüssel zum Erfolg. Gelingt es uns, im Laufe der Schwangerschaft Ängste und negative Glaubenssätze in Bezug auf die Geburt aufzulösen, ist das bereits die halbe Miete. Das gelingt z.B. mit gezielten Hypnosen oder Affirmationen. Da unser Unterbewusstsein stets durch eine kritische Barriere von unserem bewussten Denken getrennt ist, gelingt es uns in einem tiefen Entspannungszustand am besten, negative Glaubenssätze durch positive zu ersetzen und uns zu konditionieren und buchstäblich „umzuprogrammieren“. Empfehlenswert ist es auch, dich in ein positives Umfeld zu begeben und dir keine negativen Geburtsgeschichten anzuhören. Hör dir stattdessen lieber positive Geburtsberichte an oder guck dir gerne auch Videos von schönen Geburten an.

2. Wissen:

Durch eine entsprechende Geburtsvorbereitung kannst du dir außerdem das nötige Wissen über einen normalen Geburtsablauf aneignen. Mit Verdrängung wird die Angst vor dem Ungewissen nur noch größer. Wenn du hingegen weißt, was alles auf dich zukommen kann und wie du in verschiedenen Situationen reagieren kannst, gewinnst du Sicherheit und somit Vertrauen und Zuversicht.

3. Entspannung während der Geburt fördern:

Je wohler du dich bei der Geburt fühlst, desto besser kannst du entspannen. Hier spielt der Geburtsort eine genauso wichtige Rolle wie dein(e) Geburtsbegleiter. Nur, wenn du dich voll und ganz fallen lassen kannst, gelingt dir der Blick nach Innen, der bei der Geburt so wichtig ist. Die nötigen Entspannungstechniken kannst du z.B. in einem HypnoBirthing-Kurs erlernen. Oder du eignest dir selbst einige Methoden an, die dir zur Entspannung verhelfen. Das kann eine geführte Meditation sein (z.B. ein „Body-Scan“, bei dem du Schritt für Schritt deine Körperteile gedanklich durchgehst und gezielt entspannst), eine bestimmte Musik, Atemtechniken oder sogar ein besonderer Duft, den du gerne magst.

4. Loslassen für eine möglichst schmerzfreie Geburt:

Eines der wichtigsten Dinge bei der Geburt ist das Loslassen, und zwar körperlich sowie mental. Mach dich frei von irgendwelchen Erwartungen, wie deine Geburt abzulaufen hat und geh mit dem Fluss. Wenn es dir gelingt, dich voll und ganz dem Prozess der Geburt hinzugeben, macht dein Körper in der Regel von ganz allein das, was er soll. Die Schwierigkeit besteht eher darin, ihn nicht daran zu hindern.

Schmerzfrei vs. Bewältigbar

Mein persönlicher Tipp zu dem Thema „schmerzfreie Geburt“ ist außerdem folgender: Befreie dich von dem Ziel, eine schmerzfreie Geburt haben zu wollen. Versuche deinen Fokus auf anderes zu lenken, wie z.B. darauf, dass die Geburt allgemein ein positives und bestärkendes Erlebnis für dich wird.

Wir müssen Gefühle und Empfindungen, die während der Geburt in unserem Körper spürbar werden, nicht sofort analysieren und einordnen. Ist es nicht viel wichtiger, dass all diese Körpergefühle, die eine Geburt begleiten, für dich zu bewältigen sind? Dass du es schaffst, gut damit umgehen zu können? Und dass du letztendlich bestärkt davon hervorgehst?

Fakt ist, dass bei der Geburt Kräfte in uns Frauen geweckt werden, die wir niemals zuvor auch nur annähernd kennengelernt haben. Diese Kraft bewusst mitzuerleben und zu begrüßen kann sehr bereichernd sein – sofern wir sie zulassen und uns nicht dagegenstellen.

Fazit:

Der Wunsch, eine schmerzfreie Geburt zu erleben, ist nachvollziehbar, kann aber genau dafür hinderlich sein. So paradox es klingt, ist eine schmerzfreie Geburt wahrscheinlicher, je mehr wir uns von dieser Erwartung verabschieden. Trotzdem können wir den Geburtsverlauf unterstützen, indem wir für eine angenehme Atmosphäre sorgen, in der wir uns wohlfühlen, entspannen und loslassen können.

Quellen:

  • Marie Mongan: HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt
  • Dr. med. Christiane Northrup: Frauen Körper, Frauen Weisheit
  • Nancy Bardacke: Der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt

 

Nives Haag, Expertin für eine schmerzfreie Geburt

Nives Haag, Expertin für eine angenehmere Geburt durch HypnoBirthing. Foto: Eila Lifflander

Zur Autorin: Nives Haag ist HypnoBirthing-Kursleiterin, Gründerin von Mama by nature und Mama eines 2-jährigen Sohns. Sie unterstützt Familien dabei, eine sanfte und selbstbestimmte Geburt erleben und so gestärkt in ihre Elternschaft starten können. Ihr Motto: Starke Mama, glückliches Baby!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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