Schimpfwörter Kinder: Die richtige Reaktion aufs Fluchen

Schimpfwörter faszinieren Kinder: Irgendwann kommt der Moment, in dem sich unser niedlicher, geliebter Schatz zum ersten Mal vor uns aufbaut, mit großen Augen zu uns hochguckt, die Hände in die kleinen Hüften stemmt und mit seiner hohen Kinderstimme sagt: „Hau ab, du Assloch!

Öhm, bitte was? Was hat mein Kind da gerade gesagt? Sofort sind wir Eltern wie vom Donner gerührt, es verschlägt uns erstmal die Sprache und überhaupt…. WAS hat mein Kind da gerade gesagt?! Eine Schimpforgie unsererseits ist oft die zweite Reaktion, sobald wir unsere Stimme wiedergefunden haben.

Die könnten wir uns aber sparen, sagen Experten. Sie nützt in diesem Fall nämlich Null Komma Nix, sondern verstärkt sogar noch dieses Verhalten. Ja gut, Expertenmeinung hin oder her, wenn es beim ersten Mal passiert, passiert es. Wichtig ist, sich anschließend damit zu beschäftigen, warum unser Kind Schimpfwörter verwendet und beim nächsten Mal – und das kommt garantiert! – besser zu reagieren.

Nur… wie?

Schimpfwörter Kinder – Fluchen ist normal

Dazu muss man sich als Elternteil erstmal vor Augen halten, dass es völlig normal ist, dass Kinder Schimpfworte benutzen. Selbst wenn es Worte sind, bei denen unser Erwachsenen-Gehirn kurz ausschaltet und die wir niemals selbst aussprechen würden.

Oft wissen die Kinder nämlich gar nicht, was dieses lustige Wort bedeutet, das sie da im Kindergarten, der Schule oder in der Bahn aufgeschnappt haben. Sie merken nur, dass es etwas ist, das eine heftige Reaktion auslöst und meistens ist das genau das Ziel.

Dabei geht es einerseits um die Empörung der Eltern, andererseits um eventuell lachende, andere Kinder, vor denen das fluchende Kind damit zum Helden wird. Zweiteres ist meistens hingegen vernachlässigbar, denn meistens geht es – wie immer – um die Eltern. Die dürfen dann eben Detektivarbeit betreiben. Ebenfalls wie immer, haben sie nun die Aufgabe, herauszufinden, was dahintersteckt.

Schimpfwörter Kinder – die vier häufigsten Gründe:

1. Das Kind findet die Worte lustig

Im Gegensatz zu Erwachsenen machen Kinder tatsächlich etwas durch, was manche die „verbal-anal Phase“ nennen. In der probieren sie die unterschiedlichsten Worte aus und zerkugeln sich dabei vor Lachen. Als Elternteil darf man dann entspannt reagieren, manchmal sogar mitschmunzeln.

Böse gemeint sind sie meistens nämlich nicht. Wenn etwas aber deutlich über die eigenen Grenzen geht, sollten Eltern das genau so kommunizieren, zu sich selbst stehen und erklären, dass das Kind dieses Wort doch bitte nur alleine in seinem Zimmer sagen soll.

2. Das Kind möchte die Reaktionen testen

Das kennen wir ja schon aus der bedürfnisorientierten Erziehung: Kinder wollen sich spüren, sich ihrer Selbst bewusst werden, indem sie bemerken, dass und wie andere auf sie reagieren. Fluchen sie, reagieren Erwachsene oft mit großer Heftigkeit auf sie. Sie bekommen plötzlich einen großen Schwall Aufmerksamkeit und finden das toll.

Besser, als zu heftig zu schimpfen oder Schimpfworte völlig zu verbieten, ist darum, Kindern zu erklären, dass auch Worte verletzen können. Wir können ihnen erklären, warum wir nicht wollen, dass diese Worte benutzt werden und wir können überhaupt erst mal erklären, was sie bedeuten.

Außerdem müssen wir uns klar machen, dass es auch eine Art Vertrauensbeweis ist: Das Kind weiß: Egal, wie sehr ich Papa/Mama beleidige und wütend mache, sie lieben mich trotzdem.

3. Das Kind braucht Aufmerksamkeit

Sind Kinder traurig oder frustriert, wissen sie nicht weiter, brauchen sie uns Erwachsene. Das können sie aber so nicht unbedingt ausdrücken. Fluchen sie und beschimpfen uns, so bekommen sie endlich die ungeteilte Aufmerksamkeit, die wir ihnen vorher nicht gegeben haben oder nicht geben wollten.

Dabei brauchen sie die gerade unbedingt, weil wir besonders kleinen Kindern helfen müssen, ihre Gefühle zu verstehen. In diesem Fall müssen wir uns also ihnen zuwenden und verstehen, was sie gerade fühlen. Idealerweise geben wir ihnen Worte für ihre Emotionen und unterstützen sie dabei, ihren Frust anders abzubauen – im Grunde, wie bei jedem „normalen“ Streit.

4. Das Kind ist wütend

Dieser Punkt ist keine große Überraschung, oder? Aber er ist wichtig, weil wir auch Kindern das Recht zugestehen sollten, wütend zu sein und ihre Wut auch mal verbal mit einem „Scheiße“ rauszulassen. Vor allem dann, wenn wir selbst da vielleicht nicht immer die besten Vorbilder sind.

Und mal ehrlich: Wem von uns noch nie ein Schimpfwort vor den Kindern rausgerutscht ist, wenn die Milch überkocht oder die Waschmaschine ein Leck hat oder wir auf einer unsichtbaren Eisplatte auf die Nase gefallen sind, werfe die erste verdammte Axt.

Und ein kleiner Extra-Tipp: Wenn unser Kind auf Krawall gebürstet ist, ist diese „Schimpfschule“ von der Kleine Drache Kokosnuss einfach wunderbar anzusehen: Harmlose Schimpfwörter, die garantiert wieder für gute Laune sorgen!

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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