„Schei….. benkleister!“ Warum Fluchen vor Kindern manchmal völlig okay ist

Als ich einmal meinen Sohn aus der KiTa abholte, hörte ich, wie einer seiner Erzieher plötzlich ganz laut „Scheiße“ rief. Reflexartig habe ich ihn innerlich verurteilt: „Ey, sagen wir nicht dauernd zu unseren Kindern, dass sie nicht fluchen sollen? Und jetzt wirft hier ausgerechnet ein Erzieher mit Schimpfwörtern um sich?“ Allerdings war dem armen Kerl gerade kochendes Teewasser über die Hose gelaufen.  Und so fiel mir – hihi – siedendheiß ein, wie oft ich selbst in Ausnahmesituationen „böse“ Wörter geflucht habe.

Gerade erst habe ich wieder sehr, sehr laut das S-Wort gerufen. Ich war abgelenkt und habe dabei eine Thermoskanne aus Kunststoff auf die knallheiße Herdplatte gestellt. Vermelde hiermit: Flüssiges Plastik qualmt und stinkt so krass, dass einem ohne Übertreibung die Luft weg bleibt.

„Das sagt man nicht“, rief mein Sohn gelassen, während ich hektisch die Terrassentür aufriss. Nachdem ich ihn mit mir an die frische Luft gezerrt hatte, grinste ich ihn reumütig an. „Aber wieso soll ich denn nicht Schietwetter sagen?“ Danach lachten wir beide, weil er wusste, dass ich auch genau wusste, dass er mich ertappt hatte.

What the F* – Fluchen ist menschlich!

Halb so so schlimm, denke ich, und bin damit zum Glück nicht alleine . Ich finde sogar – etwas – Rückhalt in der Wissenschaft. Tiefgehend erforscht wurde das Thema zwar bislang nicht, aber zumindest der Kognitionswissenschaftler und Buchautor Benjamin Bergen von der University of California hat nicht viel gegen das Fluchen vor Kindern einzuwenden.

Natürlich gibt es Grenzen. Wenn wir dauernd mit Schimpfwörtern um uns werfen, denken unsere Kinder irgendwann doch, es sei in jedem Fall okay, sie zu gebrauchen. Und, viel wichtiger: Niemals sollten solche Flüche die Kinder selbst oder ihr Verhalten betreffen! Das ist dann nämlich einfach tierisch verletzend. 

Wenn man hingegen nur gelegentlich mal neben ihnen her flucht, freut das Kinder insgeheim diebisch. Das ist zumindest mein Eindruck. Und wer könnte es ihnen verdenken? So oft erleben unsere Kinder, wie sie an Grenzen stoßen, oder dass sie eine Situation nicht im Griff haben. Wie erleichternd, dass es Erwachsenen zumindest ab und zu ebenso geht!

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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