#schafftunsplatz für Kitaplätze: „Uns erreichen täglich Eltern-Hilferufe.”

„Habt ihr schon einen Kitaplatz?” Diese Frage bekommen Eltern mittlerweile immer früher gestellt, manchmal sogar schon in der Schwangerschaft. So absurd wie es sich anfühlen mag, denn das Kind ist ja noch nicht einmal auf der Welt, so berechtigt ist es (leider) auch, sich frühzeitig darüber Gedanken zu machen.

Schließlich ist der Bedarf an Kitaplätzen riesig, nur wenige Eltern können oder möchten dauerhaft zu Hause bleiben, wenn die Kinder da sind. Wer dann nicht auf die Großeltern setzen kann, für den wird es schwierig. Und wer kann das heute schon noch?

MyKitaPlatz kämpft mit #schafftunsplatz für mehr Kitaplätze

Es fehlt den Eltern an Möglichkeiten und vor allem an Kraft und Kenntnissen, wie sie sich das Recht auf Unterstützung durch die Jugendämter erkämpfen können. Zum Glück gibt es Initiativen wie #schafftunsplatz von MyKitaPlatz, die Eltern unterstützen und immer wieder auf diese Herausforderungen aufmerksam machen.

Im Interview erzählt uns Gründerin Lisa Schölzel, warum es ihr so wichtig ist, endlich mehr Kitaplätze zu schaffen und erklärt, wie jeder von uns dabei ganz einfach mithelfen kann.

Liebe Lisa, warum ist dir das Thema Kitaplätze so wichtig?

Zum einen habe ich selbst Kinder im Kindergartenalter und musste für beide Kinder um einen Kitaplatz kämpfen. Dabei musste auch ich beruflich zurückstecken und konnte mein Referendariat deswegen erst ein halbes Jahr später als geplant beginnen. Ich weiß also nur allzu gut, wie es sich anfühlt ohne Betreuungsplatz dazustehen.

Zum anderen sehen wir durch unsere Arbeit bei MyKitaPlatz tagtäglich wie gesellschaftlich relevant und brandaktuell das Thema und wie hoch der Bedarf ist, hier etwas zum Positiven zu verändern.

Kannst du uns uns einen Überblick zur aktuellen Situation geben?

Leider ist immer noch nicht sichergestellt, dass jedes Kind einen Betreuungsplatz bekommt, wenn es diesen benötigt. Zwar wurden in den letzten Jahren einige Anstrengungen der öffentlichen Hand unternommen, um der miserablen Situation Abhilfe zu schaffen – jedoch ohne dass es in der Breite groß spürbar ist. Die letzten erhobenen Zahlen sprachen von ca. 300.000 fehlenden Betreuungsplätzen, das sind 300.000 Kinder, denen das Großwerden in einer Gruppe verwehrt wird und 300.000 Familien, die in ihrem gesellschaftlichen Weiterkommen behindert werden.

Besonders angespannt ist es nach wie vor in den Ballungszentren, aber auch in ländlichen Gegenden, in denen z.B. viele Eigenheime und entsprechende Siedlungen entstehen, ist der Platz knapp und die Platzvergabe für die Familien ein Kampf. Täglich erhalten wir diverse Hilferufe von Eltern.

Wofür setzt ihr euch konkret ein, was sind eure Ziele?

Mit #schafftunsplatz wollen wir zunächst auf die Familien und die mit einem fehlenden Betreuungsplatz einhergehenden Probleme aufmerksam machen und aufzeigen, dass es (entgegen der Ansicht so mancher Richter) enorme soziale Verwerfungen und Belastungen für die Familien bedeutet, weitere 12 Monate auf einen Kitaplatz zu warten.

Konkret fordern wir den seit 1996 bzw. 2013 bestehenden Kitaplatzanspruch endlich mit dahinterstehenden Kitaplätzen auszustatten, eine unbürokratische Unterstützung für alternative Betreuungsformen über alle Bundesländer hinweg etwa die Übernahme des Mehrbetrags für eine private Kita und eine Entlastung der Erzieher und Erzieherinnen durch Erhöhung der Attraktivität dieses Berufsbildes, um so mehr Menschen für den Beruf zu begeistern.

Im nächsten Schritt wollen wir aus der Kampagne einen Verein entstehen lassen, um nachhaltig und zielgerichtet die Probleme anzugehen. Glücklicherweise haben wir prominente Unterstützung durch Alice & Hardy Krüger jr., die sich mit uns für die Familien einsetzen. Mit diesen beiden Power-Eltern haben wir auch Überlegungen in Richtung eigener Kitas, die wir bauen möchten, sind hier allerdings noch in der „Träumereiphase“.

Wie ist die Initiative mykitaplatz mit #schafftunsplatz überhaupt entstanden?

MyKitaPlatz als Begleiter auf dem Weg in die Betreuung von der Anmeldung bis nötigenfalls zur Klage, ist aus unserer eigenen persönlichen Betroffenheit heraus entstanden. Mein Mann und ich mussten damals den Kitaplatz für unsere ältere Tochter ebenfalls auf dem Klageweg erstreiten. Dabei haben wir viele Erfahrungen gemacht, die uns, wenn wir keine Juristen wären, damals von der Klagedurchsetzung abgehalten hätten. Das wollten wir ändern und einen Weg schaffen, der es allen Familien ermöglicht, das Recht der Kinder auf einen Betreuungsplatz durchzusetzen. So ist MyKitaPlatz entstanden, mit dem Anspruch die Durchsetzung des Kitaplatzanspruchs fast so bequem wie die Pizzabestellung abzuwickeln.

Allerdings haben wir im Laufe unserer Arbeit leidlich erfahren müssen, dass trotz des klaren Rechtsanspruchs, wir auch auf dem Klageweg in einigen Fällen nicht in zumutbarer Zeit (also weniger als 11 Monate) einen Platz erstreiten konnten. Und wo die rechtlichen Mittel ausgeschöpft sind, müssen unserer Ansicht nach gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt bzw. beschleunigt werden. Daher #schafftunsplatz als quasi „Lautsprecher“ für die nach wie vor bestehenden Betreuungsplatzprobleme.

Woher nehmt ihr die Kraft und Ausdauer, euch so konsequent für Kitaplätze einzusetzen?

Der einfache Grund ist, dass jedes Kind bzw. jede Familie die Chance haben soll, den Tag in der Kita zu verbringen, wenn sie es möchten. Dahinter stecken dann diverse Gründe. Aus unserer Sicht fängt es bei der Sozialisierung unserer Kinder an und hört auf bei der volkswirtschaftlichen Komponente.

Ich persönlich finde es wichtig, dass Kinder die Möglichkeit haben, sich in Gruppen von Gleichaltrigen und außerhalb des eigenen Zuhauses zu entwickeln und daran zu wachsen. Insbesondere in den Lockdown-Zeiten haben unsere Kinder uns den Wunsch nach Kindergarten ganz konkret kommuniziert. Manche haben starke negative Gefühle entwickelt, nicht mir ihren Freunden und Erziehern zusammen sein zu dürfen.

In anderen (von uns betreuten) Familien ist die Frage jedoch teilweise viel existenzieller. Hier geht es dann um die Frage, ob etwa die alleinerziehende Mutter berufstätig sein kann oder sie sich integrieren kann. Insbesondere Alleinerziehende, teilweise mit mehreren Kindern, benötigen einfach einmal Phasen des Luftholens, um wieder Kraft zu tanken für das Wuppen des Familienalltages.

Die Liste der Gründe und ausgelösten Probleme könnte ich unendlich weiterführen. Letztendlich leiden vor allem Frauen darunter, wenn Kinder Zuhause betreut werden müssen. Darüber hinaus hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie noch einmal herausgehoben, dass dadurch insbesondere die Frauen als Fachkräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt schmerzhaft fehlen.

Wie kann man euch unterstützen?

Wir brauchen maximale Aufmerksamkeit für unser Anliegen, um die Verantwortlichen an einen Tisch zu bekommen und so Veränderungen anstoßen zu können. Daher hilft uns jede und jeder, die/ der sich einsetzt für unsere Initiative #schafftunsplatz.

Das geht heutzutage am besten über Social Media. Daher haben wir uns folgendes gedacht: alle Menschen, egal ob Eltern, Oma, Opa oder nicht, posten in ihren social media Kanälen ein Bild von sich mit einem Schild, einer Pappe oder einem Blatt Papier und der Aufschrift #schafftunsplatz und gerne auch einer kurzen Textbotschaft.

Gerne könne die Bilder auch an uns per Mail an mitmachen@schafftunsplatz.de geschickt werden, falls Menschen sich beteiligen wollen und keine Social-Media-Profile besitzen. Wir sammeln die Bilder und hoffen uns mit der Kraft der „Crowd“, Gehör zu verschaffen.

Was würdest du dir für die (Kita-)Zukunft wünschen?

Für die Kitazukunft wünsche ich mir an aller erster Stelle, dass jedes Kind, welches in den Kindergarten möchte, auch die Chance hat dies in seiner unmittelbaren Umgebung zu tun. Danach kommt der Wunsch nach einer größeren Wertschätzung der Erzieher und einer Entlastung dieser.

Der Abbau föderaler und kommunaler Unterschiede sowie bürokratischer Hürden würde auch zu mehr Verständnis und zielorientierter Arbeit bei der Betreuungssituation schaffen. Nicht weniger wichtig ist eine gesellschaftliche Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Familien. Genauso wie ein Miteinander, insbesondere von einigen Behörden gegenüber den Familien, aber auch so manchem Richter und anderen Entscheidungsträgern.

Lisa Schölzel. Foto: Privat

Lisa Schölzel. Foto: Privat

Vielen Dank, liebe Lisa, für das angenehme Gespräch und deine Zeit.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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