Rauchen in der Schwangerschaft und danach: So gefährlich ist es für dein Kind

Wenn wir einen Artikel zum Thema „Rauchen in der Schwangerschaft“ oder allgemein „Rauchen“ veröffentlichen, führt das meistens zu heftigen Diskussionen. Häufig werden wir gefragt, warum wir solche Themen immer wieder posten, obwohl wir doch wissen, was sie auslösen? Die Antwort ist relativ simpel: Weil es wichtig ist! Wir möchten damit keine Diskussionen anheizen, niemanden diskriminieren oder bevormunden – aber wir finden es wichtig, immer wieder über die Risiken zu berichten, die das Rauchen nun einmal mit sich bringt.

Dass Zigaretten schädlich sind, weiß wohl inzwischen jeder

Trotzdem lese ich immer wieder Kommentare wie „Ich rauche auch und bin gesund“, „Früher wurde bei uns auch geraucht, und es hat mir nicht geschadet“, „Ich habe auch in der Schwangerschaft geraucht, und meine Kinder haben nichts“. Ganz ehrlich: Wenn ich solche Sätze lese, freue ich mich wirklich für diejenigen, die sie geschrieben haben. Denn es bedeutet, dass es ihnen gut geht – obwohl sie rauchen. Dass ihre Kinder gesund sind – obwohl die Eltern Raucher sind. Dass ein Baby gesund zur Welt gekommen ist – obwohl die Mama in der Schwangerschaft zur Zigarette gegriffen hat.

Kinder von Rauchern sind besonders infektanfällig

Gleichzeitig könnte ich schreien! Denn woher wollen diejenigen wissen, dass es auch so bleibt? Dass es keine Langzeitfolgen gibt, die nur jetzt noch nicht zu sehen sind? Dass das Kind nicht doch noch Asthma entwickelt und an verschiedenen Allergien leidet? Natürlich wird nicht jeder Raucher irgendwann krank. Natürlich wird nicht jedes Kind von Rauchern zwangsläufig krank. Aber es ist nun einmal Tatsache, dass Kinder von Rauchern besonders anfällig für Krankheiten sind, weil ihr Immunsystem einfach noch nicht komplett entwickelt ist. Und ja, früher haben viel mehr Leute geraucht, und natürlich sind nicht alle davon krank geworden. Aber heute weiß man einfach viel mehr über die Auswirkungen.

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Rauchen in der Schwangerschaft: Schwangere mit Zigarette

Zwölf Prozent aller werdenden Mamas rauchen in der Schwangerschaft.
Foto: Bigstock

Rauchen in der Schwangerschaft: Warum mich das Thema so aufregt?

Weil es mich selbst betrifft. Meine Mama hat schon immer geraucht. Als sie mit 14 Jahren konfirmiert wurde, hat meine Opa, der selbst starker Raucher war, zu ihr gesagt: „Jetzt bist du erwachsen, jetzt darfst du auch rauchen.“ Und das hat sie gemacht – und ihr Leben lang nicht mehr aufgehört. Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir zusammen am Frühstückstisch saßen, als ich zur Schule musste. Und wie meine Mama sich eine Zigarette angezündet hat, als ich mit meinem Müsli fertig war. In der Schule wurde ich oft gefragt, ob ich eigentlich rauchen würde – weil meine Klamotten so nach Zigaretten gerochen haben. Irgendwann habe ich sie dann gebeten, sich beim Frühstück nicht mehr dazu zu setzen. Eigentlich traurig, oder? Aber für uns war es die beste Lösung.

Ob meine Mama auch in der Schwangerschaft geraucht hat, weiß ich nicht. Ich habe sie das nie gefragt, weil sie eine tolle Mama war, und ich nicht wollte, dass sie ein schlechtes Gewissen bekommt oder sich Vorwürfe macht.

Meine Mama hat geraucht – ich habe Asthma

Warum Vorwürfe? Weil ich Asthma habe. Gefühlt schon seit Ewigkeiten, bestätigt erst seit ein paar Jahren. Seit ich klein war, wurde fast jeder Husten zur Bronchitis, einmal habe ich so schlecht Luft bekommen, dass wir zum Notdienst fahren mussten. Dazu kommen gefühlte 78 Allergien, gegen Hausstaub, sämtliche Pollen, Äpfel, Haselnüsse und Tierhaare. Ob das vom Rauchen in der Schwangerschaft kommt, weiß ich natürlich nicht. Aber der Verdacht liegt schon nahe, weil es ja genau das ist, was auch viele Studien immer wieder bestätigen:

Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft raucht, hat ihr Kind ein deutlich höheres Risiko, später an Asthma zu erkranken – und zwar an vorübergehendem, aber auch an dauerhaftem Asthma. Und das gilt auch schon für die gelegentliche Zigarette (Studie mit über 10.000 Mutter-Kind-Paaren, des Fachmagazins „Evironment Health Perspective“ aus dem Jahr 2018)

Ich bin schwanger – soll ich sofort aufhören zu rauchen?

Aber wie ist das eigentlich, wenn man raucht und schwanger wird: Soll man überhaupt sofort aufhören oder gefährdet man damit vielleicht sogar das Leben des ungeborenen Kindes? Viele Mamas erzählen, dass ihnen geraten wurde, nach und nach die Anzahl der Zigaretten zu reduzieren, damit es beim Baby nicht zu Entzugserscheinungen kommt. Allerdings ist diese Ansicht inzwischen veraltet. Zum einen ist jede einzelne Zigarette, die während der Schwangerschaft geraucht wird, schädlich für das Baby. Zum anderen hat ein Baby, dessen Mutter während der Schwangerschaft raucht, nach der Geburt mit den Entzugserscheinungen zu kämpfen.

Rauchen in der Schwangerschaft: Ultraschallbild

Oben: Fötus einer Raucherin, unten: Fötus einer Nichtraucherin – Durham University

Rauchen in der Schwangerschaft führt zu Durchblutungsstörungen der Plazenta führt

Das bedeutet, das Baby wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und nimmt nur langsamer an Gewicht zu. Gleichzeitig kann sich auch die Entwicklung des Babys verzögern. Deshalb kommen die Babys von rauchenden Mamas oft mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt – und häufig auch früher als geplant. Denn auch die Wahrscheinlichkeit einer Früh- oder sogar Fehlgeburt ist deutlich erhöht, wenn die werdende Mama während der Schwangerschaft raucht.

Babys von Raucher-Mamas leiden häufig an Entzugserscheinungen

Ein weiterer Punkt, den man nicht vergessen sollte: In der ersten Zeit nach der Geburt leiden die Kinder von Raucherinnen häufig unter Entzugserscheinungen. Die können sich zum Beispiel in starker Unruhe, Stress und schrillem Schreien äußern, aber auch eine Trinkschwäche gehört zu den typischen Symptomen. Dabei wäre es gerade für Kinder, die zu früh zur Welt kommen, so wichtig, viel zu trinken. Bis der kleine Körper sich völlig von den Folgen des Nikotins erholt hat, kann es mehrere Wochen dauern.

 

Mädchen hustet

Kinder von Raucher-Mamas leiden deutlich häufiger an Asthma.
Foto: Bigstock

Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko, später an Asthma zu erkranken

Und auch, wenn zum Zeitpunkt der Geburt alles in Ordnung ist: Viele Kinder von Rauchermamas leiden später an Allergien und Asthma – sogar fünfmal häufiger als Kinder, deren Mütter nicht geraucht haben. Das Risiko ist übrigens auch erhöht, wenn zu Hause geraucht wird. Oftmals bleibt es nicht beim Asthma, sondern die Kinder haben generell ein sehr anfälliges Bronchialsystem und kämpfen häufig mit Bronchitis, Lungenentzündung und Co.

Und auch für andere Infekte sind Raucherkinder deutlich anfälliger. Sie bekommen öfter eine Mittelohrentzündung und klagen doppelt so häufig über Husten, Schwindel und Kopfschmerzen wie Kinder, bei denen zu Hause nicht geraucht wird. Dazu kommen oft Konzentrations- und Schlafstörungen, und sogar die Wahrscheinlichkeit, an ADHS zu erkranken, ist um das Dreifache erhöht. Das Passivrauchen schädigt nachweislich das Immunsystem und hilft Krankheitserregern dabei, sich leichter auszubreiten. Deshalb fehlen Kinder, bei denen zu Hause geraucht wird, doppelt so häufig in der Schule.

Rauchen erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod – um das 7-fache

Klingt gruselig, oder? Und es kommt sogar noch schlimmer: Auch das Risiko, dass ein Baby am plötzlichen Kindstod verstirbt, ist bei Raucher-Mamas um das Siebenfache erhöht! Dabei würden wir Mamas doch alles tun, um unser Baby genau davor zu schützen. Nicht umsonst ist das rauchfreie Zuhause eine genauso wichtige Maßnahme wie das Schlafen auf dem Rücken und der Verzicht auf ein Kissen oder Nestchen.

Dazu kommt, dass häufiger Entwicklungsstörungen auftreten – und auch das Krebsrisiko steigt. Laut einer Statistik der Techniker Krankenkasse sterben weltweit sogar 165.000 Kinder JEDES JAHR an den Folgen des Passivrauchens.

Schlafendes Baby

Wenn die Eltern rauchen, steigt das Risiko für den plötzlichen Kindstod um das 7-Fache.
Foto: © Unsplash

Kinder leiden mehr an den Folgen des Rauchens

Warum gerade Kinder mit so massiven Folgen zu kämpfen haben, lässt sich relativ einfach erklären: Sie haben nämlich eine höhere Atemfrequenz als wir Erwachsene. Dazu kommt, dass Kinder Giftstoffe noch nicht so gut abbauen können. Das heißt, wenn ein Kind den Rauch einer Zigarette einatmet, gelangt eine deutlich höhere Konzentration der Schadstoffe in den kleinen Körper als bei einem Erwachsenen.

Das gilt übrigens auch für den „Rauch aus dritter Hand“

Davon spricht man zum Beispiel, wenn sich der Rauch in der Kleidung, aber auch in Möbeln, Teppichen und Wänden festsetzt. Wenn Eltern zum Rauchen auf den Balkon gehen, bleiben 70 % der Schadstoffe aus der Zigarette in der Kleidung hängen – und werden beim Spielen auf das Baby übertragen. Steckt das Baby dann seine Hände in den Mund, gelangen die Schadstoffe direkt in den kleinen Körper.

Forscher von der University of California haben nachgewiesen, dass dieser Rauch aus dritter Hand Lunge und Leber eines Kindes schädigen, die Wundheilung verzögern, das Risiko für Diabetes erhöhen und zu Hyperaktivität führen kann. Wenn ein Raum, in dem früher geraucht wurde, als Kinderzimmer umfunktioniert wird, haben die Kinder sogar „ein signifikant höheres Risiko für verschiedenste Gesundheitsprobleme, von denen sich manche auch erst im Erwachsenenalter zeigen“. Heißt also: Auch wenn ein Kind aktuell gesund ist, können sich die Folgen erst einige Jahre später zeigen.

Rauchen vermindert die Fruchtbarkeit

Rauchen kann eine Schwangerschaft verhindern, denn es beeinflusst die Fruchtbarkeit.
Foto: Bigstock

Wir Mamas möchten unsere Kinder doch eigentlich schützen

Ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Zusammenhang das Argument gelesen habe „Bald dürfen unsere Kinder nicht mehr vor die Tür, weil da zu viele Schadstoffe sind.“ Ganz ehrlich, was ist denn das für eine Logik? Weil unsere Kinder also draußen von Schadstoffen umgeben sind, können wir sie zu Hause ja auch mit Zigarettenrauch vollqualmen? Nur weil das eine schädlich ist und krank machen kann, verzichten wir auf das andere auch nicht? Kann ich nicht verstehen. Jede Mama möchte ihr Kind doch vor allen Gefahren beschützen. Warum also sollte man sie dieser Gefahr bewusst aussetzen, wenn man sie so leicht vermeiden kann?

Rauchen vermindert die Fruchtbarkeit

Übrigens: Rauchen ist nicht nur für euer Baby gefährlich, sondern verhindert vielleicht sogar schon seine Entstehung. Denn die Schadstoffe schädigen die Chromosomen in den Keimzellen – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Bei Männern wird außerdem die Fruchtbarkeit der Spermien beeinträchtigt, und Raucherinnen brauchen häufig länger, um schwanger zu werden.

Wenn man das alles liest, kann einem doch die nächste Zigarette eigentlich gar nicht mehr schmecken, oder? Und ja, ich weiß, wie schwer es ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn auch, wenn es hier vielleicht nicht so klingt: Ich habe selbst eine ganze Zeit lang geraucht und das nicht gerade wenig. In meiner „Hoch-Zeit“ lag ich bei etwa einer Schachtel pro Tag – und fand es dann selbst irgendwann eklig. Natürlich hat es auch nicht dazu beigetragen, dass mein Asthma besser wurde. Keine Ahnung, wie viele Versuche ich gebraucht habe, um endlich aufzuhören, es waren definitiv einige. Aber irgendwann hat es geklappt. Ganz langsam, nach und nach. Und zum Glück viele Jahre, bevor ich daran gedacht habe, Mama zu werden.

Wie sieht es bei euch aus – raucht ihr oder habt ihr mal geraucht? Und wie habt ihr es geschafft, aufzuhören? Erzählt doch mal!

Kinderherztin Dr. med. Snježana-Maria „Snježi“ Schütt

Foto: privat

Unsere Expertin: Kinderärztin Dr. med. Snježana-Maria „Snježi“ Schütt, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin aus Lübeck.

Auf ihrem Blog www.die-kinderherztin.de findet ihr alles, was die „Kinderherztin“ liebt: Hilfreiche Texte über medizinische Themen, leckere Rezepte, Reiseberichte und coole Bastel-Tipps.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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