Rassismus-Warnung bei Dumbo & Co.: Disney zeigt sich selbstkritisch

„I can´t breathe.“ Diese drei Worte gehen um die Welt, als am 25. Mai 2020 der Afroamerikaner George Floyd bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz ums Leben kommt. Spätestens seit diesem Vorfall haben sich viele von uns (hoffentlich) erneut mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt.

Ein wichtiger Teil davon: Selbst wenn man es in den meisten Fällen gar nicht „so“ meint: Verletzende oder abwertende Äußerungen schleichen sich ganz oft und ganz unbemerkt in unser alltägliches Sprechen und Denken ein. Dann hilft es, sich selbst kritisch zu hinterfragen (das gilt übrigens nicht nur für das Überwinden von Alltagsrassismus).

Jüngstes unglückliches Beispiel: Eine Talkrunde des WDR in der Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski gesellschaftliche Themen diskutierten. Eine der diskutierten Fragen: „Das Ende der Z*-Sauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ Alle vier Gäste hatten für „nein“ gestimmt. Dazu kamen haarsträubende Aussagen zum Thema Begrifflichkeiten, und zwar Schlag auf Schlag. Das alles sollte nicht „so auf die Goldwaage gelegt werden.“

Das Schwierigste daran:

Hier diskutierten ausschließlich weiße Gäste darüber, was sie als rassistisch empfinden.

Es hagelte im Anschluss an die Ausstrahlung öffentliche Kritik, wie naiv und empathielos mit dem Thema Alltagsrassismus umgegangen wurde. Inzwischen räumte der Sender Fehler ein: „Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt betroffen sind.“

Fakt ist: Auch, wenn wir vielleicht zu einem Schaumkuss seit unserer Kindheit N*kuss sagen, und zwar ohne jeden Hintergedanken – ist es Grund genug, dieses Wort aus unserem Vokabular zu verbannen, wenn sich auch nur ein einziger Betroffener dadurch verletzt fühlt.

Diese wichtige Auseinandersetzung mit dem Thema geht natürlich auch an großen Konzernen nicht vorbei.

Der Streamingdienst Disney Plus hat als Konsequenz mehrere Film-Klassiker wie „Dumbo“ oder „Dschungelbuch“ mit einem Warnhinweis auf rassistische Stereotype versehen. Auch „Aristocats“ und „Peter Pan“ wurden aus dem Kinderprogramm von Disney Plus gestrichen, wie zum Beispiel die Berliner Zeitung berichtet.

Was ist an „Peter Pan“ oder „Dumbo“ rassistisch?

Die Filme sind zwar weiterhin verfügbar, auch im Sortiment von Disney Plus Deutschland. Wer „Dschungelbuch“ oder „Dumbo“ schauen möchte, bekommt nun aber folgenden Vorspann präsentiert: „Dieses Programm enthält negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind es noch heute.“ So will Disney eine Diskussion über Diskriminierung anstoßen und ermöglichen.

Disney erklärt auf seiner Homepage, wieso die genannten Filme inzwischen als rassistisch bewertet werden. So seien die singenden Krähen im Film „Dumbo“ eine Hommage an „rassistische Minnesängershows. Schon länger wird außerdem eine weitere Szene aus dem Film kritisiert. In einer Anfangsszene bauen dunkelhäutige Arbeiter ein Zirkuszelt auf und singen dabei: „Wenn andere ins Bett gehen, schuften wir uns ab, bis wir sterben.“ Weiter singen sie, dass sie Lesen und Schreiben nie gelernt hätten. Trotzdem seien sie „Hilfsarbeiter mit glücklichen Herzen“.

Disney entschuldigt das „Verspotten“ anderer Kulturen

Zusätzlich gibt es Kritik daran, dass eine der singenden Krähen „Jim Crow“ heißt. Der Name verweise auf das Bild eines singenden, tanzenden, aber auch faulen Schwarzen. Die US-Rassengesetze wurden übrigens erst 1964 abgeschafft und waren damit zum Veröffentlichungszeitpunkt von „Dumbo“ noch gültig. Von Kritikern bekamen sie damals den Namen „Jim Crow Laws“. Das rassistische Bild des „Jim Crow“ spiegelt sich vermutlich auch in der Szene der singenden Arbeiter wider. Doch auch ohne dieses Hintergrundwissen wirkt ihr Gesang aus heutiger Perspektive mehr als zynisch.

In „Aristocats“ spielt eine siamesische Katze mit Essstäbchen Instrumente. In der Originalfassung spricht sie zudem in einem betont asiatischen Akzent, obwohl sie von einer weißen Person synchronisiert wurde. Außerdem wird die Katze als „rassistische Karikatur ostasiatischer Völker mit übertriebenen stereotypen Merkmalen wie schrägen Augen und Buckelzähnen“ dargestellt. Zusätzlich enthalte der Film auch Texte, die die chinesische Sprache und Kultur verspotten.

Der beliebte Klassiker „Peter Pan“ zeigt indigene Ureinwohner, die wiederholt als „Rothäute“ bezeichnet und laut Kritik stereotyp dargestellt werden. Zum Beispiel trägt Peter Pan einen Feder-Kopfschmuck und ahmt die Tänze der Ureinwohner auf eine spöttische Art und Weise nach.

Reaktionen auf die neue Rassismus-Warnung

Im Netz stößt die Entscheidung Disneys größtenteils auf Zustimmung. Die meisten Stimmen sind sich einig, dass es längst an der Zeit ist, rassistische Stereotype auch in Kinderfilmen zu entlarven und aufzuarbeiten. Manchen geht der neue Disclaimer aber noch nicht weit genug. Denn gerade das (öffentliche) Reden darüber, was nun rassistisch ist oder nicht, stellt uns immer wieder vor Herausforderungen.

Darf ich meinen Kindern die betreffenden Filme noch zeigen?

Eine Frage, die wohl jeder für sich selbst beantworten muss. Letztendlich sind die Darstellungen in den Disneyfilmen ein Spiegel der damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen (so traurig das auch ist). Glücklicherweise haben sich diese mittlerweile in der Regel gewandelt. Trotzdem können die Kinderfilme als ihre Zeugen auch heute noch rassistische Vorstellungen verstärken oder vermitteln.

Deswegen ist es wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen, warum die betreffenden Szenen unangebracht und beleidigend sind. Hier sind also die Eltern gefragt, die ihre Kinder beim Filmeschauen begleiten und ihnen helfen, die gezeigten Inhalte zu verarbeiten und zu hinterfragen.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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