Ist Plazenta Bipartita gefährlich? Risiken, Folgen & Behandlung

“Plazenta, bitte was?” Wenn Schwangere bei der Ultraschalluntersuchung mit einer “Plazenta Bipartita” diagnostiziert werden, ist das erstmal ein Schock. Tausend Fragezeichen folgen. Verständlich – denn von dieser Formveränderung des Mutterkuchens hat wahrscheinlich keine Mama jemals gehört. Trotzdem heißt es Durchatmen, es gibt höchstwahrscheinlich keinen Grund zur Sorge! Wir verraten dir alles, was du zur Diagnose wissen musst: Ob bzw. wann diese gefährlich ist, welche Folgen sie für deine Schwangerschaft und die Geburt haben könnte und wie die Behandlung aussieht.

1. Das Wichtigste zusammengefasst

  • Definition: Eine Plazenta Bipartita heißt übersetzt „zweigeteilter Mutterkuchen“. 
  • Wie der Name schon sagt, besteht dein Mutterkuchen, der dein Ungeborenes mit Nährstoffen versorgt, dabei nicht aus einem Organ, sondern aus zwei, seltener auch mehr, Teilen. 
  • Die Ursachen für diese Formanomalie sind nicht ausreichend geklärt.
  • Das Ganze ist erst einmal nicht gefährlich und muss deshalb nicht weiter behandelt werden. Deine Ärztin kontrolliert ab jetzt vorsorglich, ob alles normal verläuft – was fast immer der Fall ist.
  • Sobald dein Kleines auf der Welt ist, legen Ärzte und Hebammen ein besonderes Augenmerk auf deine Nachgeburt. Denn es ist wichtig, dass nichts vom Mutterkuchen in deinem Bauch verbleibt. Ansonsten greifen die Experten um dich herum ein und lösen das Organ. Du kannst dich auf sie verlassen!
  • Ein Kaiserschnitt ist nicht automatisch nötig. In seltenen Fällen kann das Risiko für eine Vasa Praevia (Nabelschnuranomalie) erhöht sein. Auch hier brauchst du keine Angst haben: Deine Frauenärztin wird das schnell feststellen und ggf. zu einem Kaiserschnitt in der 36. oder 37. Schwangerschaftswoche (ssw) raten.
  • Zwillinge? Nein! Solltest du ein Doppelpack erwarten, wird jedes Kind durch ein eigenes Organ versorgt.

2. Definition Plazenta Bipartita – was ist das?

Der Begriff bedeutet übersetzt “zweigeteilter Mutterkuchen”. Wirst das bei dir diagnostiziert, heißt das, dass dein Mutterkuchen aus zwei – oder seltener drei – Teilen besteht. Diese können voneinander getrennt oder durch einen dünnen Gewebestreifen verbunden sein und verschiedene Lagen einnehmen, zum Beispiel ein Teil an der hinteren und der andere an der vorderen Wand.

Klingt schlimm? Ist es aber erstmal nicht.

In der Regel funktioniert das Organ trotzdem einwandfrei und die Zweiteilung hat keine weiteren Auswirkung auf die Entwicklung, ist also nicht gefährlich für Schwangerschaft oder Entbindung. Trotzdem ist es wichtig, dass deine Ärztin bei den Vorsorgeuntersuchungen die Diagnose stellt und vermerkt. Denn: Manchmal kommt es nach der Geburt zu einer so genannten Lösungsstörung, wenn kleine Teile in der Gebärmutter zurückbleiben. Hebammen oder Ärzte achten deshalb ganz besonders darauf, dass deine Nachgeburt komplett herauskommt und schreiten ggf. ein.

3. Welche Ursachen gibt es für Plazenta Bipartita und wie häufig kommt sie vor?

Bei dieser Teilung handelt es sich um eine Formanomalie. Die Ursachen sind noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. Nach heutigem Stand wissen Ärzte also nicht, was genau die Zweiteilung verursacht. Es gibt keine Symptome, an der wir Mamas bemerken könnten, dass unser Mutterkuchen irgendwie anders ist als normal. Nur der Ultraschall kann das feststellen.

Wichtig zu wissen: Die Formanomalie kommt nur sehr, sehr selten vor und betrifft ca. 1 % der werdenden Mamas.

4. Plazenta Bipartita: ein Zeichen für Zwillinge?

Nein, eine zweigeteilte Plazenta bedeutet nicht, dass du Zwillinge bekommst. Hier handelt es sich um ein und dasselbe Organ, das in zwei Teile geteilt ist. Beide Bereiche versorgen dasselbe Kind.

Wenn du Zwillinge erwartest, befinden sich zwei Plazentas in der Gebärmutter, die jedoch nicht miteinander verbunden sind. Übrigens besteht der Mutterkuchen zum Teil aus mütterlicher und zum Teil aus kindlicher DNA. Sind die Zwillinge eineiig, dann sind die Plazentas genetisch identisch. Sind die Zwillinge zweieiig, dann ist der Teil der kindlichen DNA verschieden.

5. Wie wird die Anomalie behandelt?

Sollte dein Baby tiptop versorgt sein, wirst du auch nicht weiter behandelt. Das überprüft in regelmäßigen Abständen deine Frauenärztin bzw. Hebamme.

Lediglich bei der Nachgeburt kann es sein, dass eingegriffen werden muss – und zwar, wenn sich die Teile nicht vollständig lösen, zum Beispiel weil sie an der Wand der Gebärmutter angewachsen sind. Ist das der Fall, gibt es mehrere Methoden, eine solche Ablösungsstörung zu behandeln. Zunächst wird versucht, Nachwehen auszulösen durch:

  • Bauchmassagen
  • Akkupunktur
  • Stillen
  • Zusätzliche Gabe von Oxytocin

Das funktioniert in aller Regel schon sehr gut. Sollten diese Methoden nicht ausreichen, müssen die Reste manuell abgelöst werden. Aber keine Panik, davon bekommst du nichts mit: Entweder wird eine PDA durchgeführt oder du wirst unter Vollnarkose gesetzt. Dann löst ein Arzt vorsichtig das, was noch nicht vollständig rausgekommen ist. Wenn das nicht hilft, muss die Gebärmutter ausgeschabt werden.

6. Risiken: Ist eine zweigeteilte Plazenta gefährlich?

Nein, sie ist nicht gefährlich per se, wenn sich alle Teile des Mutterkuchens nach der Geburt lösen und aus dem Körper gelangen. Wenn die Hebamme also weiß, dass die Plazenta in Teilen vorliegt, wird sie sie genau untersuchen und sicherstellen, dass keine Reste in der Gebärmutter zurückbleiben.

Warum ist es wichtig, dass der Mutterkuchen vollständig abgegeben wird?

Passiert das nicht, kommt es zu starken Blutungen. Auch Entzündungen, Wucherungen und Rückbildungsstörungen sind möglich. Das kann für die Mutter lebensbedrohlich werden. In ganz extremen Fällen muss die Gebärmutter entfernt werden.

Klingt erstmal ziemlich gruselig, das wissen wir. Trotzdem brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Zum einen ist es eher selten, dass sich die Plazenta nicht ablöst. (Nur eine von 2.500 Schwangerschaften ist betroffen und selbst dann lässt sich dieses Problem gut behandeln). Zum anderen kannst du dich auf die Ärzte verlassen. Du bist in guten Händen.

Ein weiteres Risiko (sehr, sehr selten!!)

Eine Plazenta Bipartita kann das Risiko für Vasa Praevia erhöhen. Bei dieser Nabelschnuranomalie handelt es sich um eine Sonderform der Insertio Velamentosa, bei der die Nabelschnur nicht in der Mitte der Plazenta ansetzt, sondern an den Eihäuten. Wenn sich der Nabelschnuransatz nun sehr nahe oder direkt am inneren Muttermund befindet, spricht man von Vasa Praevia.

Das Problematische daran ist, dass die Nabelschnurgefäße beim Blasensprung oder bei der Geburt abgedrückt werden oder reißen können. Das kann schwerwiegende Folgen für das noch Ungeborene haben.

Erfahrene Ultraschalldiagnostiker können solche Anomalien bereits bei der ersten oder spätestens bei der zweiten Ultraschalluntersuchung erkennen. Ist der Nabelschnuransatz zu nah am Muttermund, wird zu einem Kaiserschnitt geraten. Ist er jedoch weiter entfernt, ist das nicht unbedingt notwendig.

„Wenn wir um die Gefahr wissen, planen wir einen frühzeitigen Kaiserschnitt zwischen 36 und 37 vollendeten Schwangerschaftswochen“, erklärt Professor Wolfgang Henrich, Chefarzt der Kliniken für Geburtsmedizin der Berliner Charité, gegenüber aerztezeitung.de.

Auch diese Nabelschnuranomalien treten nur sehr, sehr selten auf: Eine Insertio Velamentosa kommt bei ca. 1 % der Schwangeren vor, die Sonderform nur bei etwa 0,4 %. 

Auf mummy-mag.de findest du einen tollen Erfahrungsbericht von Julia.

7. Ist bei einer Plazenta Bipartita ein Kaiserschnitt notwendig?

Die Anomalie allein ist kein Grund für einen Kaiserschnitt. Es ist absolut möglich, dein Baby auf natürliche Weise zu gebären. Ob ein Kaiserschnitt notwendig wird, hängt von anderen Faktoren ab und nicht direkt durch die Zweiteilung.

Wie bereits erwähnt, erhöht eine zweigeteilte Plazenta die Wahrscheinlichkeit für eine Nabelschnuranomalie. Daher werden Ärzte besonderes Augenmerk auf die Position der Nabelschnur legen und – wenn notwendig – zu einem Kaiserschnitt raten.

Außerdem spielen die Positionen der Teile der Plazenta eine Rolle. Es kann passieren, dass sich ein Bereich – oder, wenn vorhanden, der Gewebestreifen, der sie verbindet – ungünstig liegt und zum Beispiel den Muttermund verdeckt. Auch in diesem Fall wird ein Kaiserschnitt notwendig.

8. Welche Veränderungen der Plazenta gibt es noch?

Kein Mutterkuchen ist wie der andere. Plazentas unterscheiden sich nicht nur in Größe und Gewicht, sondern auch in ihrer Form. Somit kommt es manchmal zu verschiedenen Veränderungen kommen, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können.

Es werden folgende, weitere Formen unterschieden:

  • Zwei- oder mehrfach gelappt (Placenta Bilobata)
  • Ring- oder gürtelförmig (P. Anularis)
  • Gefensterte Plazenta mit einer oder mehreren gewebsfreien Stellen (P. Fenestrata)
  • Plazenta bedeckt die gesamte Eihaut großflächig (Placenta Membranacea)
  • Umwallte Plazenta (P. Circumvallata)
  • Teilung in Hauptplazenta und mit ihr verbundene kleine Nebenplazentas (Placenta Succenturiata)

All diese Formveränderungen stellt dein Arzt frühzeitig durch Ultraschalluntersuchungen fest. Sollte irgendwas für dein Kleines gefährlich werden können – was übrigens nur selten der Fall ist – werden deine Ärzte dich ausführlich zu notwendigen Maßnahmen beraten.

 

Puh, schwieriges Thema oder? Hast du noch Fragen? Ansonsten wünschen wir dir und deinem kleinen Wunder alles Gute und freuen uns sehr, wenn du uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren berichten magst. 

 

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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